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Kreis Bautzen: So steht's um die großen Verkehrsprojekte

Welche Bahnstrecken kommen unter Strom? Wird die A4 ausgebaut? In jüngster Zeit gab es widersprüchliche Meldungen. Sächsische.de erklärt, was Sache ist.

Eine Vision für die Zukunft: Elektrisch angetriebene Züge rollen zwischen Dresden und Görlitz durch die Oberlausitz. Diskutiert wird darüber schon lange. Doch wann wird es umgesetzt?
Eine Vision für die Zukunft: Elektrisch angetriebene Züge rollen zwischen Dresden und Görlitz durch die Oberlausitz. Diskutiert wird darüber schon lange. Doch wann wird es umgesetzt? © shutterstock, ID 1715977969

Bautzen. Die Wogen schlugen hoch, als Ende Juni Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die vom Bund zu bezahlenden Verkehrsprojekte für den Strukturwandel in der Lausitz vorstellte. Die Bahnstrecke Görlitz-Berlin soll demnach eine Oberleitung bekommen, Dresden-Görlitz jedoch nicht. Die Bundesstraße 178 bei Zittau soll fertig gebaut, die Autobahn zwischen Dresden und Bautzen aber nicht breiter werden.

Wenige Tage später besänftigte Kretschmer die empörte Öffentlichkeit: Der Ausbau der A 4 habe weiter höchste Priorität, und für die Bahnstrecke Dresden-Görlitz werde nach einer alternativen Finanzierungsmöglichkeit gesucht. Er versprach seinerzeit eine Klärung bis Ende 2021.

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Die gibt es inzwischen zumindest zum Teil. Ende September unterzeichnete Kretschmer eine Absichtserklärung zwischen dem Freistaat und dem Bundesverkehrsministerium zu wichtigen Schienen- und Straßenprojekten. Doch darin war nur von Bahnstrom zwischen Dresden und Bischofswerda die Rede. Was ist mit dem Abschnitt Bischofswerda-Görlitz? Diese und weitere Fragen stellte Sächsische.de dem Bundesverkehrsministerium, dem sächsischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium sowie der Autobahn GmbH des Bundes.

A4-Ausbau: Vorplanung endet dieses Jahr

Zurzeit läuft die Vorplanung für den Ausbau der A 4 zwischen Nossen und Bautzen-Ost. Dieser Planungsschritt soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein, teilt das zuständige sächsische Ministerium mit. Daran arbeitet auch das Bautzener Büro der Projektgesellschaft Deges mit.

Aus den Vorplanungen will das Bundesverkehrsministerium im ersten Quartal 2022 eine Machbarkeitsstudie erarbeiten. Danach soll es Aussagen zum Baubeginn geben.

Mit Aussagen zum möglichen Baustart halten sich derzeit sowohl die Deges als auch die Autobahn GmbH des Bundes zurück. Aber alle Beteiligten betonen, für wie notwendig sie den Ausbau aufgrund des weiter steigenden Verkehrsaufkommens erachten. Das Geld soll aus dem Bundeshaushalt für den Fernstraßenbau kommen.

Zwischen dem Dreieck Dresden-Nord und Bautzen-Ost soll die Trasse von vier auf sechs Fahrspuren wachsen, zwischen den Dreiecken Dresden-Nord und Nossen von sechs auf acht. Das Projekt soll nach bisherigen Schätzungen etwa 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro kosten.

Bahn Dresden-Görlitz: Mehr Chancen in drei Abschnitten

In ihrer Absichtserklärung teilen Sachsen und das Bundesverkehrsministerium die Strecke Dresden-Görlitz in drei Teile auf. Ihr Kalkül: Für drei kleinere Abschnitte ist schneller Geld zu beschaffen als für einen großen.

Zurzeit steht die Elektrifizierung der rund 100 Kilometer im potenziellen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans, also irgendwo weit hinten. Und es könnte lange dauern, ehe die Gesamtstrecke in den vordringlichen Bedarf aufrückt.

Jetzt hat Sachsen "mit dem Bund vereinbart, kurzfristig mit der Planung zu beginnen, um einen Baubeginn im Westabschnitt Dresden bis einschließlich Bischofswerda ab 2028 zu gewährleisten". Dafür müsste nicht auf Geld aus dem Bundesverkehrswegeplan gewartet werden, sondern es käme schneller aus dem sogenannten Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Die Deutsche Bahn AG rechnet mit etwa 300 Millionen Euro.

Der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Görlitz und dem Neißeviadukt nach Zgorzelec ist zugleich Teil der Verbindung Berlin-Görlitz. Und diese bekommt auf jeden Fall eine Oberleitung, denn Berlin-Görlitz gehört zu den bereits feststehenden Strukturwandel-Projekten. Deshalb könne hier, so das Bundesverkehrsministerium, "mit der Umsetzung unmittelbar begonnen" werden. Unmittelbar heißt: bis 2025/26. Auf polnischer Seite reicht die Oberleitung schon bis zum Viadukt.

Bleibt die Lücke zwischen Bischofswerda und dem Bahnhof Görlitz. Dieser Abschnitt soll etwa 430 Millionen Euro kosten - deutlich weniger als für die Gesamtstrecke Dresden-Görlitz. Damit sehen die Ministerien bessere Chancen, dass Bischofswerda-Görlitz im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufrückt.

In allen Plänen und Absichtserklärungen ist derzeit nur von einer Elektrifizierung die Rede - nicht auch vom Ausbau, etwa der Begradigung von Kurven. Das aber wäre nötig, sollen hier einmal Hochgeschwindigkeitszüge rollen. Kein Ministerium schließt diesen Ausbau derzeit aus - aber es legt sich auch niemand darauf fest.

Batteriezüge: Option nach Kamenz, Königsbrück und Zittau

Die Strecke zwischen Arnsdorf und dem südbrandenburgischen Hosena soll ausgebaut und elektrifiziert werden - dieses Strukturwandel-Projekt steht schon fest. Aber bis Bahnstrom anliegt, könnte sich der federführende Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hier auch batteriegetriebene Züge statt Dieseltriebwagen vorstellen. Batteriezüge wären auch eine Option für Dresden-Königsbrück, wo es keinen Fahrdraht geben soll.

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© SZ Grafik

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