Bautzen
Merken

Zum 75. Mal Literaturcafé: Renommierte Autorin liest in Bautzen

In der Bautzener Veranstaltungsreihe ist als Nächstes Regina Scheer aus Berlin zu Gast. Aus welchem Buch sie liest und warum die Organisatorin gerade dieses ausgewählt hat.

Von Anne Semlin
 3 Min.
Teilen
Folgen
Barbara Pohl organisiert die Veranstaltungsreihe Literaturcafé des Ökumenischen Domladens in Bautzen. Am 5. April 2024 liest Regina Scheer aus ihrem Buch "Gott wohnt im Wedding".
Barbara Pohl organisiert die Veranstaltungsreihe Literaturcafé des Ökumenischen Domladens in Bautzen. Am 5. April 2024 liest Regina Scheer aus ihrem Buch "Gott wohnt im Wedding". © Steffen Unger

Bautzen. Zum 75. Mal findet am 5. April 2024 in Bautzen das Literaturcafé statt, eine Veranstaltungsreihe in Trägerschaft des Ökumenischen Domladens. „Aus diesem Anlass hat mir der Verein des Ökumenischen Domladens grünes Licht gegeben, eine renommierte Autorin einzuladen“, sagt Barbara Pohl, die die Veranstaltungsreihe seit 2009 im Ehrenamt organisiert.

Die Wahl fiel auf die Berlinerin Regina Scheer, die erst 2023 für ihre Biografie der Kommunistin Hertha Gordon-Walcher mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Regina Scheer, 1950 in Berlin geboren, studierte Theater- und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Nach ihrer Tätigkeit bei der Wochenzeitschrift „Forum“ arbeitete sie als freie Autorin von Reportagen, Essays und Liedtexten. Nach 1990 wirkte sie an Ausstellungen, Filmen und Anthologien mit und veröffentlichte mehrere Bücher zur deutsch-jüdischen Geschichte.

Buch über Sinti und Roma, deutsch-jüdische Geschichte

„Ich habe mit Regina Scheer telefoniert und durfte ein Buch für die Lesung auswählen“, sagt Barbara Pohl. In Bautzen wird sie aus ihrem 2019 erschienenen Titel „Gott wohnt im Wedding“ lesen. Das Buch handelt von Arbeitsmigranten aus Polen und Rumänien, von Sinti und Roma und von einem heruntergekommenen Haus im ehemals ärmlichen Berliner Stadtteil Wedding. Hier leben diese Menschen meist illegal und unter unmenschlichen Verhältnissen.

Dabei erzählt das Buch auch die Geschichte von Gertrud, die immer noch in dem Haus lebt, und von Leo. Er kehrt nach 70 Jahren aus Israel nach Deutschland zurück, obwohl er das eigentlich nie wollte. Damals konnte er sich als Jude mit Gertruds Hilfe in ebendiesem Haus verstecken.

„Das Buch befasst sich mit einer Thematik, die wir hier so noch nicht hatten, und die, wie ich finde, gut passt“, sagt Barbara Pohl. Darüber hinaus sei Regina Scheer eine große Erzählerin, schwärmt sie. Sie habe einen unterhaltsamen und anschaulichen Schreibstil. Das sprechende Haus etwa könne man sich schnell vorstellen.

"Die Leute kommen, um sich vorlesen zu lassen"

Da zu der Lesung etwa 50 bis 60 Leute erwartet werden, findet sie ausnahmsweise nicht im Ökumenischen Domladen statt, sondern im Saal des Kirchgemeindehauses, Am Stadtwall 12. „Bisher haben wir eine gute Resonanz auf die Ankündigung zur Lesung mit Regina Scheer erfahren“, sagt Barbara Pohl. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos.

Über die Jahre habe das Literaturcafé eine Kern-Zuhörerschaft von etwa 20 Menschen gewonnen. „Sie melden sich teilweise auch ab, wenn sie einmal nicht an einer Lesung teilnehmen können“, berichtet die Organisatorin. Hinzukämen immer noch Besucher, die das jeweilige Thema oder die Autorin an dem Abend interessieren. „Die Leute kommen, um sich vorlesen zu lassen.“

Politische Bildung durch schöne Literatur

Zu den Lesungen gibt es auch einen Buchverkauf durch die inhabergeführte Buchhandlung Kretschmer von der Steinstraße. „Unser Anliegen ist es, über schöne Literatur den Horizont zu erweitern und dabei auch politische Bildung zu betreiben“, sagt Pohl. Wie etwa mit dem Buch von Scheer: zu religiöser Vielfalt, der Geschichte von Sinti und Roma, Antisemitismus und Erinnerungskultur.

Neben bekannteren Autorinnen und Autoren wie Regina Scheer lesen in der Veranstaltungsreihe häufig regionale Autoren. So ist am 31. Mai etwa Christiane Schlenzig aus Bautzen zu Gast, am 5. Juli Christian Schneider aus Grubschütz und am 1. November die sorbische Autorin Měrana Cušcyna.

75. Literaturcafé des Ökumenischen Domladens Bautzen, Lesung mit Regina Scheer, Freitag, 5. April 2024, 18.30 Uhr, im Kirchgemeindehaus, Am Stadtwall 12, Eintritt frei.