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Straßenkunst mit Botschaft

Mit Traktor und Wassertank rollt der Performance-Künstler Mike Salomon durch Sachsen und Tschechien - und hinterlässt flüchtige Nachrichten.

Unterwegs mit dem Wunschmobil: Mit Wasser sprüht Performance-Künstler Mike Salomon Botschaften auf die Straße; in zwei Sprachen.
Unterwegs mit dem Wunschmobil: Mit Wasser sprüht Performance-Künstler Mike Salomon Botschaften auf die Straße; in zwei Sprachen. © PR/Wunschmobil

Bautzen. Dreizehn Kilometer in der Stunde sind die perfekte Schreibgeschwindigkeit für das ungewöhnliche Gefährt. An einem blauen Traktor hängt ein grüner Wassertank, auf dem Bock sitzt Performance-Künstler Mike Salomon: Sonnenbrille auf der Nase, das Basecap nach hinten gedreht, Ohrenschützer gegen das Trecker-Knattern. Hinter dem Gespann her zieht sich eine Spur. Es sind Buchstaben - mit Wasser auf die Straße geschrieben.  „Ich wünsche allen Menschen ein bedingungslosen Grundeinkommen“, steht da zum Beispiel. 

Doch Wünsche sind vergänglich. Die Sonne leckt das Geschriebene wieder weg.„WunschMobil“ nennt Mike Salomon seinen Traktor mit Anhang. „Wir lassen Wünsche wirklich werden. Jeder kann uns seine Träume und Gedanken schicken, allerdings nicht mehr als 160 Zeichen“, sagt er. 

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Mit Hilfe des Wunschmobils werden die Gedanken wortwörtlich auf die Straßen geschrieben. Drei Wünsche reihen sich so auf dem schwarzen Asphalt immer aneinander. Natürlich bleiben die Wünschenden dabei anonym. 

Wünsche sind keine Spinnerei, nichts unrealistisches. Sie formen Träume und Gedanken, und aus diesen wiederum entsteht die Wirklichkeit, in der wir leben - das ist die Botschaft, die das blau-grüne Gefährt in die Welt tragen soll. Die Wasserzeichen auf der Straße entsteht mit Hilfe eines großformatigen, computergesteuerten Druckmoduls. Der Leipziger Medienkünstler Julius Popp hat Salomon bei der Umsetzung des Projekts unterstützt. 

Botschaften in zwei Sprachen

Los ging die Wunschtour Anfang September vor Bautzens Toren. Zuerst führte die Reise ins Böhmische. Dort begleitete die tschechische Performerin Hana Vosatkova den Künstler. Inzwischen ist das Wunschmobil wieder auf sächsischem Boden. Einmal am Tag werden die  flüchtigen Wasserwünsche während der Fahrt gefilmt und auf der Facebook-Seite des Projekts veröffentlicht. Das Band aus Wunschbotschaften läuft zweisprachig aus dem Gefährt - Deutsch und Tschechisch. Erst sind die Buchstaben scharf umrissen, dann verlaufen sie bis zum Verdunsten.

Mike Salomon überrascht die Region immer wieder mit neuen Kunstprojekten. Seit mehr als zehn Jahren versucht der ehemalige Tänzer und studierte Choreograf, neue Perspektiven jenseits des kulturell Bekannten aufzuzeigen. Im Sommer vergangenen Jahres rollte er mit einem Glücksmobil über die Straßen. 1.500 Kilometer zuckelte das Gefährt durch Sachsen, Tschechien und Bayern. "So ein Glück", lautete die Botschaft, die es auf den Straßen hinterließ - ebenfalls mit Wasser gesprüht.  

Bekannt ist Salomon außerdem als Organisator des Kultursommers in den Schwesternhäusern in Kleinwelka. Das historisch bedeutsame Ensemble ist 250 Jahre alt. Die Häuser waren früher Wohnort für die ledigen Frauen der Herrnhuter Brüdergemeine, die in Kleinwelka einen Ableger hat. Schon länger werden Ideen gesucht, um die leerstehenden Gebäude zu sanieren und wieder zu beleben. Die Kultur soll dazu ihren Beitrag leisten.  

Salomons persönlicher Wunsch wäre deshalb eine „Wertschätzung für die Kultur und die Arbeit in den Schwesternhäusern“. Dann - so sagt der Künstler - wäre er „wunschlos glücklich“.

Am 3. Oktober in Berlin

50 bis 60 Kilometer pro Tag schafft das Wunschmobil. „Viele Wünsche, die bei uns landen, drehen sich um Corona, Liebe, Gesundheit, Partnerschaft wie auch Politik. Es sind wunderschöne, intelligente und sinnlose Wünsche darunter“, sagt Mike Salomon. Unterstützt wird er bei dem Projekt von der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie der Kulturförderung des Landkreis Bautzen. 

Am 3. Oktober will Salomon mit seinem Gefährt in Berlin ankommen. Welcher Wunsch dann auf dem Hauptstadtpflaster erscheint, kann der Künstler jetzt noch nicht sagen. Dafür steht die Planung schon für 2021: Dann soll nämlich statt dem „Wunschkraftverstärker“ ein Liebesmobil über Deutschlands Straßen rollen.

Wünsche, die auf die Straße geschrieben werden sollen, können über die Facebook-Seite des Projekts "WunschMobil" übermittelt werden.

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