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Von Wilthen aus auf die Bühnen der Welt

Tobias Mäthger gewann mit dem Kammerchor Dresden einen der wichtigsten deutschen Musikpreise. Trotzdem korrigiert er noch gern Schülerarbeiten.

Tobias Mäthger steht als Sänger und Dirigent auf Bühnen im In- und Ausland, ist aber auch als Lehrer in Wilthen tätig. Mit dem Dresdner Kammerchor gewann er jetzt einen bedeutenden Preis.
Tobias Mäthger steht als Sänger und Dirigent auf Bühnen im In- und Ausland, ist aber auch als Lehrer in Wilthen tätig. Mit dem Dresdner Kammerchor gewann er jetzt einen bedeutenden Preis. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Das Neonlicht der obersten Etage des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Wilthen brennt noch am späten Dienstagnachmittag. Im Musik-Vorbereitungsraum sitzt Tobias Mäthger über Korrekturen. „Musiktheorie müssen wir dringend nacharbeiten. Um eine Sprache sprechen zu können, sollte man die Grundvokabeln kennen“, sagt der Lehrer.

Das ist nur ein Teil seiner Arbeitswelt, hauptsächlich steht er als Sänger und Dirigent auf Bühnen im In- und Ausland. Mit dem Dresdner Kammerchor, dessen Leiter Hans-Christoph Rademann und weiteren Solisten erhielt er für die Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung nun einen Opus-Klassik als bedeutendsten Preis für klassische Musik in Deutschland.

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Von Hardrock über Kirchenmusik zu Klassik

Es klingelt: Diese Schulglocke kennt Tobias Mäthger bestens. Als gebürtiger Wilthener hat er selbst hier die Schulbank gedrückt – mit ausschließlich guten Erinnerungen. In der Oberstufe spielte er seinerzeit in einer Hardrock-Band. Zu seiner Leidenschaft aber kommt der 42-Jährige über die Kirchenmusik und seine musikalische Familie. Talente-Sucher entdecken den Schüler in den 1980er-Jahren für den Kreuzchor. Doch vorerst bleibt er in seiner Heimatstadt – und singt auf der Kirchenempore genauso wie zur Urlauberbegrüßung in DDR-Zeiten.

Nach dem Abitur geht Tobias Mäthger nach Dresden. Er stellt sich breit auf, studiert Lehramt für Musik und Geschichte, außerdem Gesang und Dirigieren an der Musikhochschule. „Wenn ich die Not vieler anderer Kollegen sehe, die wegen der Pandemie seit Monaten wenige oder gar keine Auftritte haben, bin ich froh, mehrere Standbeine zu haben“, sagt er. Während des Studiums kommt er 1999 „ganz ehrfurchtsvoll“ zum Dresdner Kammerchor. Mittlerweile ist er dort Disponent und Assistent des künstlerischen Leiters. Hans-Christoph Rademann prägt den unverwechselbaren Klang des Ensembles seit 1985 und führt es seitdem zu weltweiter Bekanntheit.

Tourneen brachten die Musiker bereits „auf fast alle Kontinente“, wie Mäthger sagt. Zu den musikalischen Partnern gehören die großen sächsischen wie internationalen Orchester genauso wie die deutsche Metal-Band Rammstein. Die Hauptleidenschaft aber gilt der mitteldeutschen Barockmusik und das bisher größte Projekt Heinrich Schütz (1585-1672). Der Dresdener Hofkapellmeister war vor Bach, Händel und Beethoven der erste deutsche Komponist von Weltrang. Eine Veröffentlichung des Gesamtwerks fehlte bis dato.

Über zehn Jahre am Schütz-Projekt gearbeitet

Der Dresdner Kammerchor arbeitete über zehn Jahre am Schütz-Projekt. Beim Carus-Verlag ist mit den „Psalmen und Friedensmusiken“ die letzte CD der insgesamt 20-teiligen Edition erschienen. „Unter anderem sind Welt-Ersteinspielungen dabei. Das Ende der Arbeit bedeutet für den Kammerchor eine große Zäsur“, sagt Tobias Mäthger – und richtet den Blick jetzt nach vorn auf die nächste Chor-Arbeit. Mit kleiner Besetzung und einem Organisten soll im Dezember unter seiner Leitung eine Orgelfassung des Bachschen Weihnachtsoratoriums in mehreren Kirchen Ostsachsens erklingen.

So ist es zumindest bisher geplant. „Viele Chöre konnten in den vergangenen Monaten wenig oder gar nicht proben, so dass kaum eigene Konzerte stattfinden. Wir wollen diesen Verlust etwas erträglicher machen“, sagt der Tenor. Er selbst kümmert sich in der Wilthener Kirchgemeinde um die Kantorentätigkeit. Bisher ist angedacht, dass sich die Gemeindechöre am Weihnachtsoratorium beteiligen können, allerdings muss dabei auf die aktuelle Corona-Situation geschaut werden. Unter anderem ist geplant, dass der Dresdner Kammerchor am 19. Dezember in der Kirche Baruth gastiert.

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