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Bautzen verliert die Bäcker-Ausbildung

Etliche Berufe werden in Sachsen künftig nur noch an wenigen Standorten ausgebildet. Bautzen soll gleich mehrere abgeben - aber auch neue hinzu gewinnen.

Solche Bilder von der Bäckerausbildung wird es ab Herbst 2021 im Beruflichen Schulzentrum Bautzen nicht mehr geben. Die Bäckerlehre findet dann in Görlitz statt, in Bautzen sollen künftig mehr Techniker lernen.
Solche Bilder von der Bäckerausbildung wird es ab Herbst 2021 im Beruflichen Schulzentrum Bautzen nicht mehr geben. Die Bäckerlehre findet dann in Görlitz statt, in Bautzen sollen künftig mehr Techniker lernen. © Archivfoto: Robert Michalk

Bautzen. Genau 464 A-4-Seiten ist er lang, der Teilschulnetzplan für die berufsbildenden Schulen im Freistaat Sachsen. Drei Jahre lang hat das Kultusministerium alle 60 Berufsschulen unter die Lupe genommen und die jetzigen Ausbildungsrichtungen mit dem künftigen Bedarf verglichen - im Hinterkopf immer die voraussichtliche Entwicklung der Einwohnerzahlen. Bis 2017 traten von Jahr zu Jahr weniger junge Leute eine Lehre an. Seitdem steigt die Zahl wieder, das soll auch bis Anfang der 2030er-Jahre so bleiben - in Dresden und Leipzig schneller und deutlicher als auf dem Lande. Bis zu diesem Zeithorizont blickt der neue Teilschulnetzplan.

Jetzt liegt das Papier den Landratsämtern und Verwaltungen der kreisfreien Städte in Sachsen vor. Bis März 2021 haben sie Zeit, dem Kultusministerium ihre Meinung kundzutun. Auf den 464 Seiten gibt es für jedes einzelne Berufliche Schulzentrum (BSZ) einen extra Passus. Denn nicht jede Schule unterrichtet alles, es gibt Spezialisierungen. Wer zum Beispiel Fischer werden will, kann das nur in Königswartha lernen. Angehende Steinmetze, nicht nur aus Sachsen, kommen zur Ausbildung nach Demitz-Thumitz.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Metalltechniker aus Dresden nach Bautzen

Sowohl die Landesfischerei- als auch die Steinmetzschule sind Außenstellen eines der vier Beruflichen Schulzentren, die es im Landkreis Bautzen gibt. Und vier sollen es auch bleiben. Dem Konzept zufolge soll sich für die Beruflichen Schulzentren in Hoyerswerda und Kamenz nichts Wesentliches ändern. Beide bleiben auf die Berufsbereiche Wirtschaft und Verwaltung, Holz- und Farbtechnik sowie Raumgestaltung orientiert.

Die Berufsschulen in Bautzen und Radeberg hingegen sollen künftig mehr Techniker ausbilden. Zum Beispiel Metalltechniker, die derzeit noch in Dresden und Riesa lernen. Ab dem Schuljahr 2021/22 kommen Metalltechnik-Lehrlinge aus Dresden, dem Landkreis Meißen und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nach Bautzen.

Auch der Berufsbereich Elektrotechnik soll ab dem Schuljahr 2021/2022 in Bautzen deutlich ausgebaut werden. So sieht das Konzept vor, Ausbildungen zum Mechatroniker, zum Elektroniker für Betriebstechnik sowie zum Industrieelektriker in Bautzen neu einzurichten. Wer diese Berufe in den Landkreisen Bautzen und Görlitz erlernen will, soll das ab 2021/22 in der Spreestadt können. Bisher müssen diese Lehrlinge überwiegend nach Dresden. Ebenso verhält es sich für junge Leute, die als angehende Elektroniker die Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik gewählt haben: tschüss Dresden, hallo Bautzen.

Friseure und Köche lernen nur noch in Görlitz

Aber Bautzen gewinnt nicht nur, sondern verliert auch. Zum Beispiel die Bäcker-Ausbildung. Als diese Absicht erstmals öffentlich wurde, hagelte es Proteste: von hiesigen Landtagsabgeordneten, von der Kreishandwerkerschaft, von der Bäckerinnung und dem sorbischen Dachverband Domowina. Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, Sabine Gotscha-Schock, bringt das Ergebnis jetzt auf einen kurzen Nenner: Gekämpft und doch verloren.

Bäcker sollen ab 2021/22 in der Oberlausitz nur noch in Görlitz lernen, zurzeit ist das sowohl in der Spree- als auch in der Neißestadt möglich. Doch das Ministerium argumentiert: "Die Schülerzahlentwicklung an den Standorten Bautzen und Görlitz der letzten Jahre zeigt, dass das öffentliche Bedürfnis nur einen Standort in dieser Region rechtfertigt. Deutlich wird auch, dass das BSZ Görlitz in der Regel mehr Neuaufnahmen verzeichnet als das BSZ Bautzen." Die Zahlen belegen das. Seit 2010 traten in Görlitz 143 junge Leute eine Bäckerlehre an, in Bautzen 105.

Ähnliche Zahlen nennt das Kultusministerium für die Ausbildung zum Koch. Wer das in den Landkreisen Bautzen und Görlitz künftig lernen möchte, muss dazu ab 2021/22 ebenfalls Richtung Landeskrone fahren. Hotel- und Restaurantfachleute aus beiden Landkreisen lernen künftig alle in Zittau, Bankkaufleute in Dresden.

Friseure werden derzeit sachsenweit noch in sieben Beruflichen Schulzentren ausgebildet. Weil die Zahl der Lehrlinge seit 2010 aber um die Hälfte geschrumpft ist, sollen künftig nur noch fünf Berufsschulen diese Ausbildung anbieten. Dazu gehört Görlitz, aber nicht mehr Bautzen.

Vize-Landrat will Auswirkungen prüfen

Der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann hält Kultusminister Christian Piwarz (beide CDU) zugute, dass er das Konzept für die Berufsschulen mit allen Landkreisen berät. Zur Ausbildung von Bäckern, Köchen und Friseuren "habe ich aber eine andere Position", sagt Schiemann. Er plädiert für kleinere Klassen, so könnten diese Ausbildungsrichtungen auch in Bautzen und Görlitz bleiben.

Als "große Enttäuschung für den Bildungsstandort Bautzen" bezeichnet der AfD-Landtagsabgeordnete Frank Peschel das neue Konzept. "Bautzen ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Seit Jahren wurde viel und erfolgreich in das BSZ investiert. Wir brauchen hier weiterhin breit aufgestellte Ausbildungsangebote."

Das Landratsamt wird die Inhalte und Auswirkungen auf die Berufsschullandschaft im Landkreis Bautzen nochmals tiefgründig prüfen und bewerten, erklärt Vize-Landrat Udo Witschas (CDU). „Es macht uns betroffen, dass Hinweise und Anmerkungen aus zahlreichen Vorgesprächen wenig Beachtung gefunden haben. Wir werden uns mit den Schulleitern und den Vertretern des Handwerks dazu abstimmen.“

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