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Streik bei Lausitzer geht weiter

Beschäftigte des Fruchtverarbeiters aus Sohland kämpfen für einen Euro mehr Stundenlohn. Bisher erfolglos. Entmutigen lassen sie sich aber nicht.

Seit 16. Oktober streiken Mitarbeiter der Lausitzer Früchteverarbeitung in Sohland. Sie wollen ihren Arbeitskampf auch nächste Woche fortsetzen.
Seit 16. Oktober streiken Mitarbeiter der Lausitzer Früchteverarbeitung in Sohland. Sie wollen ihren Arbeitskampf auch nächste Woche fortsetzen. © Steffen Unger

Sohland. Was sich am Donnerstag bereits ankündigte, wurde am Freitag zur Gewissheit: Der Streik bei der Lausitzer Früchteverarbeitung in Sohland wird um eine weitere Woche verlängert. Darauf einigten sich die Streikenden am Freitag auf einer Versammlung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Bautzen.

Wie NGG-Verhandlungsführer Olaf Klenke mitteilt, sei die Verlängerung des Streiks ein klares Signal der Beschäftigten: "Das Unternehmen muss seine Blockade- und Hinhaltetaktik aufgeben", so Klenke. Werner und Maximilian Deharde, die beiden Inhaber der Lausitzer Früchteverarbeitung, müssten verstehen, dass es eine Zukunft des Unternehmens nur mit und nicht gegen die Beschäftigten geben könne.

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Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Doch die Fronten sind verhärtet. Das hatte sich am Donnerstag gezeigt, als der vierte Tag der Streikwoche für die rund 15 streikenden Mitarbeiter mit einer Anzeige durch den Chef startete. Der Vorwurf: Hausfriedensbruch. Die Streikenden hätten den Lkw-Verkehr an der Zufahrt behindert, sich dabei selbst gefährdet und außerdem auf dem Privatgelände des Unternehmens gestreikt, erklärte Maximilian Deharde den Schritt seines Vaters Werner, mit dem er das Traditionsunternehmen gemeinsam führt.

Ein solches Vorgehen schürte den Frust der Streikenden. Und der ist ohnehin kaum zu überhören. Emotional erzählten sie am Donnerstag vor der Produktionsstätte an der Hauptstraße in Sohland von ihren Erfahrungen seit Jahresbeginn. Damals war das Unternehmen aus dem Flächentarifvertrag ausgetreten. 

Seither verhandeln Gewerkschaft und Geschäftsführung mit mäßigem Erfolg über einen Haustarifvertrag - und über höhere Löhne. Die Forderung: "Mindestens 173 Euro brutto mehr im Monat. Das ist ein Euro pro Stunde mehr und würde zu einem Stundenlohn von zwölf Euro führen", erklärt Michael Brunner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die die Tarifverhandlungen führt. Ziel der Streikenden sei daher keinesfalls eine Lohnangleichung an den wesentlich höheren Westtarif, wohl aber die Aussicht auf armutsfeste Löhne und daraus resultierend auf eine Rente, von der sich auch im Alter leben lasse.

Michael Brunner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist Verhandlungsführer im Tarifkonflikt bei der Lausitzer Früchteverarbeitung.
Michael Brunner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ist Verhandlungsführer im Tarifkonflikt bei der Lausitzer Früchteverarbeitung. © Steffen Unger

Doch nicht nur die Unzufriedenheit mit der Bezahlung von derzeit elf Euro Stundenlohn, was einem Monatslohn von 1.906 Euro entspricht, ließen die Mitarbeiter, die allesamt in der Abteilung Fruchtzubereitung tätig sind, durchklingen. Scharfe Kritik übten sie auch an der Geschäftsführung. "Es ist doch nicht die Verwaltung, die hier für Umsatz sorgt. Die Produktion macht sich doch jeden Tag zum Affen. Aber uns lässt man immer spüren, dass wir eigentlich nichts wert sind", beschrieb einer der Streikenden seine Wahrnehmung.

Geschäftsführer will nicht weiter verhandeln

Emotional klang auch Maximilian Deharde. Er sei enttäuscht und sauer über das Verhalten seiner Angestellten, teilte er mit. Auf die Frage, ob er bereit sei, erneut mit der Gewerkschaft über höhere Löhne zu verhandeln, antwortete er denkbar klar und knapp: "Nein." Zu seinem Angebot vom März aber stehe er als Unternehmer weiterhin. 

Damals hatte die Geschäftsführung der Lausitzer Früchteverarbeitung den Verhandlungsführern der Gewerkschaft angeboten, den Mitarbeitern in diesem Jahr 50 Euro, im kommenden Jahr weitere 50 Euro Lohn pro Monat mehr zu zahlen. Zu mehr, so Deharde weiter, sei er auch nicht bereit, denn: "Ich mache keine Versprechungen, die ich nicht halten kann. Und noch weiter zu erhöhen, wäre wirtschaftlich unvernünftig."

Man dürfe nicht vergessen, dass das Angebot zur Lohnerhöhung aus der Zeit vor Corona stamme. Seither sei es für das Unternehmen wirtschaftlich nicht einfacher geworden. Der Umsatz in der Gastrobranche sei eingebrochen. Deharde: "Wir schleppen schon eine Getränkeabteilung mit, die nicht voll arbeitet. Dieser Streik schwächt unsere Kassen zusätzlich." Und - auch das schloss der Geschäftsführer nicht aus - er gefährde Arbeitsplätze.

Sind langfristig Arbeitsplätze in Gefahr?

Gerüchte, nach denen es infolge des andauernden Streiks inzwischen im Bereich der Fruchtzubereitung zu Lieferengpässen komme, wies er zunächst zurück: "Diese Woche wurde noch alles ausgeliefert." Dauere der Streik aber weiter an, könne es durchaus zu Lieferproblemen kommen. "Dann kann es natürlich sein, dass uns Kunden abspringen und langfristig Jobs wegfallen", so Maximilian Deharde. Sein Wille sei das explizit nicht: "Wir wollten eigentlich alle Abteilungen in die Zukunft bringen. Ich finde es schade, dass die Mitarbeiter ihre eigenen Arbeitsplätze in Gefahr bringen."

Sein Eindruck sei, mit dem Streik wolle man nicht Lohnmauern, sondern vielmehr Firmen einreißen. "Wenn ich mich auf die Forderungen einließe, könnte ich in zwei Jahren dichtmachen", sagte Maximilian Deharde. Letztlich sei der Streik auch unfair gegenüber jenen Kollegen - bei der Lausitzer Früchteverarbeitung arbeiten rund 100 Beschäftigte in drei Abteilungen -, die weder in der Gewerkschaft sind noch streikten. "Das hat mit Sozialpartnerschaft nichts zu tun", so Deharde weiter.

Gewerkschaft: Angebot der Chefs ist zu wenig

Die vermissen aber auch die Streikenden, die sich ihrerseits enttäuscht über die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der Geschäftsführung zeigen: "Wir sind bereit, Kompromisse einzugehen, und verweigern uns keinem Gespräch. Aber da kommt einfach nichts", sagt Gewerkschafter Michael Brunner. Das Angebot der Dehardes aber, den Monatslohn in den kommenden beiden Jahren um jeweils 50 Euro anzupassen und dies per Haustarifvertrag festzuschreiben, reiche einfach nicht. Auch, weil die Beschäftigten in den vergangenen beiden Jahren keinerlei Lohnerhöhung bekommen hätten.

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