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Er bringt Bestseller für jedermann heraus

Lars-Arne Dannenberg gibt mit seinem Via Regia Verlag in Königsbrück vor allem Bücher zur Regionalgeschichte heraus. Dabei geht’s auch schon mal um Wanzen.

Lars-Arne Dannenberg vom Via Regia Verlag präsentiert seine Neuerscheinungen, darunter auch das Neue Oberlausitzer Hausbuch für 2021 (links).
Lars-Arne Dannenberg vom Via Regia Verlag präsentiert seine Neuerscheinungen, darunter auch das Neue Oberlausitzer Hausbuch für 2021 (links). © Steffen Unger

Königsbrück. Dank kann sich auf unterschiedlichste Arten ausdrücken. Früher gab es dafür auch schon mal ein Denkmal. So hielten es die Bautzener 1593. Bei den Umbauarbeiten am Reichenturm bekam seinerzeit das Relief des regierenden und für die Oberlausitz zuständigen Kaisers Rudolf II. seinen Platz im Stein. Dieser Geste gingen jedoch lange Diskussionen um „Brot und Macht“ voraus. 

Wie die Stadt an der Spree ihren Brotmarkt bekam, schreibt Lars-Arne Dannenberg im Neuen Oberlausitzer Hausbuch. Doch der Historiker ist nicht nur Autor, er ist auch der Herausgeber der beliebten Publikation.

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Lars-Arne Danneberg macht gerade eine kurze Pause auf seiner Bücher-Verteil-Tour in der Bautzener Buchhandlung Kretschmar. Vor sieben Jahren gründet der gebürtige Greifswalder den Verlag „Via Regia“. „Die Idee ist, Kultur, Kunst, Natur, Kulturgeschichte und historische Themen entlang dieser alten Handelsroute bekannter zu machen, auch mit einem Blick über heutige Grenzen und nach Mitteleuropa“, sagt der 48-Jährige.

Die Via Regia ist eine alte Handelsroute, die West- und Osteuropa miteinander verband. Einst hatten Händler und Reisende auf dem „Königlichen Weg“ auch nicht nur Waren, sondern sicher Geschichten aus fernen Ländern im Gepäck.

Bis heute ein begeisterter Mosaik-Leser

In seinem Rucksack schultert Lars-Arne Dannenberg vor allem ein großes Interesse für Regionalgeschichte. „Meine Eltern zogen, als ich elf Jahre war, vom Norden nach Königsbrück. Meine Erfahrung ist, dass sich Zugereiste viel mehr mit der Geschichte ihrer neuen Heimat auseinandersetzen als jene, die schon immer dort leben“, sagt der promovierte Historiker.

Schon als kleiner Knirps fragt der bis heute begeisterte Mosaik-Comic-Leser seinen Großeltern Löcher über frühere Zeiten in den Bauch, später studiert er Geschichte an der TU in Dresden und forscht für seine Promotion in Rom über ein ordensrechtliches Thema.

Das Mosaik-Heft mit den Reisen der Abrafaxe in längst vergangene Zeiten lesen inzwischen Dannenbergs drei Kinder. Ihn haben in dieser Comic-Zeitschrift immer die Abenteuer der drei Mini-Entdecker ins Reich der Ritter interessiert. Diese Passion hat der Königsbrücker behalten, genauso wie jene für Bücher.

Auf Spurensuche im Zittauer Zipfel

Doch der Verlag ist nur ein Standbein von vielen. Gemeinsam mit seinem Historiker-Kollegen Matthias Donath hat Lars-Arne Dannenberg zum Beispiel auch das Zentrum für Kultur-Geschichte gegründet. Unter dessen Dach konzipieren sie zum Beispiel Ausstellungen, erforschen die Geschichte von Adelsfamilien oder treiben den Antrag voran, der das Meißner Porzellan auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes bringen soll.

Beim Thema Ausstellung beschäftigt Dannenberg das Projekt „Transferraum Heimat“ in der ehemaligen Brikettfabrik in Knappenrode. Dahinter verbirgt sich ein außerschulisches Bildungs- und Begegnungszentrum zu Flucht, Vertreibung und Integration. „Wir schauen uns unter anderem den ganz unterschiedlichen Umgang mit Flüchtlingen in Ost und West nach 1945 an und erzählen die Geschichte eigentlich bis in die heutige Zeit. Seit dem Schengen-Abkommen 2006 gibt es eine komplett neue Regelung zu Flüchtlingen und Vertriebenen“, sagt der Historiker.

Das Thema Vertreibung begegnet Lars-Arne Dannenberg immer wieder bei seiner Arbeit, wie auch bei dem jüngsten Buchprojekt „Do hoan uns die Polen nausgetriebm. Vertreibung, Ankunft und Neuanfang im Kreis Zittau 1945-1950“. Für die Publikation haben sich Dannenberg und Donath auf Spurensuche im Zittauer Zipfel östlich der Neiße begeben.

Sie haben die letzten Zeitzeugen nach ihren Erlebnissen zur „geordneten Vertreibung“ aus ihrer ursprünglichen Heimat befragt, Erinnerungsberichte der früheren deutschen Bewohner studiert und in Archiven die amtlichen Dokumente ausgewertet. Das Buch befasst sich aber nicht nur mit der deutschen Bevölkerung, sondern untersucht erstmals vergleichend auch die polnische Neubesiedlung des Zittauer Zipfels.

Geplant: Ein Buch mit Texten eines unterschätzten Autors

Neben dem Neuen Oberlausitzer Hausbuch ist diese Neuerscheinung ein weiterer Bestseller aus dem Via-Regia-Verlag. In Planung sind für das kommende Jahr ein Buch mit noch nicht veröffentlichten Texten des schreibenden Försters Gottfried Unterdörfer. Die Anthologie mit zehn bis 15 Geschichten wird „Mädchen am Fenster“ heißen und soll zum 100. Geburtstag des „völlig unterschätzten Autors“ aus Uhyst/Spree herauskommen. Selbstverständlich geht parallel schon die Suche nach Beiträgen für das Neue Hausbuch 2022 weiter.

In der aktuellen Ausgabe des Kalendariums verspricht der Herausgeber ein Kaleidoskop an Geschichten aus der Heimat zu Vergangenheit und Gegenwart, zu Kunst und Kultur, Natur und Brauchtum. Es gibt die Mundart-Episoden von Hans Klecker und Johannes Kletschka genauso wie eine literarische Erinnerung der Erfolgsautorin Annelies Schulz. Im Oberlausitzer Pitaval breitet Dannenberg das tragische Leben des gescheiterten Napoleon-Attentäters Ernst von der Sahla aus.

Besonders freut sich Lars-Arne Dannenberg über die „12 fürs Jahr“ zum Thema Wanzen. „Die erstaunlichen Lebenskünstler werden lediglich von einer Art in Verruf gebracht – der Bettwanze“, sagt er schmunzelnd. Den Rest kann sich jeder selbst erschmökern – ganz nach Dannenbergs Leitspruch: „Immer schön neugierig bleiben“.

Das Neue Oberlausitzer Hausbuch gibt es in allen Buchhandlungen und über www.via-regia-verlag.de

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