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Bautzner Senf: Mitarbeiter gehen auf die Straße

Bei der Firma Bautzner wird gestreikt. Die Beschäftigten fordern eine Lohnangleichung zwischen Ost und West - und erhalten Unterstützung aus der Politik.

Am Montagvormittag haben Mitarbeiter des Senfherstellers Bautzner auf dem Kornmarkt in Bautzen gestreikt.
Am Montagvormittag haben Mitarbeiter des Senfherstellers Bautzner auf dem Kornmarkt in Bautzen gestreikt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mitarbeiter des Betriebes Bautzner Senf- und Feinkost wollen fünf Tage lang für höhere Löhne streiken. „Wir geben nicht auf. Das können wir uns nicht leisten“, sagte Dana Wünsche am Montagvormittag auf dem Bautzener Kornmarkt. Als Mitglied in der Tarifkommission ist die Mitarbeiterin der Senffabrik an den Verhandlungen beteiligt. „Alle anderen haben Abschlüsse erzielt, nur bei uns wird gemauert.“

Zum Streik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die etwa beim Tiefkühlhersteller Frosta in Lommatzsch oder beim Dresdener Vandemoortele-Margarinewerk Lohnerhöhungen durchsetzen konnte.

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Deshalb ist NGG-Verhandlungsführer Olaf Klenke optimistisch für die Verhandlungen mit der Develey Senf und Feinkost GmbH, zu der Bautzner gehört. „Wir fordern zwölf Euro Stundenlohn für die unterste Lohngruppe und eine Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter bis zum September 2022 um 310 Euro .“ Das könnte stufenweise umgesetzt werden, so Olaf Klenke. Die zwölf Euro für die unterste Lohngruppe würden mit dieser Erhöhung erreicht.

Altersarmut befürchtet

Der fünftägige Streik bei Bautzner hatte mit der Nachtschicht am Sonntagabend begonnen. Am Montagvormittag hatten rund 15 Mitarbeiter auf dem Kornmarkt auf ihre Situation aufmerksam gemacht und wollten ihren Streik am Nachmittag vor den Werkstoren fortsetzen. Unter ihnen war etwa Cornelia Neitsch. „Wir müssen uns stark machen, damit wir später nicht in Altersarmut fallen.“ Sie und ihre Kollegen arbeiten gern arbeiten, sagt sie, aber die Anerkennung fehle.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte zum dem Streik bei Bautzner Senf aufgerufen und will ihn bis Freitag fortsetzen.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte zum dem Streik bei Bautzner Senf aufgerufen und will ihn bis Freitag fortsetzen. © SZ/Uwe Soeder

Ob wirklich bis Freitag gestreikt werde, hänge laut Olaf Klenke von den Verhandlungen ab. „Wir haben inklusive Freitag geplant, es sei denn, vorher gibt es eine Lösung.“ Bislang biete der Arbeitgeber drei Prozent Lohnerhöhung an. Das sei aber zu wenig, um die Schere zwischen den verschiedenen Gehältern zu schließen. Neben einer Lohnerhöhung geht es der NGG um die Lohnangleichung zwischen Ost und West.

Bis zu 941 Euro mehr im Westen

Develey betreibt neben Bautzner Senf zum Beispiel Löwensenf in Düsseldorf. Dort würden Facharbeiter bis 941 Euro mehr bekommen als in Bautzen. Im Develey-Werk im bayerischen Dingolfing seien es bis zu 694 Euro mehr. Nicht nur Bautzner Senf-Mitarbeiterin Nicole Nerlich fühlt ich benachteiligt. „Wir wollen die Lohnangleichung, denn wir sind genauso viel wert.“

Unterstützung bekamen die Streikenden am Montagvormittag von der Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Caren Lay (Die Linke). „Die Lohnunterschiede 30 Jahre nach der Wende sind nicht gerecht. Die Leute fühlen sich zurecht benachteiligt.“ Ihr sei das Thema wichtig. Schließlich fordere Die Linke ohnehin einen Mindestlohn von zwölf Euro.

Bereits im Juni hatten Mitarbeiter von Bautzner Senf nach einem NGG-Aufruf für höhere Löhne und eine Ost-West-Angleichung gestreikt. Damals hatte der Sächsische Arbeitgeberverband Nahrung und Genuss, zu dem Develey gehört, erklärt, dass die Forderung der NGG unrealistisch wie maßlos sei. 

Der Beitrag wurde am 21. September um 14 Uhr aktualisiert.

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