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Ein berühmter Name für Pirnas Berufsschule

Das Berufsschulzentrum des Kreises in Copitz heißt "Friedrich Siemens". Der Name ist schon lange verliehen, nun gibt es dazu eine neue Info-Tafel.

BSZ-Schulleiterin Petra Werlisch, Hagen Kettner vom Landesamt für Schule und Bildung, Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke und Günter Schwanitz (v.l.) weihen die neu Infotafel ein.
BSZ-Schulleiterin Petra Werlisch, Hagen Kettner vom Landesamt für Schule und Bildung, Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke und Günter Schwanitz (v.l.) weihen die neu Infotafel ein. © Stadt Pirna

Die Stadt Pirna ist jetzt um einen weiteren Informationspunkt zur ehemaligen Industriegeschichte reicher. Am Haupteingang des Berufsschulzentrums (BSZ) auf der Pillnitzer Straße informiert nun eine neue Tafel über die dort ansässigen Siemensglaswerke Copitz.

Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke enthüllte gemeinsam mit dem Ideengeber und ehemaligen technischen Direktor der Glaswerke, Günter Schwanitz, der Schulleiterin Petra Werlisch sowie Hagen Kettner vom Landesamt für Schule und Bildung anlässlich der Namenstaufe des BSZ diesen neuen dreisprachigen, im städtischen Design gehaltenen, historischen Informationspunkt.

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Pirnaer Glas wird weltbekannt

Dort, wo heute das "Berufliche Schulzentrum für Technik und Wirtschaft Pirna" steht, gründeten die Brüder Gustav und Fritz Müller 1911 eine Glashütte für mundgeblasenes Fensterglas.

Pirna wurde dadurch der drittgrößte Tafelglashersteller Sachsens – mit 1.000 Beschäftigten in sechs Glashütten um 1924. Die "AG für Glasindustrie vorm. Friedrich Siemens" erwarb den Betrieb 1925 und stellte auf maschinelle Fertigung mit der von Siemens erfundenen Konti-Schmelzwanne um. Betriebe, die dies verpassten, überstanden die Inflationszeit nicht. Pirna wurde durch sein Glas weltbekannt.

1945 erfolgte die Demontage zugunsten der Herstellung von Bullaugen für U-Boote und Minendeckeln. 1948 wurde das Siemensglaswerk Copitz zum "VEB Gußglaswerk Copitz". Hier wurde das Profilglas, ein weltweit bedeutender Glasbaustoff, erfunden.

1954 wurde das Werk mit dem Farbenglaswerk Pirna zum "VEB Guß- und Farbenglaswerke Pirna-Copitz" vereinigt – in der DDR Alleinhersteller von Draht-,Ornament- und Profilglas. Im rollenden Dreischichtbetrieb wurden ca. 100 verschiedene Walzglasprodukte hergestellt und in über 20 Länder exportiert. Von den 330 Beschäftigten waren 102 Frauen.

1971/72 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion – bei Beibehaltung der Belegschaft wurde die Produktion um 100 Prozent gesteigert. Mit dem Ende der DDR war auch die Glasherstellung in Pirna beendet. Nachumfassender Bodensanierung entstand das BSZ für Technik und Wirtschaft Pirna, das heute den Ehrennamen „Friedrich Siemens“ trägt.

Hilfe vom früheren technischen Leiter

Eigentlich war bereits im Juni 2020 eine große Party geplant, das BSZ des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Pirna wollte mit einer Zeremonie die Namensweihe "Friedrich Siemens" begehen.

Schließlich war es laut der Bildungsstätte mit Unterstützung vieler Helfer - unter anderem vom technischen Leiter Günter Schwanitz des ehemaligen Pirnaer Glaswerkes - gelungen, diesen Ehrennamen zuerkannt zu bekommen. Doch die Corona-Pandemie ließ eine solch große Feier seinerzeit nicht zu.

Gleichwohl trägt das BSZ nun schon seit einiger Zeit diesen Namen, eine entsprechende Tafel wurde bereits zu Beginn dieses Jahres installiert. "Der Name schmückt nunmehr beide Schulteile in der Stadt und verbindet die Tradition des Standortes als Industriedenkmal mit der Geschichte der Berufsausbildung", sagt Schulleiterin Petra Werlisch.

Berufliches Schulzentrum in Pirna-Copitz: Eine Tafel weist seit einiger Zeit auf den berühmten Namensgeber hin.
Berufliches Schulzentrum in Pirna-Copitz: Eine Tafel weist seit einiger Zeit auf den berühmten Namensgeber hin. © Archiv: Daniel Schäfer

Neues BSZ ging 1998 in Betrieb

Der einstige Industriestandort wandelte sich Mitte der 1990er-Jahre in einen Ort der Bildung. Am 29. August 1995 erteilte der Kreistag den Auftrag, ein neues Berufsschulzentrum in Form eines zweiflügeligen Hauptgebäudes zu bauen - auf dem Gelände des früheren Glaswerkes.

Zum Beginn des Schuljahres 1998/99 startete der Unterricht im neuen BSZ für Technik, in dem jährlich 2.000 Schüler ausgebildet werden sollten.

Daneben gab es noch das BSZ für Wirtschaft an der Siegfried-Rädel-Straße in Pirna. Dieser Gebäudekomplex war 1929 eröffnet worden und beherbergte seinerzeit eine Berufs- und eine Gewerbeschule sowie die Höhere Mädchenschule.

Doch Ende der 2000er-Jahre wirkten sich die geburtenschwachen Jahrgänge erheblich auf die Bildungslandschaft im Landkreis aus. So plante das Landratsamt 2012, die beiden Berufsschulen zu fusionieren und neu zu strukturieren.

Von der Berufsschule zum Kompetenzzentrum

Das nun aus zwei Standorten bestehende BSZ für Technik und Wirtschaft entwickelte sich in der Folge auch mit dem großen Angebot an Bildungsgängen und Schularten - Berufsschule, Berufsbildende Förderschule, Fachoberschule und Berufliches Gymnasium - zu einem regionalen Kompetenzzentrum, vernetzt mit vielen regionalen Partnern und zentraler Ort in der der regionalen Bildungslandschaft.

Ganz offiziell firmiert es nun unter dem Namen "Berufliches Schulzentrum Friedrich Siemens Pirna - Regionales Kompetenzzentrum für Technik, Wirtschaft, Gastronomie und Sozialwesen".

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