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Vom Zittauer Studenten zum Rektor

Professor Alexander Kratzsch steht seit diesem Frühjahr der Hochschule Zittau/Görlitz vor. Er ist einer der Jüngsten in diesem Amt.

Professor Alexander Kratzsch ist seit März Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz. Vor einem Jahr hatte ihn der Senat in dieses Amt gewählt.
Professor Alexander Kratzsch ist seit März Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz. Vor einem Jahr hatte ihn der Senat in dieses Amt gewählt. © Matthias Weber

Die Zahl 10 spielt im Leben von Professor Alexander Kratzsch eine große Rolle. 2009, zehn Jahre nachdem er sein Studium in Zittau begonnen hatte, promovierte er an der Bergakademie Freiberg. Wiederum zehn Jahre später, 2019, wählte ihn der Erweiterte Senat der Hochschule Zittau/Görlitz zum Rektor.

Theoretisch könnte er dieses Amt zehn Jahre ausüben. Das ist für Alexander Kratzsch momentan aber Zukunftsmusik. Er will erst einmal in den nächsten fünf Jahren die hiesige Hochschule weiterentwickeln und auf die künftigen Herausforderungen vorbereiten. Nach der ersten Wahlperiode müsste er dann auch für weitere fünf Jahre als Rektor bestätigt werden.

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Der jüngste Rektor

Eines aber hat Alexander Kratzsch schon jetzt geschafft - er ist mit seinen 41 Jahren der jüngste Rektor seit der Gründung der Hochschule Zittau/Görlitz 1992. Seine Vorgänger waren um einiges älter, als sie das Amt angetreten haben.

Und der gebürtige Freiberger, der seit 2011 in Obercunnersdorf wohnt, könnte auch der jüngste Rektor Deutschlands sein. Sein Amtskollege von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig, Professor Mark Mietzner, machte ihn darauf aufmerksam. Mark Mietzner ist ein paar Monate älter als Alexander Kratzsch und hatte den inoffiziellen Titel nach eigener Aussage bisher inne. Überprüfen lässt sich das nur schwer - gibt es doch insgesamt 426 Hochschulen in Deutschland.

Vorbehalte wegen seines Alters gab es bis jetzt nicht, meint der Zittauer Rektor. "Dass man zu jung ist oder die Erfahrung fehlt, war nie ein Thema", sagt er. Weder während des Bewerbungsprozesses, noch nach seiner Amtsübernahme. Vielleicht auch deshalb, weil er möglichst alle einbinden will. So habe er allen Professoren und allen Mitarbeitern in zwei separaten Online-Konferenzen die aktuelle Finanz- und Personalsituation erklärt.

Alexander Kratzsch sieht sich dabei nicht nur als Informationsübermittler, bei den Konferenzen können auch Ideen eingebracht werden. Die "Schwarmintelligenz" nutzen, so nennt es der Rektor. Die Kommunikation mit den Mitarbeitern und Professoren sei schon auch eine seiner Aufgaben, findet der studierte Elektrotechniker. Deshalb sollen die Konferenzen auch regelmäßig, ein- bis zweimal im Semester, stattfinden.

Selbst Student in Zittau

Darüber hinaus tauscht sich Alexander Kratzsch jede Woche mit dem Studentenrat der Hochschule aus. Da die Altersspanne zwischen den Dozenten und Studenten immer größer werde, hält er es für wichtig, auch diese Gruppe anzuhören und einzubinden. Der Rektor kann sich dabei gut in seine Studenten hinein versetzen, denn er war selbst mal in ihrer Rolle. 1999 begann er in Zittau ein Elektrotechnikstudium. Seitdem studierte, forschte und lehrte er an der hiesigen Hochschule und kennt sie wie kaum ein anderer.

Seine Eltern waren überrascht von seiner Studienwahl und dem Studienort. Sie rechneten eher damit, dass ihr Sohn in Freiberg oder Dresden studiert und sich vielleicht für Fächer wie Wirtschaftsingenieurwesen oder Geschichte entscheidet. Denn Alexander Kratzsch hatte immer einen großen Hang zur Geschichte. "Nur wer weiß, wo er herkommt, weiß, wo er hingeht", begründet er dieses Interesse.

Ihm war aber bald klar, dass er eine ingenieurtechnische Ausbildung absolvieren will. Dabei dachte Alexander Kratzsch zuerst an Maschinenbau. Der Vater eines Schulfreundes lenkte seinen Blick dann auf Zittau, wo auch er studiert hatte. Und so entschied er sich letztlich für Elektrotechnik und die Hochschule an der Mandau, die einen herausragenden Ruf in diesem Bereich genießt.

Das unterscheidet ihn ebenfalls von seinen Vorgängern: In Zittau studieren und hier später auch die Hochschule leiten. Die bisherigen Rektoren waren zwar auch lange an der Einrichtung tätig, studierten aber zumindest in einer anderen Stadt.

Mit 31 bereits Professor

Nach dem Studium arbeitete Alexander Kratzsch zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und wurde 2011 zum Professor berufen - mit damals erst 31 Jahren. Die Lehre habe ihn immer interessiert. Nun nicht mehr vor Studenten zu stehen - als Rektor ist er von der Lehre freigestellt -, fehlt ihm schon ein wenig, meint er. Auch deshalb sei ihm die Zusammenarbeit mit den Studenten wichtig - jetzt eben auf einer anderen Ebene.

Alexander Kratzsch ist einer, der Verantwortung übernimmt, gepaart mit dem Willen zu gestalten. Das stellte er schon als Direktor des Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM) unter Beweis. In dieser Funktion war er öfter Gast bei Veranstaltungen zum Strukturwandel und spürte dabei, dass es ihn reizen würde, die Aufgaben verantwortlich für die Hochschule umzusetzen. Und so entschloss er sich, seinen Hut in den Ring zu werfen. "Man muss es machen, wenn man es wirklich will", meint er mit Blick auf die Arbeit als Rektor.

Seine Absicht, sich um die Hochschulleitung zu bewerben, machte er immer transparent. Er suchte sich auch frühzeitig Kollegen, die ihm als Prorektoren zur Seite stehen sollen. Und das zu einem Zeitpunkt, wo noch nicht klar war, ob er in die engere Wahl kommt. Alexander Kratzsch ist eben einer, der geradlinig denkt und arbeitet. Das überzeugte letztlich die Mitglieder des Erweiterten Senats, die ihn zum Rektor wählten.

Die Kanzlerin der Hochschule, Karin Hollstein, sagte einmal, "dass die Hochschule für die jeweilige Zeit immer den passenden Rektor hatte".

Das Alter spiele keine Rolle, findet Alexander Kratzsch. Es zähle Wille und Leistung. Schon sein Vorgänger Professor Rainer Hampel meinte, dass am Ende der Laden laufen müsse.

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