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Der Chronist mit der Kamera

Zum 70. Geburtstag von Eberhard Schmitt gibt es in Bautzen eine Schau über ihn. Er dokumentiert, wie sich die Stadt verändert - und geht dafür auch ungewöhnliche Wege.

Eberhard Schmitt hat die Veränderung Bautzens aus verschiedenen Perspektiven mit der Kamera dokumentiert. Eine Ausstellung in der Stadtbibliothek zeigt einige seiner Werke.
Eberhard Schmitt hat die Veränderung Bautzens aus verschiedenen Perspektiven mit der Kamera dokumentiert. Eine Ausstellung in der Stadtbibliothek zeigt einige seiner Werke. © Steffen Unger

Bautzen/Bischofswerda. Wer dieser Tage die Bautzener Stadtbibliothek besucht, dem werden besonders zwei neue Vitrinen auffallen. Im Vorraum zum Lesesaal sind dort zahlreiche Werke eines Menschen zu sehen, der Veränderungen in der Stadt mit seinen Kameras in vielen Details festgehalten hat - Eberhard Schmitt.

Ausgestellt sind anlässlich seines 70. Geburtstags ein Teil seiner in de Presse erschienenen Veröffentlichungen und auch die Druckwerke, die er im Laufe der Zeit verfasst hat. Denn neben bloßen Fotos veröffentlichte Schmitt in der Vergangenheit auch zahlreiche Zeitungsartikel und Bücher über die Stadtgeschichte.

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Dabei stand für ihn immer eines im Mittelpunkt - durch gezielte Aufnahmen und unterschiedliche Perspektiven soll eine Situation so konserviert werden, dass sie auch später noch nachempfunden werden kann.

"Viele Dinge verschwinden im Rahmen von Sanierungen und Neubebauungen", bedauert Schmitt. Deshalb sei es so wichtig, die Situation vor und auch einem Umbau zu fotografieren. Auch heute ist Schmitt noch mit seiner Kamera unterwegs, um Zusammenhänge zu erklären.

In den Vitrinen in der Bautzener Stadtbibliothek sind unter anderem einige Bücher von Eberhard Schmitt ausgestellt.
In den Vitrinen in der Bautzener Stadtbibliothek sind unter anderem einige Bücher von Eberhard Schmitt ausgestellt. © Steffen Unger

"Ich war dieser Tage im Rathausturm, der bis zur Traufe eingerüstet ist. Da habe ich das schöne Wetter mal genutzt, um in die Stadt hineinzublicken. Von dort oben kann man schön die Straßenzüge nachverfolgen", sagt er. Besonders fasziniert ihn dabei die Innere Lauenstraße. "Sie war früher der Weg nach Böhmen und wurde deshalb aus verteidigungstechnischen Gründen wie ein Trichter zum Lauenturm errichtet", sagt er. Die Naht von der Vorstadt ins Stadtzentrum sei damit sehr eng geworden. "So konnte man einem feindlichen Zugriff vorbeugen", betont Schmitt.

Heute wüsste das kaum jemand, und die Menschen würden sich nur darüber aufregen, dass die Straße stadtauswärts immer enger wird. "Da ist es wichtig, dass man das anhand solcher Fotos zeigen und erklären kann", sagt Schmitt.

Hautnah beim Hochhaus-Abriss dabei

Eine der größten Veränderungen im Bautzener Stadtbild, die er detailliert festgehalten hat, war der Abriss des Hochhauses am Kornmarkt. "Als älteres Kind habe ich mich für den Bau des Hochhauses interessiert und wollte deshalb unbedingt den Abbruch dokumentieren", erinnert er sich.

Damit das gelingen konnte und er sich nicht nur mit Außenaufnahmen begnügen musste, habe er sich mit den Mitarbeitern der Baufirmen angefreundet. "Ich hatte unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen uneingeschränkten Zugang zur Baustelle. Da habe ich das Absinken des Gebäudes von Etage zu Etage dokumentiert", betont Schmitt.

Mit der Zeit hat sich aber nicht nur das Stadtbild, sondern auch die Art des Fotografierens verändert. Besonders faszinierend sei die Arbeit mit Plattenkameras gewesen. Dort wurde eine große Glasplatte als Negativ genutzt, und das Entwickeln der Fotos war um ein Vielfaches aufwendiger als heute.

Romantik in der Dunkelkammer

"Die Arbeit in der Dunkelkammer hatte etwas von Romantik. Aber wenn man heute davon redet, denken die Leute meistens, ich komme von einem anderen Stern. Denn das ist zeitlich überholt", sagt Schmitt.

Heute sei es viel einfacher und man brauche nicht mal eine richtige Kamera, um sich Fotograf nennen zu können. "Dass jemand in der Gaststätte sein Essen knipsen und das posten muss, verstehe ich nicht. Doch zum richtigen Fotografieren gehört schon ein bisschen mehr dazu", sagt er.

Auch im Jahr 2021 brauche es laut Eberhard Schmitt eine professionelle Ausrüstung, um qualitativ hochwertige Fotos machen zu können. Schneller gehe das Fertigstellen eines Bildes heute nicht, es funktioniere aber anders.

"Jetzt drückt man vielleicht ein bisschen öfter auf den Auslöser, weil es etwas bequemer ist. Bei den heutigen Dateigrößen dauert es aber eine Weile, um die Bilder auf die Festplatte zu laden und zu bearbeiten", sagt Schmitt.

Die Ausstellung in der Bautzener Stadtbibliothek ist zu den regulären Öffnungszeiten der Bibliothek (Montag und Freitag von 10 bis 19 Uhr sowie Dienstag und Mittwoch von 12 bis 18 Uhr) für alle Besucher frei zugänglich.

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