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Fahrlehrern fehlen die Nachfolger

Klaus-Peter Gössel aus Bischofswerda möchte in Rente gehen und seine Fahrschule weitergeben - findet aber keine Interessenten. So geht es nicht nur ihm.

Fahrlehrer Klaus-Peter Gössel aus Bischofswerda sucht einen Nachfolger für seine Fahrschule. Bis jetzt erfolglos.
Fahrlehrer Klaus-Peter Gössel aus Bischofswerda sucht einen Nachfolger für seine Fahrschule. Bis jetzt erfolglos. © SZ/Richard Walde

Bischofswerda. Seit 16 Jahren sorgt Klaus-Peter Gössel in Bischofswerda dafür, dass Menschen ihren Führerschein bekommen. Doch damit soll demnächst Schluss sein. Denn am 1. März 2024 möchte der Fahrlehrer planmäßig in Rente gehen. "Ich will das große Ganze, was ich jetzt mache, einfach nicht mehr weiter machen. Und deswegen suche ich seit drei Jahren einen Nachfolger", erzählt er im Gespräch mit Sächsische.de.

In diesen drei Jahren gab es zwar einige Interessenten, doch wirklich ernsthaft wollte keiner die Fahrschule an der Bautzener Straße übernehmen. "Ich habe auch bei Ausbildungsstätten für Fahrlehrer nachgefragt, ob es dort einen Interessenten gibt", betont er. Doch alles bisher ohne Erfolg. "Aktuell mache ich das alles fast alleine und habe nur jemanden, der ein bisschen mit aushilft", fügt Gössel an.

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Lange so weitergehen könne es aber nicht. "Aktuell haben wir 61 Schüler, und das ist für einen einzigen Fahrlehrer eine große Herausforderung", erzählt er. Mehr würden nicht gehen, denn jeder müsse nach erfolgreich abgeschlossener Theorie zeitnah Fahrstunden bekommen.

Fahrlehrer in Sachsen sind im Durchschnitt 54 Jahre alt

Gössel ist nicht der einzige Fahrlehrer in der Region, der in einem Alter ist, wo man immer öfter an die Rente denkt. Dieter Kroll aus Bautzen, dem das Problem mit fehlendem Personal schon länger bekannt ist, wird den Schritt in die Pensionierung dieses oder nächstes Jahr gehen. "Es wird zugemacht, denn es gibt keinen Nachfolger", sagt er. Gesucht und probiert habe auch er sehr viel, aber niemanden gefunden.

"Ich habe auch einige angestellte Fahrlehrer gefragt, aber niemand wollte übernehmen", berichtet Kroll. Deshalb stehe nun fest: "Ich mache noch meine Leute fertig, und dann ist gut". Höchstens als Minijob könnte er sich vorstellen, auch darüber hinaus weiterhin Fahrstunden für einzelne Personen anzubieten.

Fahrlehrer Dieter Kroll geht dieses oder nächstes Jahr in Rente. Nachfolger für seine Fahrschule gibt es keinen.
Fahrlehrer Dieter Kroll geht dieses oder nächstes Jahr in Rente. Nachfolger für seine Fahrschule gibt es keinen. © Archivfoto: Steffen Unger

Ein Blick auf den gesamten Freistaat verrät, dass sich die Situation in den kommenden Jahren noch zuspitzen wird. Laut Andreas Grünewald vom Landesverband Sächsischer Fahrlehrer gibt es ungefähr 720 Fahrschulen, wobei das Durchschnittsalter der Fahrlehrer 54 Jahre beträgt. "Wir verzeichnen derzeit einen gewissen Bedarf an neuen Fahrlehrern, nicht nur in Sachsen, sondern im gesamten Bundesgebiet", betont er.

Gegenwärtig befänden sich jedoch vergleichsweise viele neue Fahrlehreranwärter in Ausbildung und könnten den Beruf schon bald ausüben. "Trotz des ungebrochenen großen Interesses an einer Führerscheinausbildung gehen wir davon aus, dass mittelfristig dieser Bedarf gedeckt wird", sagt Grünewald. Doch wie funktioniert die Ausbildung zum Fahrlehrer überhaupt?

Umfangreiche Ausbildung dauert lange

"Jeder, der Fahrlehrer werden will, muss erstmal für jede Klasse, in der er ausbilden will, einen Führerschein haben. Dann muss er einen Fahrlehrerschein machen. Zuerst macht man den Grundschein für Pkw, und für jede andere Klasse gibt es einen Zusatzschein. Das sind alles Lehrgänge, wo man Vollzeit in der Ausbildung ist und dabei kein Geld verdienen kann", erklärt Fahrlehrer Gössel. Der Fahrlehrerschein für Pkw würde ein Jahr dauern, Motorrad einen weiteren Monat und Lkw nochmal zwei Monate.

"Ich könnte einen möglichen Nachfolger anstellen, der über das Arbeitsamt die Lehrgänge bezahlt bekommt. Da zahle ich ihm Gehalt. Wenn es blöd kommt, sagt er nach Abschluss der Ausbildung, dass er keine Lust mehr hat, den Laden zu übernehmen", sagt Gössel. Also möchte er jemanden finden, der optimalerweise bereits Fahrlehrer ist und vielleicht nur noch einen Zusatzschein machen müsse.

Fahrschüler sind schon bis Juni 2022 vorgemerkt

Denn Gössel bietet aktuell alle Fahrzeugklassen an - vom Moped über Pkw, Lkw bis zum Bus. Das ist auch ein Grund, warum er seinen Job besonders gern ausübt. "Das ist die Freiheit, dass man sagen kann, wie man den Tag gestalten möchte", sagt er. Außerdem habe man immer mit unterschiedlichen Menschen zu tun, was ständige Abwechslung bedeute.

"Jeden Tag komme ich raus und erlebe etwas Neues auf der Straße. Es ist kein Büro, wo ich früh reingehe und nachmittags wieder raus", betont Gössel. Für einen potenziellen Interessenten, der seine Fahrschule übernehmen möchte, hat er zudem gute Nachrichten. "Wenn sich jemand findet, kann er die Fahrschule sofort übernehmen. Ich will nicht gleich aussteigen, aber langsam herunterfahren", sagt er.

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Bei einer umfangreichen Einarbeitung gebe es auch geballtes Expertenwissen von ihm dazu. Und um etwas brauche sich ein Nachfolger keine Sorgen machen - Kunden. Denn bereits jetzt gebe es Vormerkungen von Fahrschülern bis Juni 2022. "Es ist also immer etwas zu tun, und langweilig wird es nie", sagt Gössel.

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