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Was wird aus der Valtenbergbaude?

Es stand schon lange fest: Ab 2022 soll eine neue Pächterin die Gaststätte auf Neukirchs Hausberg betreiben. Doch nun wird daraus nichts.

Die Gaststätte auf dem Valtenberg bei Neukirch/Lausitz sollte ab dem 1. Januar 2022 eine neue Wirtin bekommen. Doch daraus wird nichts.
Die Gaststätte auf dem Valtenberg bei Neukirch/Lausitz sollte ab dem 1. Januar 2022 eine neue Wirtin bekommen. Doch daraus wird nichts. © Archivbild: Steffen Unger

Neukirch/Lausitz. Eigentlich sollte ab Januar 2022 Sandra Kirsch die neue Wirtin auf dem Valtenberg in Neukirch werden. Mit der Pacht der Berggaststätte wollte sich die Neustädterin ihren Traum vom eigenen Lokal erfüllen. Doch daraus wird nun nichts. Auf der jüngsten Sitzung des Neukircher Gemeinderates wurde bekannt gegeben, dass es kein Pachtverhältnis zwischen Sandra Kirsch und der Gemeinde geben wird.

Ende vorigen Jahres hatte die gelernte Hotelfachfrau von der Gemeinde den Zuschlag erhalten. Mit der Vorstellung ihres Konzepts hatte sie den Bürgermeister und einen Teil der Gemeinderäte überzeugen können. Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) sowie sechs Gemeinderäte stimmten damals für den Pächterwechsel. Die restlichen sechs Räte enthielten sich.

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Andreas Hultsch (CDU), erster stellvertretender Bürgermeister, etwa sprach sich dafür aus, mit dem damaligen Wirt Andreas Hübner weiterzumachen. Die Gastronomie sei gut, und die Gemeinde wisse nicht genau, was sie mit der neuen Pächterin erwartet. „Das Konzept von Frau Kirsch hat mich nicht vollständig überzeugt. Ich sehe da zu viele Fragezeichen“, sagte Hultsch damals.

Wie geht es nun weiter? Gemeinde äußert sich nicht

Doch der Bürgermeister sah in Sandra Kirsch die beste Option für eine „hoffentlich langfristige und partnerschaftliche Zusammenarbeit“. Die ist nun beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Warum es nun doch nicht zu einem Pachtverhältnis kommt, dazu wollte oder konnte sich Sandra Kirsch auf Nachfrage nicht äußern. „Tut mir leid, aber ich darf mich zum Sachverhalt nicht äußern“, erklärte sie schriftlich in einer E-Mail.

Auch von der Gemeinde Neukirch hat sich bisher niemand zu dem Thema geäußert. Ricarda Rähder, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde, sagt auf Nachfrage zwar, dass es einen Zeitplan gebe, wann man sich mit dem Thema genauer beschäftigt. Wie dieser Zeitplan aussieht, dazu könne sie aber keine Aussage treffen.

Interims-Betreiber: Personal fehlt für zwei Gaststätten

Doch bereits ein halbes Jahr vor dem geplanten Pächterwechsel stand die Gemeinde vor einem Problem: Im Juli stieg der bisherige Pächter Andreas Hübner vorzeitig aus seinem Vertrag aus, der eigentlich noch bis Ende des Jahres gelaufen wäre. Seit August wird die Bergbaude deshalb nun von Vanessa Porsche und ihrem Ehemann Romano betrieben. Die Beiden hatten erst vor einem Jahr mitten im Lockdown den Gasthof Erbgericht in Neukirch übernommen.

„Der Berg hat in Neukirch und Umgebung einen sehr hohen Stellenwert. Wir wollten deswegen nicht, dass die Gaststätte ein halbes Jahr geschlossen bleibt“, sagt Romano Porsche. Besonders für Wanderer und Bergsteiger sei der Valtenberg ein beliebtes Ausflugsziel. „Wer auf dem Oberlausitzer Bergweg von Sohland nach Neukirch wandert, den zieht es meist zur Valtenbergbaude. Wenn diese jetzt nicht mehr betrieben würde, gäbe es gar keine Gaststätte mehr auf der Route“, sagt der gelernte Koch.

Romano Porsche betreibt mit seiner Frau neben dem Erbgericht in Neukirch übergangsweise auch die Bergbaude auf dem Valtenberg. Ihr Pachtvertrag läuft zum 31. Dezember dieses Jahres aus.
Romano Porsche betreibt mit seiner Frau neben dem Erbgericht in Neukirch übergangsweise auch die Bergbaude auf dem Valtenberg. Ihr Pachtvertrag läuft zum 31. Dezember dieses Jahres aus. © SZ/Uwe Soeder

Von der Nachricht, dass es ab Januar nun doch keine neue Betreiberin auf dem Valtenberg geben wird, habe er erst in der Gemeinderatssitzung vor zwei Wochen erfahren. Grundsätzlich könnten seine Frau und er sich vorstellen, die Gaststätte auf Neukirchs Hausberg über den Dezember hinaus weiterzuführen. „Aber auf Dauer sind zwei Gaststätten mit der jetzigen Anzahl an Mitarbeitern nicht zu betreiben. Wenn wir mehr Personal hätten, dann könnten wir auch noch die Valtenbergbaude betreiben“, sagt Porsche.

Dass in der Gastronomie Personal fehlt, ist kein neues Problem. Doch durch Corona hat sich die Lage noch einmal verschärft. Denn laut einer Umfrage des Bundesverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) haben wegen des monatelangen Lockdowns viele Beschäftigte die Gastronomie verlassen. Fast in jedem zweiten Betrieb ist Personal in andere Berufszweige gewechselt. Das fehlt jetzt.

Vorschlag: Nur ein kleines Imbissangebot

Sie würden derzeit sieben Tage die Woche arbeiten, manchmal sogar 16 Stunden am Tag, sagt Romano Porsche. „Auf Dauer ist das keine Option. Wir merken im Moment, dass es uns an die Belastungsgrenze führt. Doch wir haben auch noch zwei kleinere Kinder.“ Dennoch wollen die Beiden die Bergbaude zunächst weiterführen, bis ein neuer Pächter gefunden ist. „Aber die Gemeinde ist bisher noch nicht auf uns zugekommen. Wir wissen aber, welch große Bedeutung der Berg für die Menschen hier im Ort und der Umgebung hat.“

Dass das Paar auch dauerhaft die Bergbaude übernimmt, ist aber eher unwahrscheinlich. „Die Situation um den Valtenberg ist noch sehr unklar. Wir kennen die Hintergründe nicht. Aber für uns ist klar, dass unsere Priorität neben der Familie auf dem Erbgericht und dem Hotel liegt“, sagt Porsche und schlägt eine andere Lösung vor: „Wenn sich niemand findet, dann gibt es halt nur ein kleines Imbissangebot. Das kann dann auch ehrenamtlich betrieben werden. Aber dafür wäre dann die Gemeinde zuständig.“

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