merken
PLUS Bischofswerda

Bischofswerda: Großvermieter kämpft gegen Leerstand

WuB-Chef Andreas Wendler ist für rund 1.400 Wohnungen in Bischofswerda verantwortlich. Doch etliche davon stehen leer. Das wird dagegen unternommen.

Andreas Wendler ist der Chef der Bischofswerdaer Wohnungswirtschaft und Bau GmbH. Er hofft auf neue Mieter für die frisch sanierten Wohnungen im vierten und fünften Stock auf der Ernst-Thälmann-Straße, die bald per Aufzug zu erreichen sind.
Andreas Wendler ist der Chef der Bischofswerdaer Wohnungswirtschaft und Bau GmbH. Er hofft auf neue Mieter für die frisch sanierten Wohnungen im vierten und fünften Stock auf der Ernst-Thälmann-Straße, die bald per Aufzug zu erreichen sind. © Steffen Unger

Bischofswerda. Glaubt man den aktuellen Prognosen des Statistischen Landesamtes, wird Bischofswerda bis 2035 weit über 1.000 Einwohner verlieren. Dass immer weniger Menschen in Schiebock leben, bemerkt ein Unternehmen besonders stark: Die Bischofswerdaer Wohnungswirtschaft und Bau GmbH - besser bekannt als WuB - bietet insgesamt 1.400 Wohnungen im Stadtgebiet zur Miete an. Doch etliche davon stehen leer.

"Der durchschnittliche Leerstand beträgt insgesamt 17 Prozent, aber im Neubau haben wir fast den kompletten Leerstand in der vierten und fünften Etage", sagt WuB-Geschäftsführer Andreas Wendler im Gespräch mit Sächsische.de. Wohnungen im Erdgeschoss beziehungsweise im ersten Stock seien schnell wieder vermietet, sobald jemand auszieht. Weiter oben dauere es allerdings viel länger, einen Nachmieter zu finden.

Küchenzentrum Dresden
Küchen-Profis aus Leidenschaft
Küchen-Profis aus Leidenschaft

Das Team des Küchenzentrums Dresden vereint Kompetenz, Erfahrung und Dienstleistung – und punktet mit besonderen Highlights.

Aktuell komme man mit der Anzahl der leeren Wohnungen noch klar, die erwartete Entwicklung sage allerdings nichts Gutes voraus. "Wenn jedes Jahr ein weiteres Prozent dazukommt, ist man in fünf Jahren bei 22 Prozent. Da wird es immer schwieriger", sagt Wendler. Ein Rückblick auf das letzte halbe Jahr lasse allerdings erwarten, dass es darauf hinauslaufen könnte.

Was der Vermieter gegen den Leerstand tut

"Wenn ich mir die Vermietungen in den letzten sechs Monaten ansehe, haben wir auf zwei Wegzüge nur einen Einzug", erklärt der Geschäftsführer. Ein großes Problem sei die Überalterung. "Ungefähr 30 bis 33 Prozent unserer Mieter verlassen ihre Wohnung altersbedingt durch Tod oder Umzug in ein Altersheim. Dieses Drittel können wir in Bischofswerda nicht ersetzen", stellt Wendler fest.

Aber auch die jüngeren Schiebocker würden häufig umziehen. "Für uns ist es günstig, wenn wir Zuzüge von außerhalb haben, denn die Bischofswerdaer sind sehr umzugsfreudig innerhalb der Stadt", betont Wendler. Was er meint: Wer einmal von außerhalb nach Bischofswerda ziehe, bleibe erfahrungsgemäß länger in derselben Wohnung. Schiebocker dagegen würden ihre Bleibe öfter wechseln. Jede zehnte Wohnung der WuB werde unter anderem deshalb einmal im Jahr be- oder leergezogen - das entspricht etwa einem Ein- oder Auszug alle drei Tage.

Um dem Trend entgegenzuwirken, hat man sich bei der WuB Einiges überlegt. Unter anderem betrifft das zwei Häuser an der Ernst-Thälmann-Straße im Süden des Stadtgebietes. "Es werden Aufzüge an den Hausnummern 9 und 17angebaut", berichtet Andreas Wendler. Diese werden künftig jeweils auf der halben Etage zwischen den einzelnen Stockwerken halten. Das sei aufgrund der baulichen Gegebenheiten die preiswerteste Variante.

Zurzeit sind die Blöcke in der Ernst-Thälmann-Straße, an denen die Aufzüge angebaut werden, noch eingerüstet.
Zurzeit sind die Blöcke in der Ernst-Thälmann-Straße, an denen die Aufzüge angebaut werden, noch eingerüstet. © Steffen Unger

Was auf die Mieter nach der Modernisierung zukommt

Theoretisch wäre es auch möglich, dass die Aufzüge direkt auf der Etage halten. Dabei würde aber viel Platz verlorengehen, und die Wohnungen würden dadurch kleiner werden. In den Wohnblöcken aus dem Jahr 1975 sei dafür kaum Platz. Doch das würden die Mieter auch gar nicht fordern. "Sogar Rollator-Nutzer sagen, dass ihnen die paar Stufen nichts ausmachen", sagt Wendler.

Die Wohnungen an sich werden aber barrierefrei, indem alle Türschwellen wegfallen. Einzig der Weg auf den Balkon bleibt mit einem kleinen Hindernis verbunden, was allerdings nicht zu ändern sei. Während die Arbeiten an den Aufzügen noch laufen, ist die Sanierung von mehreren Ein- bis Vier-Raum-Wohnungen fast abgeschlossen. "Wenn die Wohnungen in drei bis vier Wochen fertig sind, könnten Mieter zwar bereits einziehen, sie würden aber erstmal auf der Baustelle leben", sagt Wendler.

Deswegen geht er von einem Einzug zum 1. Oktober aus. "Was mich stutzig macht, ist, dass sich die Nachfrage noch in Grenzen hält. Allerdings scheint es auch noch nicht so durchgesickert zu sein", vermutet der WuB-Chef. Die Miete für die sanierten Wohnungen, die mit einem Aufzug zu erreichen sind, wird laut Wendler zwischen 6,20 und 6,49 Euro kalt pro Quadratmeter betragen. Dazu kommen zwischen 2 und 2,40 Euro Nebenkosten. Hochgerechnet auf eine 50-Quadratmeter-Wohnung liege die Warmmiete somit zwischen 410 und 444,50 Euro.

Was die WuB sonst noch unternimmt

Ein sogenannter Modernisierungszuschlag kommt auch auf die bisherigen Bewohner zu. Um etwa einen Euro pro Quadratmeter werde ihre Miete nach Fertigstellung des Aufzuges angehoben. Davon ausgenommen werden die Mieter, die ganz unten wohnen. "Rechtlich wäre es möglich, auch die Bewohner im Erdgeschoss in die Umlagen einzubeziehen, aber das halte ich für nicht praktikabel", sagt Wendler.

Nicht nur Aufzüge und frisch sanierte Wohnungen sollen gegen den immer größer werdenden Leerstand helfen, auch weitere Arbeiten finden aktuell statt. Das betrifft an mehreren Wohnhäusern unter anderem die Neugestaltung der gesamten Fassade, das Dämmen von Dachböden oder das Trockenlegen von altem Mauerwerk. "Solche Maßnahmen haben nichts mit Modernisierung zu tun", betont Wendler. Auf die Bewohner komme deswegen auch keine Erhöhung der Mietpreise zu.

Zudem entstehen aktuell an der Süßmilchstraße neue Parkplätze, denn ohne eigenes Fahrzeug geht es für die meisten in Bischofswerda nun mal nicht. "Oft haben Familien zwei Autos, und wenn die abends beide zurückkommen, wollen sie in der Nähe des Hauses einen Stellplatz haben", sagt Wendler.

Mehr zum Thema Bischofswerda