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So kreativ ist Bischofswerda

Das ehemalige Kino wird zur Künstlerwerkstatt. An diesem Sonntag darf dort jeder schauen - und auf Bildern vielleicht sogar Bekannte entdecken.

Katharina Probst porträtierte Menschen aus Bischofswerda und umliegenden Orten. Am Sonntag sind die Bilder im früheren Kino zu sehen.
Katharina Probst porträtierte Menschen aus Bischofswerda und umliegenden Orten. Am Sonntag sind die Bilder im früheren Kino zu sehen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Die Aufforderung darf man am Sonntag wörtlich nehmen: Bitte nehmen Sie Platz! Cvetanka Kirilova Schnorrbusch hat diesen Satz in mehreren Sprachen an die Wand geschrieben. 

Zur Auswahl steht ein Sammelsurium an Stühlen: Plastikstühle aus dem Garten, Holzstühle, Kinderstühle. Die Künstlerin Cvetanka Kirilova Schnorrbusch hat sie bunt bemalt. Man sieht zuerst die Farben und nimmt auf den zweiten Blick Details wie filigrane Ornamente und Gesichter wahr.   

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Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Die Stühle stehen im ehemaligen Kino. Nicht im Saal, sondern in einem kleinen Raum des Obergeschosses. "Die Besucher können sich hinsetzen und miteinander ins Gespräch kommen", sagt Anja Herzog. Die Bischofswerdaer Malerin ist Leiterin des Projektes "Kollision der Künste",  abgekürzt "Kodekü", das nach zehn Tagen an diesem Sonntag mit einer öffentlichen Präsentation zu Ende geht. 

Bischofswerdaer stehen Modell

Im Nebenzimmer hat sich die Dresdner Malerin Katharina Probst eingerichtet.  Sie war in den vergangenen Tagen mit der Kamera in Bischofswerda unterwegs und fotografierte Menschen, um sie anschließend in Acryltechnik zu porträtieren. Darunter sind stadtbekannte Gesichter, aber auch Menschen, die sie zufällig traf. Rund zehn Bilder sind entstanden.  Unter jedem Bild wird man am Sonntag einen Satz der oder des Porträtierten lesen können. 

"Es sind die vielen unterschiedlichen Lebensentwürfe, die den Reichtum einer Stadt ausmachen, wenn es auch nicht immer leicht ist, sie auszuhalten", sagt Katharina Probst zu ihrer Intension. Treffender lässt sich Toleranz wohl kaum beschreiben. 

Alte Filmplakate werden selbst zu einem Film

16 Künstlerinnen und Künstler aus fünf Ländern sind an dem Projekt beteiligt, das in Zusammenarbeit mit dem Verein KulturOrt realisiert wird. Der Verein erwarb das ehemalige Kino, um es in Anlehnung an die Geschichte des Gebäudes zum König-Albert-Saal (KAS) umzubauen. 

Den Künstlern steht das ganze Haus zur Verfügung. Sie arbeiten nicht nur mit den Utensilien, die sie mitgebracht haben, sondern mit allem, was sie in dem 2012 geschlossenen Filmtheater noch finden konnten. So wurden zum Beispiel alte Filmplakate zu einem Film verarbeitet, der am Sonntag in einem Minikino in einer Nische  zu sehen ist. 

Blick in den großen Saal. Hier hat rund ein halbes Dutzend Künstler seinen Arbeitsplatz.
Blick in den großen Saal. Hier hat rund ein halbes Dutzend Künstler seinen Arbeitsplatz. © SZ/Uwe Soeder

Was es mit dem Schi-Bock auf sich hat

Im großen Saal haben sich mehrere Künstler niedergelassen. Auf den Arbeitstischen herrscht kreatives Chaos. Es wird gezeichnet, gestaltet, Filmszenen geschnitten. 

Auf dem Fußboden vor der Leinwand liegt ein großes Kinderbild. Kinder aus dem 8- Sterne-Hort in Bischofswerda Süd haben es gemalt, als sie in dieser Woche die Künstler besuchten. 

Auf Kleiderständern daneben hängen Pullis und T-Shirts aus zweiter Hand, die mit dem Schriftzug "Kodekü" bedruckt wurden. Gegen eine Spende können die Besucher ein solches Teil erwerben. 

Wie man Schi-Bock auch augenzwinkernd deuten kann, zeigt eine Arbeit des Bischofswerdaer Künstlers und ehemaligen Kunsterziehers Bernd Warnatzsch. Er fügte zusammen, was man nicht unbedingt zusammen denkt  - "in Erinnerung an schneereiche Winter". 

Ein Schi-Bock aus der Zeit, als es noch richtige Winter gab. Bernd Warnatzsch gestaltete diese Installation im KAS.
Ein Schi-Bock aus der Zeit, als es noch richtige Winter gab. Bernd Warnatzsch gestaltete diese Installation im KAS. © SZ/Uwe Soeder

Farbe für Fassaden und ein bunter Turm

Das Kunstprojekt strahlt aus auf die Stadt. Etwa zehn Künstler hinterlassen ihre Handschrift an der Kinofassade. Ein Hingucker ist auch der mit bunten Bändern umrankte Mediaturm auf dem Altmarkt. Künstler und Bischofswerdaer haben die Bänder gemeinsam um den Turm geflochten. Die Idee: Wir bringen Menschen zusammen. 

Eine weitere Bänder-Installation sieht man im Schillerpark. Außerdem wurden am Parkhaus der Wohnungswirtschaft an der Muntschickstraße und am Eingang zum früheren Beleuchtungsglaswerk an der Belmsdorfer Straße Wände künstlerisch gestaltet.  

Künstler und Bischofswerdaer Einwohner brachten gemeinsam dieses bunte Geflecht am Mediaturm auf dem Altmarkt an.
Künstler und Bischofswerdaer Einwohner brachten gemeinsam dieses bunte Geflecht am Mediaturm auf dem Altmarkt an. © SZ/Uwe Soeder

"Viele Bischofswerdaer sind gegenüber dem Projekt sehr aufgeschlossen", sagt Anja Herzog. Schon am vergangenen Sonntag, als man den Künstlern bei der Arbeit zusehen konnte, kamen viele ins KAS. 

Katharina Probst lobt die gute Organisation, zu der auch Paten gehören. Sie halfen den Gästen, Modelle zu finden und gaben Tipps zu Örtlichkeiten. Das Zusammenwirken von Künstlern unterschiedlicher Bereiche inspiriert. 

Fußböden in Szene gesetzt

Benjamin Junghans kommt aus Stuttgart. Der 27-Jährige, der Regie studierte, setzte Fußböden ins Szene und macht daraus einen Film. Er drehte unter anderem in der Christuskirche, auf Straßen, aber auch in Privathäusern. Er machte Nahaufnahmen und bietet so überraschende Perspektiven. 

Auch er bemerkte eine großen Offenheit der Bischofswerdaer - und den Trend, Fußböden in ihrer Ursprünglichkeit wiederherzustellen, egal ob Holzdielen aufgearbeitet oder Steinplatten poliert werden. 

In Stuttgart, sagt Benjamin Junghans, gebe es viel Geld, aber wenig Raum. In Bischofswerda ist es genau anders herum. Das muss kein Nachteil sein. "Manchmal ist Raum wichtiger als Geld." 

Dass Bischofswerda kreativen Raum bietet, wollen die Akteure am Sonntag von 13 bis 20 Uhr im KAS zeigen - mit ganz viel Kunst, Livemusik, einer Tanz-Performance und einem Workshop zum Thema Rechtsextremismus und kreative Jugendarbeit, der um 15.30 Uhr beginnt. 

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