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Das bedeutet der LUA-Umzug für Bischofswerda

Zuzug, S-Bahn-Anbindung, dritte Stadtbuslinie: OB Holm Große erklärt, wie Schiebock von der Ansiedlung der Landesbehörde profitieren kann.

Die LUA-Ansiedlung in Bischofswerda zeigt für Oberbürgermeister Holm Große unter anderem eins: Für die Stadt geht es nach diversen Rückschlägen in den vergangenen Jahren wieder nach vorn.
Die LUA-Ansiedlung in Bischofswerda zeigt für Oberbürgermeister Holm Große unter anderem eins: Für die Stadt geht es nach diversen Rückschlägen in den vergangenen Jahren wieder nach vorn. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Die Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen (LUA) wird von Dresden nach Bischofswerda umziehen. Der Neubau im Gewerbegebiet an der Bautzener Straße soll bis 2026 und der Umzug bis 2027 abgeschlossen sein. Im Interview mit Sächsische.de erklärt Oberbürgermeister Holm Große (parteilos), welche Chancen das für Bischofswerda eröffnet und was die LUA-Mitarbeiter erwartet.

Herr Große, die Mitarbeiterbefragung bei der LUA vor rund drei Monaten hat ergeben, dass 80 Prozent der Beschäftigten nicht nach Bischofswerda pendeln würden, und nur sechs Prozent halten einen Umzug für denkbar. Wie sehr freuen Sie sich auf die 260 Mitarbeiter dieser Behörde?

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Ich freue mich natürlich sehr und möchte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der LUA versichern, dass zum einen hier etwas geschaffen wird, was ganz andere Arbeitsbedingungen für sie mit sich bringt. Es wird ein neuer Standort mit Entwicklungsmöglichkeiten. Und ich freue mich, weil meine Erfahrungen sagen, dass die Menschen, die zu uns nach Bischofswerda gekommen sind, sehr schnell den Reiz einer Stadt kennengelernt haben, die alle Vorzüge bietet, aber die Nachteile einer Großstadt nicht mit sich bringt.

LUA-Mitarbeiter kommen auch aus Bautzen und Görlitz

Welche Vorzüge meinen Sie?

Das betrifft zum einen die kurzen Wege. Gerade junge Familien kommen sehr häufig nach Bischofswerda, auch unabhängig vom Arbeitsplatz, weil sie feststellen, sie haben alles beieinander: Kindereinrichtungen, Schulen bis zum Gymnasium, medizinische Einrichtungen inklusive Krankenhaus, eine tolle Verkehrsanbindung nach Dresden, Bautzen, Görlitz, Wroclaw, Zittau, Liberec, ein tolles Vereinsleben, über 100 Wohnbaugrundstücke in Bischofswerda und den Nachbargemeinden, viele Spezialisten im Einzelhandel – zum anderen das Miteinander einer Kleinstadt, das ein Modell sein kann, vielleicht nicht für jeden, aber für viele. Insofern herzlich willkommen.

Wie wollen Sie das den LUA-Mitarbeitern vermitteln?

Ich habe bereits angeboten, die Stadt mit ihren Möglichkeiten zu zeigen, natürlich auch die LUA-Fläche und was im Umfeld entsteht sowie die Verkehrsverbindungen. Mein ursprünglicher Plan war es, einen „Tag der offenen Stadt“ zu organisieren, und ich denke, bis die LUA fertig ist, wird das auch wieder in größeren Gruppen möglich sein. Es ist ja nicht so, dass nur Leute aus Dresden oder dem Dresdener Umland herkommen. Ich habe auch sehr viele freundliche E-Mails bekommen, von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aktuell aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz nach Dresden pendeln.

Der LUA-Standort wird sich im Gewerbegebiet an der Bautzener-Straße in Bischofswerda befinden.
Der LUA-Standort wird sich im Gewerbegebiet an der Bautzener-Straße in Bischofswerda befinden. © SZ/Uwe Soeder
Hier, hinter der Straßenmeisterei, sollen neben der LUA-Fläche zwei weitere Grundstücke für die Ansiedlung von Unternehmen entstehen.
Hier, hinter der Straßenmeisterei, sollen neben der LUA-Fläche zwei weitere Grundstücke für die Ansiedlung von Unternehmen entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Die LUA wird im Gewerbegebiet an der Bautzener Straße entstehen. Was ist dort noch geplant?

Etwa die Hälfte der von uns neu zu erschließenden Fläche wird von der LUA in Anspruch genommen, und wir werden die beiden anderen Parzellen mit entwickeln und dann entsprechend vermarkten. Da sind wir bereits in der Bewerbung, und es gibt mehrere Interessenten. Die Planungen des Freistaates Sachsen werden jetzt bereits berücksichtigt, und damit haben Freistaat und Stadt die notwendigen Sicherheiten.

Wer könnte sich da noch ansiedeln?

Natürlich haben wir Wunschvorstellungen, und natürlich durchforsten wir auch für die anderen Standorte in der Stadt die Branchen, die verarbeitend und zukunftsorientiert sind. Bischofswerda hat eine Tradition im Maschinenbau, Kunststoff, bei technischen Textilien und in der IT. Das bietet Ansätze für die Ansiedlung neuer Technologien.

Wir verfolgen die Start-ups der Region auf ihre Entwicklung hin, und auch da sprechen wir ganz bewusst an. Und wir gucken ganz stark auf unsere Bestandsunternehmen, deren Erweiterung oder neue Linien. Wir sind sehr sicher, dass wir unsere Flächen sehr gut vermarkten können. Durch die LUA wird der Wirtschaftsstandort Bischofswerda noch mehr in den Mittelpunkt gerückt und gestärkt. Auch Firmen, die eng mit der LUA kooperieren, sind herzlich eingeladen, in Bischofswerda aktiv zu werden.

Neue Stadtbuslinie und S-Bahn möglich

Was muss die Stadt Bischofswerda bis zum LUA-Umzug 2027 noch leisten?

Wir haben zunächst den Anforderungen der Ausschreibung entsprochen. Dort ging es unter anderem um das Thema der Anbindung. Für uns in den Startlöchern steht die dritte Stadtbuslinie, die mit dem Unternehmen und dem Landkreis abgestimmt ist und jeweils zum nächsten Fahrplanwechsel belebt werden kann.

Und wie sieht es mit den Zügen aus?

Wir haben sehr gute Bahnverbindungen von und nach Dresden, Bautzen und Görlitz. Es ist ja im Prinzip schon eine S-Bahn-Taktung. Es ist selbstverständlich, dass wir alle daran Interesse haben, dass es auch eine offizielle S-Bahn-Verbindung wird. Viele Verbindungen sind deswegen S-Bahn geworden, weil man irgendwann gesagt hat, das ist eine S-Bahn. Das wäre auch auf der Verbindung Dresden-Bautzen möglich. Es ist auch eine psychologische Frage. Warum fühlt der Dresdener Pirna näher als Bischofswerda, obwohl es dieselbe Entfernung ist? Weil Pirna im S-Bahn-Netz ist.

Bischofswerda hat in den vergangenen Jahren die Arbeitsagentur sowie den Kreissitz und damit verschiedene Ämter verloren. Welche Bedeutung hat die LUA-Ansiedlung vor diesem Hintergrund?

Der Verlust der Arbeitsagentur war da noch der leichteste. Sie war nicht mehr notwendig, weil die Arbeitslosigkeit im Raum Bischofswerda stark gesunken ist. Was die Stadt wirklich geprägt hat, war das Wegbrechen von allen Zentralitätsfunktionen, und das fing noch vor dem Verlust des Kreissitzes mit der Abwicklung von Fortschritt an. Wenn in Wolfsburg VW schließen würde, wäre das ungefähr vergleichbar.

Bischofswerda hat diesen und weitere Verluste ganz lange nicht verkraftet. Und das hat zu einer Unzufriedenheit geführt, obwohl sich auf der anderen Seite viel Lebensqualität entwickelt hat. Der gefühlte Bedeutungsverlust konnte durch das Miteinander in unserer Stadt erst in den letzten Jahren langsam kompensiert werden.

Insofern sehe ich neben den direkten und indirekten Effekten die weitere Stärkung des psychologischen Effektes: Bischofswerda ist wieder auf der Landkarte, bietet sich an als Standort, das ist ein ganz wichtiges Zeichen. Es ist auch ein Zeichen für die Region, dass überörtliche Einrichtungen nicht nur in Dresden oder Bautzen sein müssen.

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