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Bischofswerda hat jetzt ein Freiluft-Fitnessstudio

Im Corona-Lockdown waren die Sportstudios lange geschlossen. In dieser Zeit ist in Bischofswerda etwas Ungewöhnliches entstanden.

Am Aufbau der Trainingsgeräte im Außenbereich des FIB-Sportstudios in Bischofswerda waren unter anderem Sten Broßeit, Philipp Hannusch und Aaron Albrecht (v.r.) beteiligt, die in diesem Studio trainieren.
Am Aufbau der Trainingsgeräte im Außenbereich des FIB-Sportstudios in Bischofswerda waren unter anderem Sten Broßeit, Philipp Hannusch und Aaron Albrecht (v.r.) beteiligt, die in diesem Studio trainieren. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Fast acht Monate mussten die Fitnessstudios in Sachsen wegen Corona schließen – auch das von Rudi Eisenblätter in Bischofswerda. Der 65-Jährige hat die Zeit genutzt und Fitnessgeräte für den Außenbereich besorgt. So konnte er unlängst vor seinem Studio in der Belmsdorfer Straße einen kleinen Fitnesspark eröffnen. An den sechs verschiedenen Geräten „kann man fast alles machen, was man auch im Studio trainieren kann“, sagt der Inhaber.

Mit 20.000 Euro wurde das Vorhaben von der Bundesrepublik gefördert. „Die andere Hälfte der Summe habe ich aus eigener Tasche bezahlt“, sagt Eisenblätter, der während des Lockdowns neben den Outdoor-Geräten auch in ein spezielles Indoor-Fitnessgerät, eine Luftfilteranlage, den Umbau seines Studios und die Erneuerung der Sauna investiert hat.

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Mitglieder helfen beim Bau des Fitnessparks

Das Frischluft-Fitnessstudio ist dennoch das neue Highlight. Viele seiner Kunden habe es an einen Skulpturenpark erinnert, meint Eisenblätter. „Doch es sind tatsächlich Sportgeräte, an denen man genauso gut die Beinmuskulatur, den Oberkörper oder die Bauchmuskeln trainieren kann wie drinnen.“ Besonders in den Sommermonaten wurde die Geräte von seinen Studiomitgliedern genutzt, von denen einige auch mit am Bau beteiligt waren.

„Ich hatte die Geräte besorgt, und vier unserer Kunden haben sie aufgebaut“, sagt er. Das heißt in diesem Fall, dass mehrere Löcher gegraben und insgesamt 2.340 Kilogramm Beton-Estrich angerührt werden mussten. „Die haben das alles per Hand mit einem Spaten gemacht. Danach brauchten sie für diesen Tag kein Fitnesstraining mehr“, sagt Rudi Eisenblätter mit einem Schmunzeln.

Kunden kommen langsam wieder

Für die Hilfe seiner Kunden ist er sehr dankbar, auch weil sie ihm während der Corona-bedingten Schließung die Treue gehalten haben. „Vor Corona hatten wir fast 700 Mitglieder. In der ganzen Phase haben wir 95 Mitglieder verloren, andere Studios hat es da deutlich schlimmer getroffen“, sagt Eisenblätter. Derzeit habe er 625 Kunden unter Vertrag. „Das ist eine sehr gute Zahl.“

Rudi Eisenblätter hat während des Corona-Lockdowns rund 40.000 Euro in die Anschaffung neuer Fitnessgeräte und die Renovierung seines Studios in Bischofswerda gesteckt.
Rudi Eisenblätter hat während des Corona-Lockdowns rund 40.000 Euro in die Anschaffung neuer Fitnessgeräte und die Renovierung seines Studios in Bischofswerda gesteckt. © Archivbild: SZ/Uwe Soeder

Doch bis das Vorkrisenniveau in den meisten Studios wieder erreicht ist, werden nach Einschätzung von Fitnessverbänden Jahre vergehen. „Wir rechnen bei konstantem Betrieb und weiteren Lockerungen frühestens 2023 damit, das Niveau vor Corona erreichen zu können“, teilte der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) im August mit.

Nach der Wiedereröffnung der Studios im Juni hätten sich die Menschen noch zurückgehalten. Das sei auch beim Fitnessstudio FIB von Rudi Eisenblätter in Bischofswerda so gewesen. Doch mit der Zeit kommen sie wieder öfter zum Training. Laut dem DSSV liege das unter anderem auch an Nachholeffekten und einem gestiegenen Bewusstsein für die eigene Gesundheit.

Training auch im Winter bei Schnee möglich

Dies beobachtet auch Rudi Eisenblätter. „Unsere Mitglieder sind vor allem Menschen, die den Kraftsport für sich entdeckt haben und nun drei- bis viermal in der Woche trainieren. Denen kann man nicht so einfach den Sport nehmen“, sagt er. Auch deswegen habe er jetzt die Outdoor-Trainingsgeräte angeschafft.

Denn keiner weiß, wie es in den nächsten Monaten weitergeht. Die Corona-Zahlen im Landkreis Bautzen steigen derzeit wieder rasch und sind deutlich höher als noch vor einem Jahr. „Falls es wieder zu einem Lockdown kommen sollte, können unsere Kunden zumindest draußen trainieren“, sagt Eisenblätter.

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Dabei hat er die Bilder des vierten Rocky-Films im Kopf, als sich der wohl bekannteste Filmboxer in Sibirien im tiefsten Schnee auf den nächsten Kampf vorbereitet. „Unsere positiv verrückten Mitglieder werden sicherlich auch trainieren, wenn Schnee liegt. Sie ziehen sich einfach etwas wärmer an.“

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