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Bischofswerda: So kommt wieder Leben ins Kulturhaus

Das Gebäude soll zu einem Verwaltungs-, Konferenz- und Kulturzentrum umgebaut werden. Als Voraussetzung dafür fasste der Stadtrat jetzt einen wichtigen Beschluss.

Von Timotheus Eimert
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Steffen Thiele (l.) und Toralf Käppler vom Wirtschaftsförderverein Bischofswerda setzen sich seit mehren Jahren für den Erhalt des Kulturhauses ein. Mit der jetzigen Entwicklung sind sie sehr zufrieden.
Steffen Thiele (l.) und Toralf Käppler vom Wirtschaftsförderverein Bischofswerda setzen sich seit mehren Jahren für den Erhalt des Kulturhauses ein. Mit der jetzigen Entwicklung sind sie sehr zufrieden. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Steffen Thiele kann sich noch an zahlreiche Veranstaltungen im Kulturhaus in Bischofswerda erinnern. „Es fand hier Fasching mit über 600 Leuten statt, Jugendweihen und Schuleinführungen wurden gefeiert. Heute werden die Kinder in Turnhallen eingeschult. Das kann doch nicht sein“, sagt der Vorsitzende des Wirtschaftsfördervereins Bischofswerda. Seit vier Jahren setzt sich der Verein auch aus diesem Grund für den Erhalt des mittlerweile maroden Gebäudes ein.

Vereinsmitglied Ulrich Käppler verbindet mit dem Kulturhaus ebenfalls eine einzigartige Geschichte. „Ich habe hier meine Frau kennengelernt.“ Und Toralf Käppler, der weder verwandt noch verschwägert mit Ulrich Käppler ist, verbindet mit dem Gebäude am Schmöllner Weg seinen Tanzstundenball und die Einschulung seiner Kinder.

Doch die Mitglieder des Wirtschaftsfördervereins engagieren sich nicht wegen eigener persönlicher Verbindungen für den Erhalt des Kulturhauses. „Sondern weil die gesamte Bevölkerung viele Erinnerung mit dem Gebäude verbindet. Deshalb wollen wir es wieder einem Zweck zuführen, wissen aber auch, dass die Kultur allein das Gebäude nicht refinanziert“, erklärt Steffen Thiele.

Der große Saal soll erhalten bleiben

Deswegen habe man im Wirtschaftsförderverein seit 2017 gemeinsam nach Lösungen gesucht. Der Verein machte unter anderem die Schäden am und im Haus durch den baulichen Verfall und durch Vandalismus öffentlich. Er investierte einen hohen vierstelligen Betrag in eine erste Notsicherung des großen Saales. Er lud Stadträte zu einem Runden Tisch zur Zukunft des Hauses ein und bewirkte eine Sondersitzung des Stadtrates.

Und er entwickelte die Idee eines Verwaltungs-, Konferenz- und Kulturzentrum. An dieser Idee hat die Stadt bis heute festgehalten, und so sollen künftig der Hort von der Geschwister-Scholl-Straße, die Bibliothek und Teile der Stadtverwaltung – Bauamt, Familien- und Ordnungsamt sowie Archiv – ins Kulturhaus einziehen. Zudem ist der Umzug der Sächsischen Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung (SAKD) geplant. Diese befindet sich aktuell noch in der Bischofstraße, benötigt in Zukunft aber mehr Platz für Erweiterungen.

„Um die Wirtschaft in der Stadt zu fördern, muss Infrastruktur gefördert werden. Darum ist dieses Projekt so wichtig“, meint Steffen Thiele, und Ulrich Käppler ergänzt: „Wir wollen unbedingt den großen Saal erhalten. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal und wird Bischofswerda auch über die Stadtgrenzen hinaus wieder als Veranstaltungsort bekannt werden lassen.“

Beschluss: Stadt finanziert Kaufpreis vor

Rund 16,2 Millionen Euro wird die Sanierung – inklusive des Kaufes – kosten. Zu 90 Prozent wird das Vorhaben durch das Strukturstärkungsgesetz des Bundes für Kohleregionen gefördert. „Das ist eine einmalige Chance“, findet Toralf Käppler.

Diese Chance hat der Stadtrat nun genutzt und auf seiner Sitzung vor Weihnachten die Vorfinanzierung des Kaufs beschlossen. Die Kosten beziffert die Stadtverwaltung auf rund 1,2 Millionen Euro. Dafür werden die bereits in den Haushaltsjahren 2021 bis 2025 vorgesehenen Eigenmittel eingesetzt, heißt es in der Beschlussvorlage, der von 19 Stadträten 15 zustimmten. Außerdem gab es drei Enthaltungen und eine Gegenstimme.

Damit gehört das Gebäude künftig wieder der Stadt. Den Kaufpreis erhält sie später über Fördermittel zurück. Dieses Prinzip sei laut Oberbürgermeister Holm Große (Freie Wähler) gängige Praxis.

Bauarbeiten beginnen frühestens 2023

Doch bis am Kulturhaus die ersten Baumaßnahmen stattfinden, müssen zunächst noch einige Planungsschritte vorangetrieben werden. Unter anderem ist zu klären, wie die einzelnen Räume unter den verschiedenen Nutzern genau aufgeteilt werden sollen. Das ist derzeit noch nicht klar.

Bisher gibt es dazu nur ein aktuelles Flächenmodell. So sollen ins ehemalige Restaurant Bibliothek und Ämter einziehen. Im Flügel Richtung Geschwister-Scholl-Straße ist geplant, dass unten der Hort und direkt darüber die SAKD ein neues Domizil finden. Und an der Bühne im hinteren Teil der Gebäude soll, wie bereits in der Vergangenheit, Platz für kulturelle Veranstaltungen sein.

Ein weiterer Schritt ist die Ausschreibung der Planungsleistungen. Diese muss aufgrund der hohen Investitionssumme europaweit stattfinden. Mit einem Baubeginn ist somit nicht vor dem ersten Quartal 2023 zu rechnen. Steffen Thiele ist dennoch zufrieden mit der bisherigen Entwicklung: „Niemand wollte das Gebäude haben, weil es Geld kostete und sich nicht getragen hat. Wir wollten deshalb Strukturen schaffen, die es uns erlauben, die Kultur zu tragen. Das haben wir nun gemeinsam mit allen Beteiligten geschafft.“