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Darum braucht Neukirch mehr Hortplätze

Im Ort gibt es kaum noch freie Plätze. Das will die Gemeinde dagegen tun.

In der Lessingschule Neukirch bietet das DRK seine Hortbetreuung an. Weitere Plätze sollen hier zumindest übergangsweise entstehen.
In der Lessingschule Neukirch bietet das DRK seine Hortbetreuung an. Weitere Plätze sollen hier zumindest übergangsweise entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) wird am Mittwoch wohl erneut betonen müssen, was er in den vergangenen Wochen gesagt hat: Die Gemeinde Neukirch weiß um den Bedarf an Hortplätzen und deren Mangel. Das haben die Neukircher bei der Einwohnerversammlung Ende September gehört und auch die Eltern bei der Schulkonferenz Anfang Oktober.

Im Hauptausschuss des Gemeinderates an diesem Mittwoch könnte das Thema erneut zur Sprache kommen, denn Einwohnerfragen stehen als erster Punkt auf der Tagesordnung - und der Elternrat der Kita Querx Valentin hat Betroffene dazu aufgerufen, dort ihre Fragen zu stellen. „Es geht darum, Gesicht zu zeigen, klarzumachen, wo das Problem liegt, und die Gemeinde zu fragen, was sie tut. Denn es gibt zu wenig Hortplätze“, sagt eine Elternrätin gegenüber Sächsische.de.

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Aktuell gibt es 162 Grundschüler in Neukirch. Die beiden Horte in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Volkssolidarität (Kita Querx) verfügen zusammen über 156 Plätze. Nun benötigt nicht jedes Kind einen Hortplatz, aber viel mehr Kinder dürften es auch nicht sein. Die 90 Plätze des DRK-Hortes sind belegt. Bei der Volkssolidarität sind derzeit fünf der 66 Plätze frei.

Beratungsfirma soll Lösungen finden

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde mitgeteilt, wie es bei dem Thema weitergehen soll, denn schließlich seien „die Kapazitäten begrenzt, und es wird kritisch“, sagte Bauamtsleiterin Cornelia Würz-Lehmann. Man wisse, dass Übergangslösungen nicht mehr ausreichen werden. In der Sitzung hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen, eine „Wirtschaftlichkeits- und Standortanalyse der Kinderbetreuungseinrichtungen“ von einem Dresdener Beratungsunternehmen durchführen zu lassen. Gleiches gilt für die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde, was ebenfalls im Auftrag für die Analyse über rund 30.000 Euro enthalten ist.

Ergebnisse erwarte man in rund sechs Monaten. Ob dann ein Neubau, die Nutzung eines bestehenden Gebäudes oder andere Empfehlungen gegeben werden, sei noch unklar. Das Beratungsunternehmen habe in der Vergangenheit aber Kommunen bei solchen oder ähnlichen Fragen weiterhelfen können.

Bürgermeister Jens Zeiler rechnet mit möglichen Lösungen, auf die man aus „Betriebsblindheit“ selbst vielleicht nicht kommen würde. In der Beschlussvorlage heißt es, dass es zwar keinen Rechtsanspruch auf Hortplätze gibt, dies aber so interpretiert werde. Petra Goldberg-Hübner, Amtsleiterin für Finanzwesen, sagte in der Gemeinderatssitzung: „Wir wollen es nicht auf einen Rechtsstreit ankommen lassen.“ Bis langfristige Lösungen gefunden sein werden, komme aber nur eine weitere Doppelnutzung von Klassenräumen in der Grundschule infrage. 

Doppelnutzung von Räumen in der Schule

Da das DRK seinen Hort in den Räumen der Schule anbietet, ist es mit dieser möglichen Erweiterung konfrontiert, bestätigt Kreisgeschäftsführer Peter Mark. „Die Erweiterung wurde zwischen dem DRK und der Gemeinde Neukirch besprochen und beantragt. Die praktische Umsetzung ist auf dem Weg der Prüfung.“

Ihm sei klar, dass „von Doppelnutzung nie jemand begeistert“ sei, da sich die Kinder nach der Schule im Hort auch erholen sollen. Jetzt sei aber zunächst eine Erweiterung der bestehenden Übergangslösung geplant, sie hänge noch von der Genehmigung ab.

Entwickelt sich die Anzahl der Schüler so weiter wie in den vergangenen Jahren, werden Übergangslösungen allein nicht reichen. An Neukirchs Grundschule laufen alle vier Klassen zweizügig. Während es derzeit 33 Viertklässler gibt, steigt die Zahl in den nachfolgenden Klassen: 39 Schüler sind es in den dritten, 43 in den zweiten und 47 in den beiden ersten Klassen. Im Schnitt kommen rund vier Schüler pro Klassenstufe nicht aus Neukirch, sondern aus umliegenden Orten.

Rund 40 neue Schüler pro Jahr

Die Zahl der künftigen Grundschüler in Neukirch allein an den Einwohnern festzumachen, greife also zu kurz. In der Gemeinde zählte das Statistische Landesamt zum Jahresende 116 Kinder zwischen drei und sechs Jahren und 124, die jünger als drei Jahre waren. Alles Kinder, die irgendwann auch in die Schule gehen. Die Bedarfsplanung der Gemeinde geht derzeit für die Schuljahre 2022/23 bis 2026/27 von jeweils 35 bis 41 neuen Schülern aus.

Dazu kommen geplante, wenn auch noch nicht fertig gebaute Ein- und Mehrfamilienhäuser am Schenkenweg oder der Poststraße. Sollte das neue Einwohner mit Kindern nach Neukirch locken, steigt auch der Bedarf an Hortplätzen, zumindest theoretisch.

Ganz praktisch sieht das auch der zweite Hort-Träger in Neukirch, die Volkssolidarität, so. Konnte man für die Jahre 2016 bis 2020 von durchschnittlich 50 Hortkindern ausgehen, zeige sich ab dem laufenden Schuljahr eine steigende Tendenz, erklärt Marlies Eichler, Ressortleiterin für Kinder- und Jugendarbeit. „Dieser Trend wird in den kommenden Jahren beibehalten.“ In der Kita Querx Valentin werde es aber keine weiteren Plätze geben, da „eine weitere Erhöhung der Kapazität derzeit nicht möglich“ sei, ohne gesetzliche Vorgaben zu missachten.

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