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PLUS Familienkompass 2020 Bischofswerda

Hier helfen Nachbarn einander gern

Der SZ-Familienkompass zeigt: Die Einwohner von Burkau und Umgebung fühlen sich in ihren Dörfern wohl. Dazu tragen sie selbst viel bei.

Roland Maruschke ist einer derjenigen, die in Rammenau zu einer gut funktionierenden Nachbarschaft beitragen. Er und seine Frau kaufen für eine 83-Jährige ein.
Roland Maruschke ist einer derjenigen, die in Rammenau zu einer gut funktionierenden Nachbarschaft beitragen. Er und seine Frau kaufen für eine 83-Jährige ein. © SZ/Uwe Soeder

Rammenau. Wenn Roland Maruschke Einkäufe zum Haus trägt, dann sind das nicht immer die eigenen. Denn der 74-jährige Rammenauer und seine zwei Jahre jüngere Ehefrau Gisela kaufen mitunter auch für Nachbarin Luise Semmer ein, besorgen der 83-Jährigen etwas aus der Apotheke oder fahren sie zu Arztterminen nach Großharthau, Kamenz oder Burkau. Kein Problem. „Man will doch auch als Rentner noch etwas zu tun haben“, erklärt Roland Maruschke augenzwinkernd. Erst recht, wenn man noch so agil ist, wie er und seine Frau. 

Wen wundert es also, dass die Nachbarschaftshilfe nicht das einzige in Sachen Gemeinwohl ist, wofür sich Maruschkes engagieren. Wann immer eine helfende Hand gebraucht wird, bieten die Rammenauer Unterstützung an. Von April bis Oktober kümmert sich Gisela unter anderem um den gemeindeeigenen Garten am Alten Gefängnis, Ehemann Roland mischt beispielsweise eifrig im Heimatverein und beim Fasching mit. „Es macht Spaß, unter Leuten zu sein“, sagt er. 

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Am Wohnumfeld gibt es wenig Kritik

Mit einer intakten Nahbarschaft punkten die Gemeinden Burkau, Demitz-Thumitz, Frankenthal, Großharthau und Rammenau beim SZ-Familienkompass - der großen Umfrage zur Familienfreundlichkeit in Sachsen. Die Ergebnisse machen klar: Die große Mehrheit der Befragten in den fünf Dörfern fühlt sich grundsätzlich wohl und hat am Wohnumfeld weniger zu kritisieren, als die Menschen in anderen Regionen Ostsachsens. Die Auswertung zeigt: Die Punkte Wohnen und Nachbarschaft wurden auffällig positiv bewertet. 

Auch Maruschkes loben die intakte Nachbarschaft. Gleichzeitig sehen sie es aber auch als selbstverständlich an, dass man sich im Dorf gegenseitig unterstützt. „Da hilft jeder jedem“, sagen sie. In Rammenau menschelt es, wie man es sonst nur noch selten vorfindet. Wohl dem, der solche Nachbarn hat. Luise Semmer findet es super, dass sie Hilfe bekommt, wann immer sie welche braucht. Dabei wohnen Roland und Gisela Maruschke nicht einmal in unmittelbarerer Nachbarschaft, sondern etliche Straßen entfernt.

„Wir kennen uns eigentlich schon ewig“, erzählt der 74-Jährige. Und weil Luise Semmers Mann inzwischen nicht mehr Auto fährt, habe man eben angeboten, dass sie anrufen sollen, wenn Hilfe nötig ist. Ein Angebot, für das die 83-Jährige sehr dankbar ist. Denn oft ist ihr Sohn beruflich tagelang unterwegs. Auch andere Nachbarn würden gerne helfen, lobt die Seniorin. Und wenn sie im örtlichen Sparmarkt bei Frank Peterle einkaufen geht, bringt der Händler ihr schwere Sachen, wie Flaschen nach Hause, erzählt sie. Denn Luise Semmer geht seit ihrer Hüft-OP an einer Krücke. 

Sich dafür zu interessieren, wie es dem Nachbarn geht, ist vielerorts im ländlichen Raum gelebter Alltag. So auch in Großharthau. Bürgermeister Jens Krauße (SPD) kennt etliche Beispiele dafür, wie sich Menschen gegenseitig helfen. Da gibt es die frühere Lehrerin, die kostenlose Nachhilfe in Deutsch gibt; die einstige Geschäftsfrau, die sich um ein betagtes Ehepaar kümmert; oder die ehemalige Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung, die einen alleinerziehenden, im Schichtdienst arbeitenden Vater unterstützt, indem sie auf seine Kinder aufpasst. 

„Nachbarschaft wurde bei uns schon immer groß geschrieben“, so der Großharthauer Bürgermeister. Man helfe sich gegenseitig und profitiere von diesem Netzwerk. Und er weiß um einen weiteren Vorteil: Zudem würden Nachbarn als Sicherheitsnetz immer wichtiger. Zuverlässige Beziehungen und gut organisierte Nachbarschaftshilfe würden es nämlich vor allem Älteren ermöglichen, länger in der vertrauten Wohnung und Umgebung zu bleiben.

Jens Krauße genießt es, selbst auch in einer gut funktionierenden, intakten Nachbarschaft zu leben. Egal ob Katze füttern, Briefkasten leeren, Mülltonne rausstellen, Blumen gießen oder auf dem Grundstück nach dem Rechten schauen – man könne sich aufeinander verlassen und weiß beispielsweise auch im Urlaub die eigenen vier Wände bei den Nachbarn in guten Händen, erklärt er.

Intakte Nachbarschaft ist gut für die Gesundheit

Aber weder räumliche noch soziale Nähe allein sorgen für ein intaktes Wohnumfeld und gute Nachbarschaft. Das weiß auch sein Rammeneauer  Amtskollege Andreas Langhammer.  Dafür braucht es Menschen,  von denen man mehr weiß als den Namen auf dem Klingelschild, eine Gemeinschaft, die sich umeinander kümmert, sagt er. Dort, wo Menschen sich zusammentun, sich vor Ort engagieren, können sie Wohn- und Lebensqualität in ihrem Umfeld positiv beeinflussen. So wie Roland und Gisela Maruschke. „In Rammenau gibt es da ganz viel Engagement, so wie in vielen anderen ländlichen Gemeinden auch.“

Kein Wunder also, dass eine gute Nachbarschaft für viele Menschen inzwischen ein wichtiger Standortfaktor ist. Sie kann wie eine Familie sein, in der man sich sicher und geborgen fühlt. Zudem belegen wissenschaftliche Studien: Wenn man sich gut in seiner Nachbarschaft aufgehoben fühlt, wirkt sich das positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit aus.

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