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Juli-Hochwasser: Jetzt gibt es Geld für Betroffene

Viele Neukircher und Steinigtwolmsdorfer erlitten durch die Flut großen Schaden. Nun werden Spenden an sie verteilt. Doch wo bleiben die staatlichen Hilfen?

Von Timotheus Eimert
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Am 17. Juli 2021 verwandelte sich die Wesenitz in Neukirch - wie hier am Dammweg - in einen reißenden Fluss. Viele Grundstücke wurden überflutet. Jetzt erhalten die Betroffenen Spendengelder.
Am 17. Juli 2021 verwandelte sich die Wesenitz in Neukirch - wie hier am Dammweg - in einen reißenden Fluss. Viele Grundstücke wurden überflutet. Jetzt erhalten die Betroffenen Spendengelder. © Archivfoto: Andreas Hultsch

Neukirch/Steinigtwolmsdorf. Fast vier Monate sind seit dem 17. Juli schon vergangen. Doch an jenen Sonnabend erinnern sich viele Menschen in Neukirch und Steinigtwolmsdorf noch sehr genau. Damals regnete es in Strömen, die Felder um Neukirch und Steinigtwolmsdorf waren innerhalb weniger Stunden komplett überflutet, das Klärwerk durch die Wassermassen völlig überfordert. Und die sonst so beschauliche Wesenitz trat über die Ufer, verwandelte sich in einen reißenden Fluss.

Das Wasser drang in etliche Häusern ein, die nun saniert werden müssen. Auch die Inneneinrichtung ist zu erneuern. Die Betroffenen sind auch auf fremde Hilfen angewiesen. Allein in Neukirch ist ein Schaden von über zehn Millionen Euro entstanden, davon ein Großteil im privaten Bereich. In Steinigtwolmsdorf sind es acht Millionen Euro und über 100 betroffene Haushalte, vor allem direkt in Steinigtwolmsdorf und im Ortsteil Ringenhain.

In Neukirch wurden über 18.600 Euro gespendet

Beide Gemeinden hatten sich deswegen direkt nach dem Hochwasser dazu entschieden, jeweils ein Spendenkonto einzurichten. Das dort eingegangene Geld soll nun demnächst an die vom Hochwasser betroffene Haushalte verteilt werden. In Neukirch sind nach Angaben von Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) zum jetzigen Zeitpunkt 18.621,20 Euro zusammengekommen.

„Für unsere Gemeinde ist das eine wahnsinnige Summe, die wir nun gern an die betroffenen Haushalte verteilen werden“, sagt er. Insgesamt 65 Privatpersonen, Firmen und Einrichtungen - sogar über die Landkreisgrenzen hinaus - hatten sich an der Spendenaktion beteiligt. „Und wir bekommen immer noch Spenden, aber wir möchten die Aktion jetzt beenden. Ich bedanke mich bei allen, die Geld für die vom Hochwasser betroffenen Menschen gespendet haben.“

Die Gemeinde will die eingegangenen Spenden schnellstmöglich an die Haushalte verteilen. "Damit es fair zu geht und jeder den gleichen Anteil erhält, müssen wir die Spendenaktion an dieser Stelle beenden“, erklärt der Bürgermeister.

Wer doch noch spenden möchte, der könne das für die 800-Jahr-Feier im kommenden Jahr tun.

Steinigtwolmsdorf berücksichtigt Schicksale

In Steinigtwolmsdorf wurde dagegen ein Gremium aus Bürgerinnen und Bürger gebildet, dass sich um die Verteilung der Spendengelder gekümmert hat. „Es ist eine vierstellige Summe herausgekommen“, verkündet Bürgermeisterin Kathrin Gessel (CDU) stolz. Dieses Geld soll nun wie in Neukirch demnächst verteilt werden. „Dazu wurden Bescheide verschickt", berichtet Gessel. Von einem Großteil der Bürger, die Geld erhalten sollen, seien die entsprechenden Angaben wie Kontonummern auch schon zurückgesendet worden.

Welcher Haushalt wie viel Geld erhält, das hat laut der Bürgermeisterin das Gremium entschieden. „Dabei wurden auch soziale Gesichtspunkte und die persönlichen Schicksale berücksichtigt. Also vom Hochwasser stärker betroffene Haushalte bekommen auch mehr Geld“, erklärt sie.

Neukirch: Alle Antragssteller erhalten gleiche Summe

In Neukirch erhält dagegen jeder Antragsteller den gleichen Betrag, unabhängig der tatsächlichen Schadenshöhe. Das wurde im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung am 29. September beschlossen. „Es ist für die Verwaltung einfach nicht möglich, sämtliche Angaben der Bürger zu ihren Hochwasserschäden im Einzelfall zu überprüfen“, sagt Jens Zeiler. Überprüft wurde seitens der Gemeinde aber, dass sich das jeweilige Grundstück auch in den Bereichen der Überflutungen befand.

„Wir vertrauen dabei auch auf die Bürger, dass sie die Anträge ehrlich ausgefüllt haben“, sagt Zeiler. Insgesamt habe es 67 Antragssteller gegeben. Das heißt, dass nach derzeitigem Stand jeder rund 278 Euro erhält. „Das ist zwar nur eine kleine Summe, die aber hoffentlich trotzdem weiterhilft.“

Hochwasser-Hilfen kommen frühestens im Frühjahr 2022

Weiterhelfen würden auch die Hochwasser-Hilfen von Bund und Länder. Mitte September hatten Bundestag und Bundesrat die langfristige Unterstützung für den Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe – insbesondere in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ­ – beschlossen. Bis zu 30 Milliarden Euro sollen in die vom Hochwasser geschädigten Regionen fließen. Sachsen soll nach Informationen der Bundesregierung rund 144 Millionen Euro erhalten.

Doch bis das Geld an betroffene Gemeinden wie Neukirch und Steinigtwolmsdorf ausgezahlt wird, dauert es sehr wahrscheinlich noch bis zum ersten Quartal 2022. Denn die Antragsfrist für die Hochwasser-Hilfen wurde bis zum 15. Dezember 2021 verlängert. „Damit die Betroffenen mehr Zeit haben, um die notwendigen Meldungen, Prüfungen und Vorlagen vorzunehmen, wurden die Fristen inzwischen verlängert“, heißt es seitens des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, das für die Vergabe der Gelder zuständig ist.

Ursprünglich sollten die Gemeinden das Geld zum 31. Oktober beantragen und dann zeitnah erhalten. Die längere Antragsfrist kam Neukirch nun zugute. „Wir haben am Montag die letzten Anträge abgeschickt und mussten dafür auch einige Nachtschichten einlegen“, sagt Neukirchs Bürgermeister. „Wir hoffen nun, auf eine zügige Bearbeitung, damit auch dieses Geld schnell ausgezahlt werden kann.“