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Neukirchs erster Weinbrand ist fertig

In der Brennerei der Familie Lindner sind aus der gleichen Basis zwei unterschiedliche Sorten entstanden – bei einem abenteuerlichen Experiment.

Steffen Lindner hat nach acht Jahren Lagerung den ersten Weinbrand der Schusterlieb’s-Brennerei aus Neukirch abgefüllt.
Steffen Lindner hat nach acht Jahren Lagerung den ersten Weinbrand der Schusterlieb’s-Brennerei aus Neukirch abgefüllt. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Na, welche Unterschiede erkennen Sie? Wer sich dem neuesten Produkt der Schusterlieb’s-Brennerei aus Neukirch nähert, könnte da schon etwas ahnen. Aber nicht nur in der Farbe, auch im Geschmack unterscheiden sich die Weinbrände des Ehepaars Ramona und Steffen Lindner.

Im neuen Paket verkaufen die beiden die Weinbrände „Zu Hause geblieben“ und „Kopenhagen und zurück“, je in Flaschen mit 0,2 Litern Inhalt. Deren Herstellung hat bereits 2013 mit einer Fahrt über die Ostsee begonnen. „Mein Mann hatte gerade die Brennerausbildung abgeschlossen. Der Segeltörn von Greifswald nach Kopenhagen und zurück war die Belohnung dafür“, sagt Ramona Lindner.

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Segeltörn mit einem Fass Weinbrand

Und da sei das Experiment mit dem Weinbrand entstanden, erinnert sich Steffen Lindner. „Die Segeltruppe hatte mir damals einen Platz angeboten. Da hatte ich die Idee, ein Fass mit dem Weinbrand mitzunehmen und eins zu Hause zu lassen, um zu testen, welchen Unterschied das ausmacht.“

Das Fass wurde vom Zoll verplombt und mit entsprechenden Begleitpapieren versehen, da man es sonst hätte gar nicht ein- und wieder ausführen dürfen. „Durch die Bewegung auf dem Boot ist er um ein Drittel dunkler als der andere und er hat auch mehr Geschmack bekommen. Das hat sich gehalten“, sagt Steffen Lindner.

Der Farbunterschied sei schon unmittelbar nach dem Segeltörn zu sehen gewesen. Im Jahr darauf fand die erste Probeverkostung mit einigen Segelteilnehmern statt und stieß dort auf große Begeisterung.

400 Liter Rotwein für 40 Liter Weinbrand

Bei der Ausbildung hatte Steffen Lindner einen fränkischen Winzer kennengelernt. Von ihm stammt der Rotwein, aus dem der Weinbrand entstanden ist. Ihn benutzen auch die Winzer zum Brennen, erklärt Steffen Lindner. Für die 100 Pakete mit je zwei Flaschen Weinbrand habe er 400 Liter Rotwein gebraucht.

Es ist der erste Weinbrand in der Geschichte der Neukircher Brennerei, die bislang etwa für Getreide-, Bier und Obstbrände, Whisky oder Liköre nicht nur bekannt, sondern auch mehrfach ausgezeichnet worden ist.

„Zuerst wird der Wein destilliert und dann in Eichenfässer gefüllt. Dort muss er mindestens ein halbes Jahr lagern, vorher ist es kein Weinbrand, sondern Branntwein,“ führt der Neukircher Brennmeister aus. „In der Regel benutzt man für Weinbrand Eichenfässer. Dadurch entstehen Vanilletöne und sie sind auch gut für die Lagerung geeignet, weil wenig Flüssigkeit austritt“, fügt Steffen Lindner hinzu.

Lagerung in Eichenfässern für neun Monate

Bei ihm sei es aber Spessarteiche gewesen. „Weinbrand muss in Holzfässern gelagert werden, sonst ist es kein Weinbrand“, erklärt er. Das Umfüllen in einen Behälter aus Edelstahl passiere frühestens nach dem halben Jahr Mindestlagerung im Holzfass. Beim Neukircher Weinbrand sei es ein dreiviertel Jahr gewesen. Je länger der Weinbrand reife, umso milder werde er. Abhängig sei das aber auch immer vom jeweiligen Wein, der als Grundlage dient.

Und wann der Weinbrand fertig ist, merkt man auch beim Probieren. „Man kostet hin und wieder mal. Wir hatten uns vorgenommen, ihn wenigstens fünf Jahre zu lagern. Dass es jetzt acht geworden sind, liegt auch daran, dass wir es einfach nicht eher geschafft haben“, sagt Steffen Lindner.

Die ersten Päckchen sind auch schon weg. „Die Segler waren natürlich die ersten, denen wir den Weinbrand angeboten haben, aber rund 90 Pakete haben wir noch“, sagt Ramona Lindner. Ihren Kunden empfehlen die Linderns nun, selbst auf Geschmacksreise zu gehen und über die beiden Weinbrände zu philosophieren.

Verkostung in fünf Schritten

Dazu soll es auch eine kleine Anleitung für die Verkostung geben. „Da geht es zuerst um den Geruch, dann um den Geschmack, die Farbe, den Abgang und zu welchen Speisen der Weinbrand passt“, erklärt Ramona Lindner.

Da in der Schaubrennerei coronabedingt noch keine Veranstaltungen wie Verkostungen oder das Mostfest stattfinden dürfen, müssen Liebhaber oder Entdecker von Weinbränden erstmal zu Hause probieren. Deswegen hat Ramona Lindner auch noch nichts Konkretes für 2021 geplant. Das will sie erst tun, wenn es Sicherheit dafür gebe.

An Arbeit mangele es aber nicht. Zum Beispiel sind in den vergangenen Wochen neue Bierbrände entstanden. „Vor Kurzem haben wir mit Berlinern zusammengearbeitet, die Craft-Biere herstellen, aber für ihre Getränke zurzeit zu wenig Absatz hatten. Wir haben daraus dann verschiedene Bierbrände destilliert“, führt die Neukircherin aus.

Die bekommt man im Hofladen an der Bautzener Straße, der ganz regulär geöffnet hat, da er zu den Lebensmittelgeschäften zählt. Hier gibt es ja nicht nur Liköre und Brände, sondern auch Kaffee oder Honig. „Darum gibt es in der Brennerei auch trotz Corona genug zu tun. Wir füllen ab, verpacken und verkaufen“, erklärt Ramona Lindner – nun auch den ersten Weinbrand des Hauses.

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