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Rammenau: Umbau der Fichteschule soll 2022 starten

Die Gemeinde plant seit Längerem, in dem Haus ein besonderes Betreuungskonzept für Kinder und Senioren umzusetzen. So geht es nun weiter.

Von Timotheus Eimert
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In der ehemaligen Fichteschule von Rammenau sollen künftig Senioren und Kinder gemeinsam den Tag verbringen. Bürgermeister Andreas Langhammer hofft, dass der Umbau im nächsten Jahr starten kann.
In der ehemaligen Fichteschule von Rammenau sollen künftig Senioren und Kinder gemeinsam den Tag verbringen. Bürgermeister Andreas Langhammer hofft, dass der Umbau im nächsten Jahr starten kann. © Steffen Unger

Rammenau. Die Idee ist bisher einmalig im Kreis Bautzen: In Rammenau sollen künftig Kindergartenkinder und Senioren ihren Tag gemeinsam unter einem Dach verbringen können. Die Gemeinde plant eine Alterswohngemeinschaft und Tagespflege in der alten Fichteschule - direkt neben dem Kindergarten Spatzennest. Dafür muss das marode Gebäude energetisch saniert und barrierefrei umgebaut werden. Pläne dafür existieren bereits seit einigen Jahren und nehmen seit vorigem Jahr konkrete Formen an.

Nach derzeitigem Planungsstand soll der Umbau der Fichteschule 1,98 Millionen Euro kosten. Vor einem Jahr rechnete man noch mit 1,8 Millionen Euro. „In der Zwischenzeit ist viel passiert“, sagt Rammenaus Bürgermeister Andreas Langhammer (parteilos). „Die Baupreise sind gestiegen, weshalb das Vorhaben natürlich mehr Geld kosten wird.“

Einzug wahrscheinlich erst 2024

Möglich sei das Projekt nur durch Nutzung von Fördergeldern. Es werde zu 90 Prozent durch das Strukturstärkungsgesetz des Bundes, der jetzt seine Zusage gegeben habe, gefördert. Zehn Prozent müsse die Gemeinde selbst beisteuern. Das sind nach jetzigem Planungsstand 198.000 Euro. „Dieses Geld haben wir bereits in unserem Doppelhaushalt eingeplant“, sagt Langhammer.

Auch Baugenehmigung, Brandschutzkonzept und Denkmalschutzplan seien bereits vorhanden. Aber die Bauleistungen müssten noch ausgeschrieben und die Vergabe durch den Gemeinderat bestätigt werden. Deshalb werde der Baustart erst gegen Ende des kommenden Jahres erfolgen können. „Das ist unser Ziel“, betont Andreas Langhammer.

Da viele Arbeiten im Innenbereich der ehemaligen Schule erfolgen müssen, könne aber auch über den Winter gebaut werden. Ursprünglich sollten die Alterswohngemeinschaft und die Tagespflege bis Ende 2022 in das sanierte Gebäude einziehen. Unter anderem durch Corona habe sich das Vorhaben aber immer weiter verzögert.

Neun kleine Wohnungen für eine Alters-WG

So wird der Einzug nun erst im Frühjahr 2024 möglich sein. Dann sollen 15 Menschen in der Tagespflege betreut werden. Dafür entstehen acht neue Arbeitsplätze. Vor allem der Innenbereich der Fichteschule wird dafür umgebaut. „Die Fassade steht dagegen unter Denkmalschutz und muss erhalten bleiben“, führt Langhammer aus. Ein Fahrstuhl und eine Feuertreppe würden deshalb auf der Rückseite des Gebäudes gebaut. Außerdem müsse das Dach saniert werden. Im oberen Geschoss und im Dachboden sollen insgesamt neun Wohnungen mit Größen zwischen 20 und 30 Quadratmetern entstehen.

Dort können dann Senioren in einer Alters-WG zusammenwohnen, hätten aber immer noch einen privaten Rückzugsraum. „Es wird eine Art betreutes Wohnen sein. Die Senioren können selbstbestimmt ihren Tag gestalten, aber wenn sie später einmal Hilfe benötigen, dann können sie diese durch die Tagespflege auch bekommen“, erklärt Langhammer.

Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. „Bei uns in der Gemeinde wohnen viele ältere Menschen, die gern im Ort bleiben würden“, sagt der Bürgermeister. Rund ein Drittel der Einwohner, konkret 340 von 1.054, sei über 65 Jahre alt. „Viele werden früher oder später auf Hilfe angewiesen sein. Meist müssen sie dann in ein Seniorenheim nach Bischofswerda oder Bautzen ziehen. Das wollen wir verhindern und ihnen ein Angebot machen.“

Idee entstand durch eine Fernsehsendung

Per Ausschreibung soll ein Träger für die Tagespflege gesucht werden. „Dort wollen wir als Gemeinde auch unsere Wünsche einfließen lassen“, betont Langhammer. Unter anderem soll die Zusammenarbeit mit der Kita festgeschrieben werden. „Wir wollen, dass eine Gruppe aus der Kita ihren Tagesablauf gemeinsam mit den älteren Menschen in der Tagespflege bestreitet.“

Diese Idee sei seiner Partnerin durch die Fernsehsendung „Wir sind klein und ihr seid alt“ gekommen. Dort wird gezeigt, wie Kinder ihren Vormittag in einem Seniorenheim verbringen. Sie basteln und spielen zusammen mit den Bewohnern und unternehmen gemeinsam Ausflüge. Die erste Staffel der Doku strahlte der Sender Vox 2019 aus, die zweite folgte ein Jahr später. 2020 wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Sowohl am Anfang als auch am Ende wurden die beteiligten Kinder und Senioren medizinisch und psychologisch untersucht. Das Ergebnis: Bei beiden Gruppen wirkten sich die gemeinsamen Erlebnisse positiv aus. Bei den Senioren verbesserte sich nach kurzer Zeit der körperliche wie auch emotionale Gesundheitszustand. Die Kindergartenkinder konnten durch den Kontakt zu den Rentnern Sprache, Informationsaufnahme und Sozialverhalten weiterentwickeln.

„Deswegen sollen Tagespflege und Kindergarten zusammenarbeiten. Ich erhoffe mir solche Effekte auch für unsere Kinder und Senioren“, sagt Andreas Langhammer.