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Rammenau: Senioren-WG und Kita unter einem Dach

Die Gemeinde will ein besonderes Wohnkonzept für ältere Menschen umsetzen. Auf die Idee kam der Bürgermeister durch eine Fernsehsendung.

In der ehemaligen Fichteschule in Rammenau soll bis Ende 2022 ein Seniorenwohnprojekt entstehen. Dort können die Senioren dann täglich etwas mit Kindern der Kita Spatzennest unternehmen.
In der ehemaligen Fichteschule in Rammenau soll bis Ende 2022 ein Seniorenwohnprojekt entstehen. Dort können die Senioren dann täglich etwas mit Kindern der Kita Spatzennest unternehmen. © SZ/Uwe Soeder

Rammenau. Es ist in jedem Fall eine außergewöhnliche Idee: Kindergarten und Seniorenwohnheim unter einem Dach. Im Landkreis Bautzen gibt es ein solches Projekt bisher nicht. Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn in Rammenau soll neben dem Kindergarten Spatzennest bis Ende 2022 eine Alterswohngemeinschaft sowie eine Tagespflege einziehen. Dafür will die Gemeinde die alte Fichteschule sanieren und umbauen.

In der Alters-WG sollen dann neun Senioren zu Hause sein. In der Tagespflege könnten 15 Menschen betreut werden. Entstehen soll auch ein großer Gemeinschaftsraum, den sowohl Senioren als auch die Kinder der Kita nutzen. „Wir wollen, dass die beiden Gruppen zusammenkommen und viele Dinge gemeinsam machen. So können sie gemeinsam singen oder basteln. Auch können die Senioren den Kindern vieles beibringen, nicht nur wie man Fußball spielt oder einen Schal strickt. Beide Gruppen können unglaublich viel voneinander lernen“, sagt Rammenaus Bürgermeister Andreas Langhammer (parteilos) voller Begeisterung.

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Fast jeder Dritte in Rammenau ist über 60

Die Idee, Kinder und Senioren unter einem Dach zusammenzubringen, ist dem 45-Jährigen mit seiner Lebensgefährtin vor gut einem Jahr gekommen. „Wir sind beim Durchzappen auf eine Fernsehsendung von Vox gestoßen. Dort haben Kinder ihren Vormittag im Seniorenheim verbracht. Das hat mir sehr gut gefallen. Da habe ich mir gedacht: Warum soll das nicht auch in Rammenau möglich sein?“, erzählt Langhammer.

In der Gemeinde kenne sowieso jeder jeden. „Viele ältere Menschen könnten dann tagsüber ihre eigenen Enkel, die in der Kita sind, sehen und etwas mit ihnen unter der Anleitung von Pädagogen und Pflegepersonal unternehmen. Das ist doch eine schöne Vorstellung.“ Ohnehin habe er schon länger überlegt, wie man die Senioren in der Gemeinde hält.

„In Rammenau sind rund 30 Prozent der Bevölkerung über 60 Jahre alt. Viele sind auf Hilfe angewiesen. Meist ziehen sie dann in ein Seniorenheim nach Bischofswerda oder Bautzen. Dies ist für viele ein großer Schritt, und durch die Entfernung entsteht Vereinsamung, was auch die aktuelle Situation unter Corona zeigt“, erklärt der Bürgermeister. „Wir wollen diesen älteren Menschen ermöglichen, bis zum Ende ihres Lebens bei uns in der Gemeinde zu wohnen. Wir wollen sie aber nicht einfach in ein Altersheim abschieben, sondern sie sollen auch teilhaben an der Gesellschaft ­– so wie das in der Fernsehsendung der Fall war.“

Fernsehsendung zeigt, wie es gehen kann

Die Sendung „Wir sind klein und ihr seid alt“ zeigt, wie zehn Kindergartenkinder Zeit mit zehn Senioren aus einem Altenheim verbringen. Sie basteln und spielen zusammen und unternehmen gemeinsam Ausflüge. Die erste Staffel der Doku strahlte Vox 2019 aus, die zweite folgte ein Jahr später. 2020 wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Für das sechs Wochen andauernde Projekt wurden die Senioren sowohl am Anfang als auch am Ende medizinisch und psychologisch untersucht. Die gemeinsamen Erlebnisse wirken sich positiv auf die Senioren aus. Bereits nach kurzer Zeit verbessert sich bei allen Teilnehmern der körperliche wie auch emotionale Gesundheitszustand.

Eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutin analysiert darüber hinaus, wie sich die Kindergartenkinder durch den Kontakt zu den Rentnern hinsichtlich Sprache, Informationsaufnahme und Sozialverhalten weiterentwickeln. Auch dabei sind die Ergebnisse durchweg positiv.

Wenn Kinder und Senioren den Tag gemeinsam verbringen, hat das viele Vorteile, findet Rammenaus Bürgermeister Andreas Langhammer. Er plant deshalb in seiner Gemeinde ein besonderes Projekt.
Wenn Kinder und Senioren den Tag gemeinsam verbringen, hat das viele Vorteile, findet Rammenaus Bürgermeister Andreas Langhammer. Er plant deshalb in seiner Gemeinde ein besonderes Projekt. © SZ/Uwe Soeder

„Die gesundheitlichen Effekte für die Kinder und die Senioren erhoffe ich mir auch von unserem Projekt“, sagt Andreas Langhammer. Er habe bisher nur positive Rückmeldungen auf die Idee bekommen. Auch die Gemeinderäte, die am Dienstag über die energetische Sanierung und die Umnutzung der Fichteschule beraten, hätten bereits ihre Zustimmung signalisiert. „Das Projekt wird vom Gemeinderat getragen, darüber bin ich sehr froh“, sagt der Bürgermeister.

Fichteschule: Umbau kostet 1,8 Millionen Euro

Den ersten Planungen zufolge wird der Umbau und die energetische Sanierung der Fichteschule insgesamt 1,8 Millionen Euro kosten. Mithilfe einer Förderung laut Strukturstärkungsgesetz des Bundes sollen die Maßnahmen finanziert werden. Zehn Prozent Eigenanteil muss die Gemeinde beisteuern. „Die 180.000 Euro haben wir bereits in unserer Gemeindekasse; wir hoffen nur noch auf die Förderung, die bereits im Dezember beantragt wurde“, sagt Andreas Langhammer.

Bis März soll es einen Vorentscheid geben. Laut Andreas Langhammer gibt es bisher bereits einige positive Signale, dass die Förderung auch genehmigt wird. „Wir haben unsere gesamte Planung schon gemacht. Eine Baugenehmigungen ist da, ebenso Brandschutzkonzept und Denkmalschutzplan. Wir könnten sofort loslegen.“ Die definitive Zusage werde aber erst im letzten Quartal dieses Jahres erwartet. Senioren und Kinder müssen sich also noch eine Weile gedulden.

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