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Hundetrainer: "Angst vor Böllerei immer ignorieren"

Wegen des Lärms ist Silvester für viele Hunde purer Stress. Ein Putzkauer hat Tipps, wie man Tieren in dieser Situation helfen kann. Zum Beispiel mit Eierlikör.

Von Timotheus Eimert
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Michael Glänzel aus Schmölln-Putzkau mit Hund Joshi: Als Hundetrainer weiß er, dass Böller und Raketen für viele Tiere Stress sind.
Michael Glänzel aus Schmölln-Putzkau mit Hund Joshi: Als Hundetrainer weiß er, dass Böller und Raketen für viele Tiere Stress sind. © Steffen Unger

Schmölln-Putzkau. In der Silvesternacht gehört ein Feuerwerk für die meisten Menschen einfach mit dazu, auch wenn es in diesem Jahr in Sachsen durch die Corona-Schutzverordnung größtenteils verboten ist. Für Hunde ist das Verbot sehr hilfreich, denn für sie sind laute Böller und heulende Raketen purer Stress. Der Putzkauer Hundetrainer Michael Glänzel erklärt im Interview mit Sächsische.de, was Tieren in Stresssituationen hilft und warum er dennoch gegen ein generelles Böllerverbot ist.

Herr Glänzel, Hunde haben Silvester oft Angst, wenn geböllert wird und Raketen fliegen. Ist ein Böllerverbot in Sachsen, dass aufgrund der Corona-Situation eingeführt wurde, auch aus diesem Grund richtig?

Da kann man geteilter Meinung sein. Die meisten Hundebesitzer stellen sich auf Silvester ein. Viele bleiben an diesem Tag zu Hause und sind einfach für den Hund da. Einige geben ihn auch zu Verwandten oder Bekannten, die abseits wohnen, wo man nicht so viel von der Knallerei mitbekommt.

Sie haben selbst drei Hunde. Haben diese Angst vor den Feuerwerkskörpern?

Eine Hündin ja. Bei ihr ist es wichtig, dass eine Person da ist. Sie zeigt zwar auch da Stressanzeichen, aber alles noch im Rahmen. Erst wenn sie allein ist, verfällt sie in Panik.

Gibt es Unterschiede zwischen Hunderassen, wie sie auf das Abbrennen von Raketen und Böllern reagieren?

Ja, die gibt es. Nicht jeder Hund hat Angst vor der Böllerei. Es gibt auch Hunde, denen es gar nichts ausmacht. Ein paar Rassen sind gegen die Geräusche bei Silvester sehr unempfindlich. Das sind vor allem Jagdhunderassen, weil diese schussfest sein müssen. Auf einen Gewehrschuss dürfen sie keine erheblichen Reaktionen zeigen.

Globuli, Tabletten oder Alkohol helfen dem Hund

Warum haben Hunde überhaupt Angst, wenn Feuerwerkskörper abgebrannt werden?

Es ist das Erschrecken nach einem Knall. Der Hund weiß nicht, woher das Geräusch kommt. Er kann es nicht zuordnen. Wenn zum Beispiel ein Auto eine Fehlzündung hat und es aus dem Auspuff knallt, dann erschrickt sich der Hund auch, hat aber gesehen, dass der Knall aus dem Auspuff kam. So hat der Hund eine Verknüpfung hergestellt. Bei Silvesterknallern oder bei Raketen kann er das nicht.

Auch wenn in Sachsen das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in diesem Jahr verboten ist, wird es sicherlich auch Menschen geben, die illegal Feuerwerk anzünden. Wie kann man die Hunde darauf vorbereiten, dass die Angst zumindest reduziert wird?

Viele Hundebesitzer fangen bereits Anfang Dezember an, den Hund mithilfe von Globuli und Bachblütenessenzen "herunterzufahren". Das sind keine Wundermittel, aber es hilft, den Hund zu beruhigen. Außerdem gibt es Tabletten, mit denen ich den Hund sedieren kann. Diese gibt man morgens, der Hund ist dann abends abgemeldet, kann nur noch laufen und Kot abgeben. Das sollte man seinem Hund aber nur geben, wenn er große Angst vor der Silvesterknallerei hat. Und dann gibt es noch ein Hausmittel, was ziemlich umstritten ist.

Das wäre?

Alkohol. Am besten lässt sich Eierlikör verabreichen. Wie viel man gibt, ist von der Größe des Hundes abhängig. Bei einem Labrador würde man einen Esslöffel geben.

Bereits im Welpenalter an Knallerei gewöhnen

Das hinterlässt keine bleibenden Schäden?

Alkohol wirkt beim Hund wie beim Menschen, wird auch genauso über die Leber abgebaut. Natürlich gibt es Menschen, die sagen, dass man dem Hund kein Alkohol geben darf. Deswegen ist das ein bisschen umstritten. Aber es funktioniert bei den meisten Hunden. Aber auch hier ist es abhängig davon, wie stark die Angst des Hundes ist.

Welche weiteren Maßnahmen gibt es?

Man kann die Hunde bereits im Welpenalter trainieren. Ich habe mir manchmal Silvesterknaller aufgehoben und sie über das Jahr in den Welpenspielgruppen gezündet. Die Hunde lernen so, dass auf den lauten Knall hin nichts passiert. Zwischen der achten und zwölften Woche ist der ideale Zeitraum, die Welpen mit der Silvesterknallerei vertraut zu machen. Sinnvoll ist diese Maßnahme auch bis zum sechsten Lebensmonat.

Ist das keine Tierquälerei?

Die Hunde reagieren unterschiedlich. Einige schauen vielleicht verängstigt, andere interessiert es nicht. Grundsätzlich schadet es dem Tier nicht. Im Gegenteil, je eher man das trainiert, desto besser sind die Hunde später auf solche Situationen eingestellt.

Menschen sollen sich unbeeindruckt zeigen

Kann man die Hunde nicht auch später noch an das Silvesterfeuerwerk gewöhnen?

Man sollte so zeitig wie möglich Hunde mit Umweltreizen konfrontieren. Das heißt auch, dass Menschen, die mit ihrem Hund auf dem Dorf wohnen, regelmäßig mit ihm in die Stadt fahren oder mit ihm an stark befahrenen Straßen spazieren gehen. Die Hunde müssen mit vielen Geräuschen konfrontiert werden.

Was raten Sie Hundebesitzern außerdem, wenn ihre Hunde Angst haben?

Angst immer ignorieren. Egal, wie ich versuche, den Hund zu beruhigen, ich mache es nur noch schlimmer. Indem ich ihm Aufmerksamkeit schenke, belobige sein Angstverhalten. Er wird beim nächsten Mal wieder so reagieren. Aber auch Schimpfen würde nur Stress hineinbringen. Wenn ich mich als Mensch unbeeindruckt zeige, mache ich dem Hund klar, dass die Situation völlig normal ist. Das ist das Beste, was ich machen kann.

Was halten Sie von einem generellen Feuerwerksverbot zu Silvester?

In Deutschland gibt es rund 6,2 Millionen Hunde und über 80 Millionen Einwohner. Wenn man sieht, wie viele Menschen nun davon beeinträchtigt wären, wenn sie Feuerwerk nicht mehr ausüben könnten, wäre ein generelles Böllerverbot nicht gerechtfertigt. Die meisten Hundebesitzer, die einen ängstlichen Hund haben, wissen, welche Vorkehrungen sie treffen müssen. Zudem ist es langjährige Tradition und betrifft nur einen Tag im Jahr.