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Schönbrunner retten Schloss-Geländer

Die Firma Metallbau und Kunstschmiede Aurin half, den Saal des Dresdner Schlosses in alter Schönheit erstrahlen zu lassen. Nun gehen die Mitarbeiter ins Gefängnis.

Steffen Aurin, Chef der gleichnamigen Kunstschmiede in Schönbrunn, und sein Team hatten kürzlich einen besonderen Auftrag zu bearbeiten. Sie restaurieren ein großes Geländer für das Dresdner Residenzschloss.
Steffen Aurin, Chef der gleichnamigen Kunstschmiede in Schönbrunn, und sein Team hatten kürzlich einen besonderen Auftrag zu bearbeiten. Sie restaurieren ein großes Geländer für das Dresdner Residenzschloss. © SZ/Uwe Soeder

Schönbrunn. Was haben das Dresdner Residenzschloss und die Bischofswerdaer Stadtapotheke gemeinsam? In beziehungsweise an beiden Gebäuden findet man Kunstschmiedearbeiten aus Schönbrunn. Während der schmiedeeiserne Ausleger in Form eines mit Mörser und Stößel beladenen Schiebocks, der am Montag an die Fassade der Apotheke angebracht wurde, ein relativ kleiner Auftrag war, handelt es sich bei dem 32 Meter langen, mit Rosetten und Ornamenten verzierten Galeriegeländer für den Schloss-Ballsaal um einen gigantischen. Ohne Zweifel die größte und prestigeträchtigste Aufgabe in der bisherigen Firmengeschichte.

Etwa 3.600 Arbeitsstunden standen dafür am Ende zu Buche, so Steffen Aurin, Chef des gleichnamigen Schönbrunner Metallbau und Kunstschmiede Unternehmens. 

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Dieser Ausleger schmückt seit Montag die Stadtapotheke in Bischofswerda. Er wurde von der Kunstschmiede Aurin aus Schönbrunn gefertigt.
Dieser Ausleger schmückt seit Montag die Stadtapotheke in Bischofswerda. Er wurde von der Kunstschmiede Aurin aus Schönbrunn gefertigt. © SZ/Uwe Soeder

„So einen Auftrag bekommt man nur einmal im Leben“, sagt der 32-Jährige. Die Ausschreibung für die Rekonstruktion des Geländers lief europaweit. Dass sie seine kleine sechsköpfige Firma gewann, habe nichts mit Zauberei zu tun, sondern mit knallharter Kalkulation, verrät der Firmenchef. „Wir kochen auch nur mit Wasser.“ Die besondere Herausforderung bestand darin, dass es von dem zu erstellenden Objekt außer Fotos und Textbeschreibungen nichts gab. „Das wurde im zweiten Weltkrieg alles zerbombt.“  

Der Großteil des Geländers bestand aus Gußteilen, erzählt der Metallbaumeister. Die Teile in Kunstgießereien anfertigen zu lassen, wäre viel zu kostspielig gewesen. Also fragte der Schönbrunner bei Industriegießereien an. Er wusste: „Die haben die modernere Technik und könne wirtschaftlicher arbeiten.“ 3.204 Teile wurden von den Schönbrunnern am Ende geschraubt, gesteckt, gelötet. Und jeder Arbeitsschritt akribisch dokumentiert. Auf insgesamt 200 Seiten. 

Sonderanfertigung in nie dagewesener Dimension

Eine Rekonstruktion in dieser Dimension hatten die Schönbrunner bis dato noch nie zu bewältigen. Kein Wunder, dass das Galeriegeländer in jeder Hinsicht aus dem üblichen Produktportfolio der Firma heraussticht. 7.200 Euro kostet jeder Meter dieser originalgetreuen Sonderanfertigung. „Und da ist die Vergoldung noch nicht dabei“, erklärt der Firmenchef. Zum Vergleich: Für ein gewöhnliches Geländer muss man 100 bis 300 Euro pro Meter berappen.

Das Ballsaal-Geländer sorgte aber auch dafür, dass die Firma Aurin bei Architekten mit ihrer zuverlässigen und hochwertigen Arbeit in Erinnerung blieb. Nachfolgeaufträge ließen deshalb nicht lange auf sich warten. Vor allem Aufträge der öffentlichen Hand – insbesondere von großen Bauunternehmen wie Hochtief. Sie machen inzwischen etwa zwei Drittel des gesamten Auftragsvolumens aus. Aurins liefern Handläufe, Balkonbrüstungen und Zäune für moderne Wohn- und Geschäftshäuser, die in Dresden inzwischen an jeder bebaubaren Ecke hochgezogen werden. So wie bei den Pfundshöfen, die zum Jahresende fertig werden. Anderthalb Jahre haben die Metallbauer dort „mit der vollen Mannstärke und dazu noch Zeitarbeitern zu tun“. Denn sie bekamen den Auftrag für alle Metallarbeiten. 

Und der nächste Großauftrag rückt schon in greifbare Nähe. Ab 1. Dezember wird die Firma Aurin den alten Zellentrakt der Justizvollzugsanstalt Zeithain auf aktuellen Standard bringen, beispielsweise Zellentüren instand setzen sowie Schlösser und Gittertüren erneuern. Auch da wartet jede Menge Arbeit. Zum Glück haben man auch Partner. „Wir arbeiten viel mit der Firma Max Aicher zusammen“, berichtet der Chef. Die übernehme häufig Laser- oder Kantarbeiten. Im Gegenzug helfen die Schönbrunner, wenn es bei Max Aicher mal mit den Kapazitäten eng werde.

Für Kreativmärkte bleibt keine Zeit mehr

Für Kunstschmiedearbeiten, wie sie die kleine Firma noch vor Jahren oft anbot, bleibt inzwischen kaum noch Zeit. Kurz nachdem der Euro kam, habe es wenig Arbeit für Handwerker gegeben, erinnert sich Steffen Aurin. Damals waren die Schönbrunner viel auf Märkten, wie der Messe Lebensart in Großharthau unterwegs. „Wir stellen fest, dass dort viele Leute gleich etwas mitnehmen wollen.“ Also hatten sie viel kreative und Individuelle Schmiedekunst im Gepäck. Doch seit gut vier Jahren, letztlich seit Steffen Aurin den Hut für die Firma auf hat, sei man auf keinem Markt mehr gewesen. Denn die randvollen Auftragsbücher lassen dafür keinen Raum.

Für Aufträge von Privatkunden nehme man sich aber trotz der Großprojekte Zeit. Selbst, wenn die Metallbauer eigentlich alle Hände voll zu tun haben. Denn auch diese Arbeiten mache er sehr gern, so Steffen Aurin. Dann könne es allerdings auch schon mal vorkommen, dass ein Kunde ein wenig warten muss. So war es auch bei der Bischofswerdaer Stadtapotheke. Als der Apotheker schließlich eine eindringliche Mail schrieb, habe er sich gesagt, jetzt muss das aber endlich mal werden und sich Zeit dafür freigeschaufelt, erzählt der Firmenchef und zeigt am Rechner stolz ein Foto des schmiedeeisernen Auslegers.    

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