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Neukirch: So viel kostet die Kita bald mehr

Weil die Betriebskosten steigen, müssen Eltern ab Januar höhere Beiträge zahlen. Vor allem bei Krippenplätzen ist der Anstieg heftig.

Mit Schaufel, Eimer und Bagger Im Sand spielen, das tun die Kinder auch in den Neukircher Kitas gern. Für ihre Eltern wird die Betreuung ab Januar allerdings teurer.
Mit Schaufel, Eimer und Bagger Im Sand spielen, das tun die Kinder auch in den Neukircher Kitas gern. Für ihre Eltern wird die Betreuung ab Januar allerdings teurer. © SZ/Uwe Soeder

Neukirch/Lausitz. Als die Zahlen präsentiert wurden, ging ein Raunen durch den Sitzungssaal der Neukircher Gemeindeverwaltung. Knapp 20 Eltern staunten über die möglichen neuen Beiträge, die sie für die Kinderbetreuung in Krippe, Kindergarten oder Hort künftig berappen sollten.

Das war vor drei Wochen, als die Mitglieder des Hauptausschusses darüber entscheiden sollten, welche Beschlussvorlage dem Gemeinderat vorgelegt werden soll. Letztlich folgten sie den Vorschlägen der Verwaltung, die sich angesichts gestiegener Betriebskosten gezwungen sah, bei den Elternbeiträgen an die jeweiligen Höchstgrenzen zu gehen.

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Bei der Gemeinderatssitzung an diesem Montagabend folgten zehn Räte sowie Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) dieser Beschlussvorlage. Außerdem gab es zwei Enthaltungen. Das bedeutet, dass Eltern in Neukirch ab dem 1. Januar monatlich für einen vollen Krippenplatz 50 Euro, einen vollen Kindergartenplatz 13 und für sechs Stunden Hort sieben Euro mehr zahlen müssen.

Eltern kritisieren die Erhöhung

Julia Hultsch, Vorsitzende des Elternrates der Kita „Zur kleinen Feuerwehr“, kritisiert vor allem die Erhöhung in der Krippe. Nach Rücksprache mit anderen Eltern gibt sie zu bedenken, dass eine Familie für neun Stunden Krippe dann 275 Euro zuzüglich Frühstück, Vesper und Mittagsverpflegung in Höhe von circa 80 Euro bezahlen müsse. „Das wird für alle Eltern sehr schwer zu bewältigen sein, zumal Corona für sehr viele Familien schon finanzielle Auswirkungen nach sich zieht.“

Das DRK betreibt die Kita "Zur kleinen Feuerwehr" in Neukirch. Die andere Kita im Ort gehört der Volkssolidarität. Weil an beiden Standorten laut Gemeinde vor allem die Personalkosten gestiegen sind, müssen Eltern ab 2021 mehr bezahlen.
Das DRK betreibt die Kita "Zur kleinen Feuerwehr" in Neukirch. Die andere Kita im Ort gehört der Volkssolidarität. Weil an beiden Standorten laut Gemeinde vor allem die Personalkosten gestiegen sind, müssen Eltern ab 2021 mehr bezahlen. © SZ/Uwe Soeder

Bereits im Hauptausschuss hat die Gemeindeverwaltung erklärt, dass die gestiegenen Betriebskosten von 2019 höhere Elternbeiträge zur Folge haben werden. Das liege vor allem an den höheren Löhnen für die Erzieher sowie an den geänderten Betreuungsschlüsseln in Sachsen. Beides sei richtig, habe aber seinen Preis. Dazu komme die angespannte Haushaltslage der Gemeinde. Von 2016 bis 2019 ist der jährliche Zuschuss der Gemeinde für die Kinderbetreuung von knapp 590.000 Euro auf rund 810.000 Euro gestiegen.

In der Begründung des Beschlusses heißt es, dass in der Vergangenheit Kommunen mit freien Trägern im Vorteil gewesen seien. So wie in Neukirch, wo das Deutsche Rote Kreuz und die Volkssolidarität die Kinderbetreuung innehaben, weil „die Gehälter des pädagogischen Personals unter dem Tarif des öffentlichen Dienstes lagen“. Die freien Träger müssten aber nun auch mehr zahlen, um noch genügend und gutes Personal zu finden.

Gemeinde setzt die Höchstsätze an

Aus diesen Gründen komme man nicht umhin, für 2021 die jeweiligen Höchstsätze für die Betreuungsplätze von den Eltern zu verlangen. In der Krippe sind das 23 und in Kindergarten sowie Hort jeweils 30 Prozent der Kosten.

Die Gemeinderäte Bernd Harig und Karl Lehmann (beide CDU) merkten im Ausschuss an, dass eine Erhöhung nicht schön und die Situation schwierig sei, aber es wohl keine andere Lösung gebe. Bürgermeister Jens Zeiler stimmte dem zu. „Wir können nicht über unseren Schatten springen.“

Elternrätin Julia Hultsch war vor drei Wochen ebenfalls in der öffentlichen Hauptausschuss-Sitzung. Dort ging es auch um die Zukunft der Hortplätze. Diese sind derzeit und vor allem fürs nächste Schuljahr so knapp, dass in der Lessingschule Zimmer doppelt genutzt werden müssen: als Klassen- und als Hortzimmer.

„Wenn die Plätze teurer werden, sollte die Gemeinde auch sicherstellen, dass es genug gibt“, fordert die dreifache Mutter. Dass einerseits die Doppelnutzung zumindest als vorübergehende Lösung im Hort herhalten muss, aber andererseits die Elternbeiträge dafür erhöht werden, komme bei den Eltern nicht gut an.

Beschluss bereits für 2022 gefasst

Der Gemeinderat hat noch einen zweiten Beschluss zum Thema Elternbeiträge gefasst. Der Bürgermeister will damit ein „Zeichen an die Eltern senden, dass wir sie unterstützen“. Wie andere Kommunen wolle man „Kontinuität und Planungssicherheit schaffen“ und deshalb die prozentualen Anteile der Elternbeiträge für 2022 bereits jetzt festlegen.

Demnach werden Eltern in Neukirch übernächstes Jahr an den Betreuungskosten in der Krippe mit 22 statt 23 und in Kindergarten und Hort mit je 29 statt 30 Prozent beteiligt. Auch dieser Vorlage stimmten zehn Räte und Bürgermeister Jens Zeiler zu, bei je einer Gegenstimme und Enthaltung.

Dennoch werden die Eltern 2022 wahrscheinlich erneut mehr für die Kinderbetreuung bezahlen müssen - trotz Senkung der prozentualen Anteile. Denn laut der voraussichtlichen Haushaltsplanungen der freien Träger werden die Betriebskosten weiter steigen. Die Gemeinde Neukirch geht derzeit davon aus, dass dies für die Eltern pro Kindergartenplatz maximal drei Euro ausmachen wird. Bei Krippe und Hort sei es weniger.

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