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Was wird aus dem Dürren Fuchs?

Das ehemalige Gasthaus an der B 6 in Schmiedefeld steht seit Jahren leer und verfällt. Jetzt waren dort Bauarbeiter zugange. Ein Hoffnungsschimmer?

Seit etlichen Jahren steht das direkt an der B 6 bei Schmiedefeld gelegene ehemalige Gasthaus "Dürrer Fuchs" leer und ist dem Verfall preisgegeben.
Seit etlichen Jahren steht das direkt an der B 6 bei Schmiedefeld gelegene ehemalige Gasthaus "Dürrer Fuchs" leer und ist dem Verfall preisgegeben. © Steffen Unger

Großharthau. Das ehemalige Gasthaus "Dürrer Fuchs" an der B 6 bei Schmiedefeld bietet ein trauriges Bild. Der Putz blättert von den Wänden, ein großes Graffiti verdeckt das Wandgemälde an der Fassaden-Vorderfront, die Eingangstür ist vernagelt, blinde Fenster potenzieren die Trostlosigkeit, und auf dem Vorplatz wuchert Unkraut aus jeder Ritze. 

Könnte es mit dem stetigen Verfall bald vorbei sein? Dieser Tage sieht man im Vorbeifahren immer wieder Bauarbeiter, die dort hantieren. Doch die Hoffnung, dass das traditionsreiche Areal wieder zum Leben erweckt wird, erfüllt sich nicht. Dort werde zwar gearbeitet, so Großharthaus Bürgermeister Jens Krauße (SPD). Allerdings nicht am Gasthaus, sondern am Breitbandausbau. Das bestätigt auch Bauamtsleiterin Evelin Opitz. 

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Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Immobilienbesitzer hält sich bedeckt

Was aus dem historischen Gebäudeensemble mal wird, weiß in der Verwaltung niemand. Denn die Immobilie gehört nicht der Gemeinde, sondern einem Arnsdorfer Geschäftsmann. Der hält sich bedeckt, antwortet auf eine E-Mail-Anfrage von Sächsische.de bezüglich seiner Pläne für das Objekt nicht. Beim Nachhaken am Telefon erklärt eine Mitarbeiterin, er habe keine Zeit, die Fragen zu beantworten.

Schon seit etlichen Jahren steht der direkt an der B 6 nahe dem Schmetterholz – dem Waldstück zwischen Fischbach und Großharthau – gelegene Dürre Fuchs leer. Zwischenzeitlich war er an einen Gastronomen aus Neukirch verpachtet, der dort das Café Napoleon betrieb. Ein Ausleger an der Hausfassade erinnert noch daran. Wie der Name verrät, gaben sich in dem traditionsreichen Wirtshaus einst auch bekannte Kriegsherren, wie eben Napoleon, die Klinke in die Hand. Denn seinerzeit lag das Lokal am direkten Weg Napoleons in Richtung Russland. Ähnlich wie heute bei großen Ereignissen kamen auch damals die Neugierigen, um den Feldherrn aus nächster Nähe zu sehen.

Selbst Zar Alexander I. von Russland soll wohl drei Mal Quartier im "Fuchs" genommen haben. Die damalige Wirtin, welche eine besonders schöne Frau gewesen sein soll, erhielt von ihm zum Abschied eine Backmulde voller Dukaten. Das ist in der Chronik von Schmiedefeld zu lesen, die Christian Schöne derzeit anlässlich des 800. Geburtstages des Großharthauer Ortsteiles im nächsten Jahr erstellt. 

Historische Wurzeln reichen weit zurück

Doch die historischen Wurzeln des Anwesens reichen noch viel weiter zurück. Im 12. Jahrhundert wurden im Zuge des Baus der Verbindungsstraße zwischen Dresden und Bautzen entlang der Strecke verschiedene Rasthäuser für Reisende geschaffen. Um diese Zeit eröffnete an der Stelle des späteren Dürren Fuchses eine Gastwirtschaft nebst Feldschmiede. Auf Letzterer basiert wohl auch die Namensgebung für das Dorf.

Wie die Gastwirtschaft damals hieß, ist allerdings nicht überliefert. Im Laufe der Jahrhunderte trug das Haus viele Namen. Einer, der sich besonders eingeprägt hat, ist Dürrer Fuchs. Im Jahr 1796 wurde das heute erhaltene Gebäude an der Stelle des Vorgänger-Bauwerks errichtet. Gebaut wurden dabei auch großzügige Pferdestallungen, da das Wirtshaus bis zur Eröffnung der Bahnstrecke Dresden-Görlitz durch die in Schmiedefeld gelegene Posthalterei ein stark frequentiertes Haus war, welches zahlreiche Postkutscher, Fuhrleute und Reisende aufsuchten. Auch Kaufleute aus dem Osten des Landes, die zur Leipziger Messe fuhren, nahmen gern Quartier im Gasthaus. 

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