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Schmölln: Mühlteich-Sanierung erhitzt die Gemüter

Seit Jahren wird über das Vorhaben diskutiert, ein neuer Vorschlag dazu wurde jetzt abgelehnt. Offenbart das ein grundsätzliches Problem in der Gemeinde?

Gemeinderat Günther Riedel möchte den Mühlteich in Schmölln für weniger Geld und schneller sanieren als geplant. Doch das ist nicht sein einziges Anliegen.
Gemeinderat Günther Riedel möchte den Mühlteich in Schmölln für weniger Geld und schneller sanieren als geplant. Doch das ist nicht sein einziges Anliegen. © SZ/Richard Walde

Schmölln-Putzkau. Wenn es nach Günther Riedel geht, wäre das Problem mit den Sediment-Ablagerungen im Schmöllner Mühlteich schon lange gelöst: Einfach kurz vor dem Eintritt des Schwarzwassers in den Teich links und rechts eine kleine Mauer hinsetzen, dann würde sich ein Großteil des angespülten Gesteins dort anstauen und könnte einfach entfernt und entsorgt werden. So lautet der Vorschlag des Gemeinderats aus Schmölln. Die Kosten dafür wären um einiges geringer als die aktuell veranschlagten 487.000 Euro allein für die Umleitung des Bachs um den Mühlteich herum.

Wann und wie hier überhaupt etwas passiert, ist schon seit über zehn Jahren Teil der Diskussionen im Gemeinderat. "Das Hauptproblem ist, dass die Gemeindeverwaltung die Sanierung gar nicht will, und daran scheitert es immer wieder“, sagt Riedel gegenüber Sächsische.de. Er spricht von einer künstlichen Hochrechnung, damit alle denken würden, dass sich die Gemeinde das nicht leisten könne. Für Bürgermeister Achim Wünsche (parteilos) eine unbegründete Vorhaltung.

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Gemeinde plant die Umsetzung für 2023

"Jetzt ist die Maßnahme so konkret wie noch nie und der Fördermittelantrag schon gestellt", betont der Bürgermeister. Er rechne damit, dass 90 Prozent der Kosten von außen beigesteuert werden können. Bei den weiteren geplanten Maßnahmen - der Entschlammung des Teiches und der Sanierung einer Brücke - würden jedoch kaum Chancen auf eine Förderung bestehen. Hier kämen weitere rund 380.000 Euro auf die Gemeinde zu.

Eingeplant seien alle drei Arbeiten erstmal für 2023. Der in der letzten Gemeinderatssitzung spontan eingebrachte Antrag durch Riedel, den Umbau schon auf 2022 vorzuziehen, erhielt keine Mehrheit. Trotzdem glaubt der Bürgermeister daran, die Sanierung des Mühlteichs bereits im Haushaltsplan für 2022 festhalten zu können.

Zum "einfachen Entfernen und Entsorgen" der Sedimente aus dem Teich hat Wünsche eine klare Antwort: "Die Vorgaben sind mit der Zeit immer strenger geworden. Früher hat man die Ablagerungen einfach auf den Feldern ausgeleert, aufgrund des Umweltschutzes müssen sie heute jedoch verbrannt werden", erklärt er.

Gemeinderat lehnt Petition einstimmig ab

Dass die geplanten Kosten viel zu hoch sind, glaubt aber nicht nur Günther Riedel. Der Putzkauer Ortschronist Erhard Dietmar Lenz geht sogar noch weiter. "Eine Entschlammung genügt und belastet die Gemeindekasse nicht übermäßig“, fordert er in einer Petition, die vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt wurde.

Lenz wollte ursprünglich an der Sitzung teilnehmen und einen kurzen Vortrag halten, hatte jedoch kurzfristig aufgrund des Risikos einer Corona-Infektion abgesagt. Die Kernpunkte der Petition präsentierte deshalb der Bürgermeister.

Für den Schmöllner Günther Riedel stellt der Vorschlag von Erhard Dietmar Lenz eine "bodenlose Frechheit" dar. „Wenn ein Bürger von Putzkau so eine Petition überhaupt einbringt, muss man daran zweifeln, ob er nicht irgendwo stehengeblieben sind“, sagt Riedel.

Damit meint er die seiner Meinung in den Köpfen weiter vorherrschende Spaltung zwischen Schmöllnern und Putzkauern. "Alle, die für eine Verlegung der Sanierung ins Jahr 2022 gestimmt haben, kommen aus Schmölln, Neuschmölln oder Tröbigau", sagt er. Doch seien die Putzkauer im Gemeinderat in der Überzahl. Und wenn es um große Ausgaben im Ortsteil Schmölln gehe, seien sie immer einstimmig dagegen. So eben auch bei seinem Antrag, sagt Riedel.

"Schmölln wird immer trostloser"

Eine ähnliche Vorgehensweise habe es in der Vergangenheit auch bei anderen Vorhaben gegeben. So sei das Schmöllner Schulgebäude laut Riedel nur abgerissen worden, weil sich der damalige Bürgermeister Steffen Schmidt seiner Stimme enthielt. „Auch die ganze Planung für einen Fuß- und Fahrradweg durch das Dorf war fertig, und Herr Schmidt hat sie einfach zurückgegeben, weil sie für die Gemeinde zu teuer gewesen sei“, berichtet Riedel. Deshalb müssten Fußgänger weiterhin entlang der unbeleuchteten Dorfstraße gehen, gerade nachts ein gefährliches Unterfangen.

Gleiches gelte für den Spielplatz, der vom Ufer des Mühlteichs zur Gemeindeverwaltung verlegt wurde. "Es gibt doch keinen schöneren Platz als hier, vor allem, wenn die Sonne scheint und hier Schatten ist", sagt Riedel. Bürgermeister Wünsche sieht das anders und betont, dass der Spielplatz an seinem neuen Standort viel mehr genutzt werde als früher.

Dennoch sieht Wünsche auch eine Zukunft für den Teich und die Wiese. "Es ist eine schöne Anlage, die wir wieder zum Leben erwecken werden", sagt er. Auch größere Feste, beispielsweise in Kooperation mit der ansässigen Feuerwehr, wären laut Wünsche bei entspannter Corona-Lage dort möglich.

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