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Brücke ohne Radwege geplant

Am Neubau zwischen Radebeul und Coswig gibt’s Kritik. Wird an der Sicherheit gespart?

Bald ist die nächste Brücke dran. Neben der im Bau befindlichen Eisenbahnbrücke an der Meißner Straße zwischen Radebeul und Coswig soll voraussichtlich ab 2022 die Brücke an der Straße Nach der Schiffsmühle entstehen. © Norbert Millauer

Coswig/Radebeul. Sie wird sehnlichst erwartet, die Überführung über die Bahngleise an der Eisenbahnbrücke Meißner Straße zwischen Radebeul und Coswig. Seit 30 Jahren wird über eine ordentliche Querung nachgedacht, sagt Coswigs Ordnungsamtschef Olaf Lier. Die Straße Nach der Schiffsmühle war eng, wenig komfortabel, die Wartereien zwischen den Bahnübergängen nervig. Doch seit die 2015 komplett geschlossen wurden, müssen Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer Umwege in Kauf nehmen, um von Kötitz oder Naundorf zur Meißner bzw. Dresdner Straße zu gelangen.

Die angekündigte Brücke rückt nun in greifbare Nähe. Bis Mitte Januar lagen die Planunterlagen in den Rathäusern in Radebeul und Coswig aus. Der Coswiger Stadtrat Thomas Werner-Neubauer (Grüne) hat sie sich ganz genau angesehen. Wieder mal bleiben die Radfahrer auf der Strecke, schreibt er. Auf der Brücken-Westseite ist ein 2,50 Meter breiter Fußweg vorgesehen, auf der Fahrbahn nur jeweils 1,50 Meter breite Rad-Angebotsstreifen. Für ihn eine Notlösung, wenn es an Platz und Geld fehlt. „Für Neubauten muss ein anderer Standard gelten: Ein separater Radweg auf beiden Seiten“, fordert er. Zumal die neue Straße Zufahrt in ein Industriegebiet wird. Er denkt an den Begegnungsfall von zwei Lkws, dann habe der Radfahrer auch auf dem Angebotsstreifen schlechte Karten. Der Unfalltod des Dresdner Schulamtsleiters habe leider wieder deutlich gemacht, wie notwendig sichere Radwege sind.

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An dem Projekt der Stadt Radebeul und der Deutschen Bahn ist Coswig nur als Nachbarkommune beteiligt, sagt Andreas Palusczyk von der Stadtverwaltung. Coswig dürfe Hinweise einreichen zu den Abschnitten der neuen Straße, die sein Stadtgebiet berühren, zu den Knotenpunkten Kreisverkehr Meißner Straße und Anschluss an die Straße An der Walze. Da will sich die Stadt in der Planfeststellung zur Führung der Radfahrer äußern, im Sinne ihrer Sicherheit. Forderungen könne Coswig nicht aufmachen.

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© SZ-Grafik

Erste Entwürfe für die Brücke stammen bereits von 2007, allerdings dürften vor allem Vorgängerpläne, etwa von 2013, in puncto Radwege von Interesse sein. Da war die Rede von 6,50 Meter Fahrbahnbreite – jetzt 4,50 Meter – und 1,85 Meter breiten Fahrradstreifen, die im Gegensatz zum Angebotsstreifen nicht von Autos befahren werden dürfen. Da sind die Radfahrer weniger gefährdet, sagt Olaf Lier.

Weshalb die aktuelle Planung eine schmalere Fahrbahn und nur Rad-Angebotsstreifen vorsieht, weiß Jörg Müller, Radebeuls Baubürgermeister. Die Stadt ist Besteller der Brücke, die Deutsche Bahn fürs Planen zuständig. Bahn und Bund tragen zwei Drittel der Kosten, Radebeul ein Drittel, geschätzt 2,5 Millionen Euro. Die Stadt kann mit 100 Prozent Förderung förderfähiger Kosten rechnen, über die Richtlinie kommunaler Straßen- und Brückenbau.

Damit haben die veränderten Pläne zu tun. Nach den ersten Überlegungen wurde der Entwurf optimiert, sagt Jörg Müller. Weil ein Vorhaben den Richtlinien entsprechen muss, auch bei Förderung. Für die Brücke, Baustart voraussichtlich 2022, sind rund 11 000 Fahrzeuge/Tag prognostiziert, für 2030. Da sei ein 1,50 breiter Angebotsstreifen den Fachingenieuren zufolge ausreichend, könne ein Radler gut neben einem Pkw fahren. Nur bei der Begegnung von Lkws – erwartet werden sechs Prozent Schwerverkehrsanteil – könnten Radler nicht überholt werden. Jörg Müller sagt, man habe anfangs die 1,85 Meter für Radfahrer favorisiert, dann seien die Pläne aber weiterentwickelt worden.

Die Stadt Radebeul hat erneut nur ein Mindestmaß für die Radfahrer gewählt, sagt Thomas Weist, ADFC-Ortsgruppe. Bei der geplanten Breite seien die Seitenabstände zu gering. Er nennt als Optimum zwei Rad- und zwei Fußwege. Die Ortsgruppe werde sich mit einer entsprechenden Stellungnahme zur Planfeststellung äußern.

Er hofft wie Thomas Werner-Neubauer, dass noch viele Coswiger und Radebeuler ihre Einwendungen zu dem Vorhaben deutlich machen. Was allerdings nur noch bis 30. Januar möglich ist – schriftlich bei der Landesdirektion oder den Stadtverwaltungen Radebeul und Coswig.

Unterlagen sind online einsehbar: www.lds.sachsen.de/bekanntmachung/?ID=14531&art_param=628