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Bürgerstiftung will Jahnhalle retten

Die denkmalgeschützte Halle oberhalb der Altstadt verfällt. Eine Initiative möchte sie als Spiel- und Sportanlage erhalten.

© Claudia Hübschmann

Von Christoph Scharf

Meißen. Generationen von Meißnern kennen den Sportunterricht in der Jahn-Turnhalle und den steilen Weg über die Stufen dorthin. Längst aber sind die Fenster des 120 Jahre alten Gebäudes zugenagelt und der Putz fällt von den Wänden. Doch hinter den Kulissen ist Bewegung in die Sache geraten: „Wir wollen eine Bürgerstiftung gründen, um die Jahnhalle für die Öffentlichkeit zu erhalten“, sagt Ina Heß.

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Eine Bürgerinitiative hat sich jetzt um das Gebäude beworben.
Eine Bürgerinitiative hat sich jetzt um das Gebäude beworben. © Claudia Hübschmann

Die Meißnerin, die viele von der St.-Afra-Kirchengemeinde kennen, hat schon eine konkrete Vorstellung, wie man die denkmalgeschützte Halle mit Leben füllen konnte. Die Details dazu hat ihre Tochter Johanna Heß ausgearbeitet. „Das Areal rund um die Jahnhalle bietet ideale Bedingungen für eine Bewegungslandschaft“, sagt die Sportwissenschaftlerin. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Aufstellung von Spiel- und Sportgeräten für Nutzer vom Kind bis zum Rentner.

Geräte wie in einem Fitnessstudio

Rund um den alten Sportplatz, der wieder für Ballspiele hergerichtet werden soll, könnten Geräte wie in einem Fitnessstudio montiert werden – ein Cross-Trainer, eine Sit-up-Bank, eine Klimmzug-Station. Daneben bliebe noch Platz für eine Kinder-Kletteranlage, Sandspielplätze, Rutschen. „Es soll für jedes Alter etwas dabei sein“, sagt Johanna Heß. Die Idealvorstellung der Macher: Eltern oder Großeltern gehen mit Kindern dorthin – und betätigen sich auch gemeinsam. Für Jugendliche böte die Anlage auch genügend Rückzugsflächen.

Ein Manko hat das Angebot im Freien: Bei Schlechtwetter oder im Winterhalbjahr ist es kaum nutzbar. Und deshalb soll eine weitere Spiel- und Bewegungslandschaft im Innern der Halle entstehen – beispielsweise mit einer Kletterwand oder Balancierstationen. Auch dieses Angebot soll für Kinder, Erwachsene, Senioren nutzbar sein – ebenso für Vereine.

Die würden im Obergeschoss noch weitere Möglichkeiten finden. Dort ist laut dem Konzept, das die Initiatoren rund um Ina Heß gerade im Rathaus abgegeben haben, eine Büroetage für die Nutzung durch Vereine geplant. Da ließe sich etwa stundenweise Vereinsarbeit am Schreibtisch erledigen. Beratungsräume stünden für Vorstandssitzungen von Vereinen zur Verfügung. Ganz oben soll schließlich – so wie früher – eine Art Hausmeisterwohnung entstehen.

Café auf der Empore

Ein besonderes Angebot ist auf der Ebene der Galerie angedacht: Dort ließe sich ein Café einrichten, damit Eltern auf der Empore ihren Kaffee trinken und gleichzeitig die Kinder unten beaufsichtigen können. „So ein Angebot fehlt in Meißen noch“, sagt der Meißner Mathematiker Norbert Herrmann. „Die Spielplatz-Situation in der Altstadt ist völlig unzureichend.“ – Deshalb will er sich genauso wie Dorothee Finzel von der Freien Werkschule, Monika Adamitza vom Franziskus-Kinderhaus und etliche weitere Meißner in der noch zu gründenden Bürgerstiftung engagieren. Unterstützung freilich ist nötig: Architekt Norbert Heß rechnet mit rund zwei Millionen Euro Sanierungs- und Umbaukosten.

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Das ließe sich aus den Erträgen einer neuen Stiftung kaum finanzieren. „Wir hoffen neben Spenden auch auf öffentliche Mittel etwa von der Denkmalförderung“, sagt Ina Heß. Auf jeden Fall sei es wichtig, dieses einzigartige Areal in Altstadtnähe für die Bürger zu erhalten – mitsamt des gesamten angrenzenden Areals. Wie es weiter geht, entscheiden die Stadträte.