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Sachsen

Bundeswehr kämpft gegen Borkenkäfer

Soldaten sind ab sofort in Sachsens Wäldern im Einsatz. Sie unterstützen den Forst bei der Bekämpfung des Borkenkäfers. 

Ein Stamm wird genau unter die Lupe genommen.
Ein Stamm wird genau unter die Lupe genommen. © Matthias Rietschel

Bäume fällen statt Panzer fahren: Nun rückt die Bundeswehr dem Borkenkäfer in Sachsens Wäldern zu Leibe. Im Zuge der Amtshilfe greifen insgesamt rund 50 Soldaten in den nächsten Wochen den Forstleuten unter die Arme. Die ersten 30 Panzergrenadiere, darunter mehrere Motorkettensägentrupps, haben nach Angaben des Landeskommandos Sachsen am Dienstag in den Forstbezirken Bärenfels, Chemnitz und Marienberg ihre ungewohnte Arbeit aufgenommen. Weitere sollen in den Gebieten Eibenstock und Neudorf tätig werden.

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Stabsgefreite Dominik Banasch und Nils Trentschel beim Schäler der frisch geschlagenen Bäume
Stabsgefreite Dominik Banasch und Nils Trentschel beim Schäler der frisch geschlagenen Bäume © Matthias Rietschel

"In den sächsischen Wäldern spielt sich eine Katastrophe ab, die ihresgleichen sucht", sagte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) beim Einsatzbesuch in der Nähe von Flöha (Mittelsachsen). Er hatte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) unlängst um Unterstützung gebeten. Die Bundeswehr kann nach Artikel 35 Absatz 1 Grundgesetz Amtshilfe leisten, sie ist auf technische Unterstützung wie Unterbringung, Versorgung oder Transport beschränkt. Die Kosten dafür trägt der Freistaat.

Laut Schmidt muss das Schadholz so schnell es geht aus dem Wald, um die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. Der für den Staatswald zuständige Sachsenforst sei bereits an die Grenzen seiner Ressourcen gelangt. "Die Zeit läuft unerbittlich gegen uns." Die Soldaten werden zusammen mit den Waldarbeitern befallene Bäume finden, fällen und entrinden, bereits gefälltes Holz entasten und vorhandene Borkenkäferlarven mit Pflanzenschutzmitteln abtöten. Vor allem kleine und verteilte Befallstellen müssen nach Angaben des Ministeriums beseitigt werden. "Sie sind die Hotspots, von denen das flächige Absterben ausgeht", sagte Schmidt.

Borkenkäfer
Borkenkäfer © Matthias Rietschel

Stürme und Wetterextreme haben seit 2017 zu einer Borkenkäferplage ungekannten Ausmaßes geführt. Aktuell herrschen beste Bedingungen zur Insektenentwicklung, da Trockenheit und Wärme die natürlichen Abwehrkräfte der Nadelbäume reduzieren. Die Lage könne je nach Witterungsverlauf unbeherrschbar werden, erklärte das Ministerium. Experten gehen davon aus, dass der Borkenkäfer 2019 Fichtenbestände im Hügelland und den unteren Berglagen in Flächengröße zum Absterben bringt. Das könne die Waldbrandgefahr merklich erhöhen, zudem seien betroffene Bäume ein Risiko für Straßen- und Bahnverkehr.

Die Linke im Landtag indes sieht besonderen Einsatzbedarf im Privat- und Körperschaftswald. Dort seien nur knapp die Hälfte des seit Oktober 2017 registrierten Schadholzes von fast 1,9 Millionen Kubikmeter aufgearbeitet, erklärte Umweltexpertin Jana Pinka. Im Staatswald hingegen liege die Quote bei 94,1 Prozent des gut 3,3 Millionen Kubikmeter umfassenden Schadens. (dpa)