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Bunter Bau am Wiener Grau

Bis 2020 will Peter Simmel die letzte Brache am Hauptbahnhof füllen. Einen Busbahnhof gegenüber würde er begrüßen.

© Simmel/Knerer und Lang Architekten

Sandro Rahrisch

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Dresden. Es ist die Vollendung des Wiener Platzes, sagt Peter Simmel. Der Investor, der bereits das Hochhaus am Albertplatz saniert hat, will die letzte Brachfläche am Hauptbahnhof füllen. Zwischen dem Intercity-Hotel und der Budapester Straße plant er einen 200 Meter langen und 30 Meter breiten Neubau, dessen Herzstück ein Supermarkt mit über 3 000 Quadratmetern Verkaufsfläche sein soll.

Der Grundstückskauf ist noch für dieses Jahr geplant, anschließend könnte mit konkreten Planungen begonnen werden.
Der Grundstückskauf ist noch für dieses Jahr geplant, anschließend könnte mit konkreten Planungen begonnen werden. © Simmel/Knerer und Lang Architekten
Aus dem Zug böte sich später dieses Bild.
Aus dem Zug böte sich später dieses Bild. © Simmel/Knerer und Lang Architekten
Das Einkaufszentrum am Albertplatz gehört Peter Simmel schon. Jetzt zieht es den 57-Jährigen in die Altstadt.
Das Einkaufszentrum am Albertplatz gehört Peter Simmel schon. Jetzt zieht es den 57-Jährigen in die Altstadt. © Sven Ellger

„Ja, ich sehe noch Bedarf für einen Einkaufsmarkt“, sagt Simmel, der erst im vergangenen Jahr einen Edeka am Albertplatz eröffnet hat. Seitdem ist bereits ein Fünftel des Geschäfts umgebaut worden, um das Bio- und Vegan-Sortiment zu erweitern. Im Vergleich zum August 2015 habe er dieses Jahr 35 Prozent mehr Umsatz erzielt. Die Nachfrage nach Genuss-Lebensmitteln sei groß, sagt Simmel. Das Neustädter Markt-Konzept will der 57-Jährige deshalb an den Hauptbahnhof bringen. Bis zu 120 Jobs möchte er dafür schaffen.

Der Neubau soll aus einem zweigeschossigen Sockel bestehen – mit dem Simmelmarkt im Erdgeschoss und etwa 400 Parkplätzen in der ersten Etage sowie im Keller. Auf das Dach will Simmel dreigeschossige Aufbauten setzen, allerdings mit reichlich Luft dazwischen, sodass auf der Dachterrasse Platz für Cafés und Restaurants bleibt. Wer in die Aufbauten zieht, ist noch nicht ganz klar. Simmel kann sich Hotelzimmer, Studenten-Appartements und Büros darin vorstellen. Um den Lärmschutz macht sich Architekt Thomas Knerer keine Sorgen. Dieser sei weniger problematisch, als es für ein Gebäude zwischen Eisenbahnschienen und vierspuriger Straße zu sein scheint. Schallschutzfenster würden den Krach ausreichend dämpfen. Außerdem lebten viele Studenten gern in einer lebendigen Gegend. Lauter als zum Beispiel an der Prager Zeile werde es in dem Neubau nicht, so Knerer, der von einer „Stadt in der Stadt“ spricht und seinen Entwurf „Highline“ nennt – so wie Hochbahnlinien in den Vereinigten Staaten.

Bis zu 20 Meter hoch wird das neue Gebäude. Um es nicht zu klotzig wirken zu lassen, will Knerer die Fassade auflockern. So ist ein Wechsel zwischen Verglasung mit unterschiedlichen Farbfiltern sowie lichtundurchlässigen Elementen geplant.

Weil bis heute nicht feststeht, ob Dresden auf der benachbarten Fläche einen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) bauen wird, hat Simmel diese Pläne erst einmal nicht in sein Konzept einbezogen. Möglich sei der Bau eines ZOB weiterhin, sein Gebäude werde dem nicht im Weg stehen. „Wenn er kommt, ist das für uns nicht schlecht“, sagt der Investor mit Blick auf die Kundenfrequenz. Und falls es irgendwann einmal so weit sein sollte, würde Simmel im Erdgeschoss Platz für eine Mall mit Sitzplätzen und einem Café machen, in der Fahrgäste auf den Bus warten können.

Bis vor einer Woche wusste Peter Simmel nicht, ob er das Grundstück westlich des Hauptbahnhofes überhaupt bekommt. Seit Jahren steht es schon zum Verkauf. Im Dezember bewarb sich der Investor um die Immobilie. Doch der Stadtrat verwehrte ihm den Kauf der Brache erst einmal. SPD-, Grünen- und Linken-Stadträte forderten, dass er seine Pläne für das neue Gebäude noch weiter präzisieren soll. „Mit der Bedingung, einen Ideen-Wettbewerb für die Bebauung zu initiieren“, so Simmel. Gerechnet habe er damit zwar nicht, aber er könne es verstehen, sagt er. Städte hätten Angst, städtebauliche Fehler zu machen. Ein so frühzeitiger Architektenwettbewerb schaffe zumindest Klarheit.

CDU-Bauexperte Gunter Thiele nennt die Forderungen der rot-grün-roten Stadträte „überzogen“. „Solch ein Vorgehen lässt sich nur als weltfremd und investorenfeindlich bezeichnen“, sagt er. Die konkrete Gebäude- und Fassadenplanung hätte problemlos bis zum Baugenehmigungsverfahren Zeit gehabt.

Die vier Entwürfe wurden dem Bauausschuss Ende August vorgelegt. Die Wahl fiel auf das Münchener Büro „Knerer und Lang“. Schließlich hat der Ausschuss dem Grundstücksverkauf zugestimmt. Rund 3,9 Millionen Euro zahlt Simmel. Bis zum Jahresende soll das Grundstück ihm gehören. Danach könne er weiterplanen und mit möglichen Mietern verhandeln. Läuft das alles, wie es soll, will Simmel nächstes Jahr den Bauantrag bei der Stadtverwaltung einreichen. Bei einer geschätzten Bauzeit von zwei Jahren könnte das Gebäude somit 2019 oder 2020 öffnen.

Insgesamt will Peter Simmel zwischen 30 und 35 Millionen Euro am Wiener Platz investieren,