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Döbeln: Ansturm auf FFP2-Masken

Am Dienstag begann die Verteilung der Schutzmasken. Aber längst nicht jede Apotheke hat pünktlich Ware erhalten.

Ines Herrmann von der Apotheke in Ostrau hat am Dienstag noch auf die Bestellung der FFP2-Masken gewartet.
Ines Herrmann von der Apotheke in Ostrau hat am Dienstag noch auf die Bestellung der FFP2-Masken gewartet. © Lars Halbauer

Region Döbeln. In der Weihnachtsmarktbude, im Extra-Raum oder am Fenster – um den Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken zu bewältigen, haben sich die Apotheken in der Region einiges einfallen lassen. Die Nachfrage nach den Schutzmasken, von denen sich über 60-Jährige sowie Risikopatienten ab Dienstag jeweils drei Stück in ihrer Apotheke abholen dürfen, war groß. Doch längst nicht überall konnte sie bedient werden. Denn nicht jede Apotheke hatte rechtzeitig die bestellte Ware erhalten.

Voraussichtlich ab Mittwochnachmittag kann Andrea Bachmann in der Roßweiner Löwen-Apotheke die Masken ausgeben. Am Dienstag war das noch nicht möglich. „Es sind noch keine Masken da“, sagte die Apothekerin, die zugleich Sprecherin ihrer Berufskollegen in der Region ist.

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Das Problem sei gewesen, dass erst Ende der vergangenen Woche festgestanden habe, dass die Apotheken sich selbst um die Masken kümmern müssen und es keine zentrale Bestellung und Verteilung durch den Bund gibt. Daraufhin hätten fast 20.000 Apotheken in Deutschland auf einmal ihre Bestellungen aufgegeben.

„Verkehrte Informationspolitik“

„Das ist von der Informationspolitik her wieder verkehrt gelaufen. Wir haben von allem aus den Medien erfahren. Die Bevölkerung wusste schon vorher Bescheid“, sagt Andrea Bachmann. Seit der vergangenen Woche gebe es Nachfragen von Kunden nach den Masken. „Wir stehen in den Startlöchern, um sie zu verteilen“, sagt die Apothekerin.

Einen extra Schalter werde es dafür in der Löwen-Apotheke nicht geben, da sich aufgrund der Hygieneauflagen ohnehin nur zwei Kunden zeitgleich im Geschäft aufhalten könnten. Zudem benötigten die Mitarbeiter das Computersystem. Denn so ohne Weiteres erhalten die Kunden die Masken nicht.

Verteilt werden jene an alle, die über 60 Jahre alt sind. Hierfür genüge die Vorlage des Ausweises. Aber auch Risikopatienten, wie zum Beispiel akut Krebserkrankte oder Risikoschwangere, erhalten die kostenfreien Masken. Jene Kunden müssten eine Eigenerklärung unterschreiben, mit der sie bestätigen, auch wirklich Risikopatient zu sein, informierte Bachmann.

Um den Bedarf nachzuweisen, könnten die Apotheker auch bei eingespeicherten Kunden auf die Medikationslisten schauen.

Doch nicht nur aus diesem Grund rät die Apothekerin dazu, dass sich die Kunden in Bezug auf die Masken an ihre Stammapotheke wenden. Das hat auch einen finanziellen Hintergrund. Denn die Apotheken erhielten für die Masken eine Pauschale. Jene richte sich nach der durchschnittlichen Menge der abgegebenen Medikamente im dritten Quartal, erklärt Bachmann. Im Schnitt rund 4.000 Masken könnte jede Apotheke mit der Pauschale finanzieren.

Doch was ist mit denjenigen, die nicht in die Apotheke kommen können? Einen Lieferservice gebe es von der Apotheke nur im Ausnahmefall, wenn niemand sonst für den Kunden die Masken abholen kann. Dies wäre zum Beispiel durch eine Vollmacht sowie der Mitgabe des Ausweises möglich, informiert Andrea Bachmann.

Die Apothekerin rät den Kunden, sich Zeit mit dem Abholen zu lassen. „Die Masken reißen nicht aus.“ Auch, um einen Ansturm zu verhindern, appelliert sie: „Kommen Sie nicht gerade in den Stoßzeiten zwischen 9 und 11 Uhr.“

Ab Januar können sich die Kunden weitere Masken abholen. Dann nur durch Vorlage eines Coupons der Krankenkassen. Einmal sechs Masken soll es dann geben, bei einer Zuzahlung von zwei Euro. Ein weiterer Coupon soll im Frühjahr folgen.

Schlange vor der Apotheke

Mehr Glück hatten die Kunden am Dienstag in der Roßweiner Brücken-Apotheke. Jene hatte bereits Masken erhalten und konnte diese auch verteilen. Vor der Tür hatte sich eine lange Schlange mit zeitweise 15 Kunden und mehr gebildet. Dort stand unter anderem auch Hans-Gerd Fiedler aus Niederstriegis. Er begrüßt das Angebot und nutzt es, um sich und seine Frau zu schützen. Erfahren habe er davon aus den Medien.

Auch Horst Poniewiera findet die Aktion sehr gut, „Allerdings finde ich, dass viel zu spät gehandelt worden ist. Das hätten wir schon früher bekommen müssen. Wir müssen uns doch schützen können“, meinte er.

Dass Apothekerin Bettina Ludwig am Dienstag bereits Masken verteilen konnte, sei Glück gewesen, sagt die Inhaberin der Brücken-Apotheke. Die Bestellung sei am Montagabend eingetroffen, aber gar nicht angekündigt gewesen. „Sie sollte eigentlich erst am Mittwoch eintreffen.“ Ludwig hatte bei mehreren Anbietern bestellt. Auch sie kritisiert, dass die Apotheken zu spät informiert worden seien.

Vor der Brücken-Apotheke in Roßwein bildete sich am Dienstag eine lange Schlange. Viele Kunden wollten sich die kostenlosen FFP2.-Masken abholen.
Vor der Brücken-Apotheke in Roßwein bildete sich am Dienstag eine lange Schlange. Viele Kunden wollten sich die kostenlosen FFP2.-Masken abholen. © Lars Halbauer

Gegen den Ansturm auf die Masken konnte sie am Dienstag wenig ausrichten. Die Apotheke sei klein, nur eine begrenzte Zahl an Kunden darf reingelassen werden. Eine andere Ausgabemöglichkeit habe sie nicht. Noch am Nachmittag standen die Roßweiner vor der Apotheke an. Es seien vor allem Stammkunden gewesen, die die Masken abholen wollten.

Unklar war Ludwig am Dienstag noch, wie die Maskenabgabe für die Klienten der Pflegedienste gehandhabt werden soll. Auch gebe es keine richtige Möglichkeit für die Apotheken, eine doppelte Ausgabe zu verhindern. „Mit den Coupons durch die Krankenkassen ist das natürlich besser geregelt. Aber auf die Schnelle war das nicht zu realisieren“, meint die Apothekerin.

Extra Raum für Masken-Ausgabe

Auch die Löwen-Apotheke auf dem Leisniger Markt konnte die Nachfrage nach den Masken am Dienstag bedienen. Apotheker Dr. Thomas Birnstiel hatte dafür einen extra Bereich in der Passage eingerichtet. Zwei Mitarbeiter waren dort mit der Ausgabe der Masken beschäftigt. Auch seine Frau und seine Tochter habe der Apotheker für die Verteilung mit eingespannt. „Wir haben die Masken vom pharmazeutischen Großhandel. Es handelt sich um EU-konforme Masken in ordentlicher Qualität“, betonte Birnstiel. Die Nachfrage sei stetig, aber es habe noch keine Schlangen gegeben, sagte der Apotheker am Vormittag.

Knapp 2.000 Masken habe er zurzeit vorrätig. Auch er rät den Kunden, sich beim Abholen an ihre Stammapotheke zu wenden.

Dr. Sebastian Michael konnte am Dienstag ebenfalls mit dem Verteilen der Masken beginnen. Er stand dafür in einer Weihnachtsmarktbude. Einen Ansturm hatte es am Vormittag nicht gegeben, aber die Nachfrage war da, hieß es aus der Waldheimer Löwen-Apotheke.

Enorme Nachfrage nach Masken

Über ein Fenster wird Apothekerin Dagmar Schmidt von der Döbelner Löwen-Apotheke die Masken-Abgabe organisieren. Darauf sollen auch Aufsteller und entsprechende Schilder hinweisen. Mit dieser Form der Ausgabe sollten sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden entsprechend geschützt werden.

Aber am Dienstag konnte Schmidt noch keine Masken verteilen. Auch sie hatte bis dahin noch keine Lieferung erhalten. „Wir können frühestens am Mittwoch damit beginnen“, sagte die Apothekerin. Knapp 6.000 Masken hatte die Döbelner in bei verschiedenen Anbietern bestellt. Die Ware werde nun nach und nach geliefert.

Die Nachfrage nach den Masken sei aber schon jetzt enorm. Sie lege beinah das alltägliche Geschäft in der Apotheke lahm, sagt Dagmar Schmidt.

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Knapp 50 Anfragen hatte Ines Herrmann von der Apotheke in Ostrau am Dienstag auf dem Tisch. Aber auch sie konnte den Kunden noch nicht weiterhelfen, weil die bestellte Ware noch nicht da war. „Die Kunden waren aber sehr geduldig“, sagte Herrmann.

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