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Aufregung um Corona-Regeln hinter Gittern

Ein Gefangener beschwert sich, dass Mitarbeiter keine Masken tragen. Die JVA Zeithain hält dagegen.

Wer als Besucher in die JVA Zeithain will, muss derzeit eine "neutrale" Mund-Nasen-Bedeckung mitbringen.
Wer als Besucher in die JVA Zeithain will, muss derzeit eine "neutrale" Mund-Nasen-Bedeckung mitbringen. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Maskenpflicht beim Einkaufen, Maskenpflicht in Bus und Bahn, Maskenpflicht im Krankenhaus. Und hinter Gittern? "Warum müssen die JVA-Mitarbeiterin in Zeithain auf den einzelnen Stationen, wo Inhaftierte untergebracht sind, keinen Mund- und Nasenschutz tragen?", fragt ein Gefangener per Email an die Riesaer SZ-Redaktion. Schließlich sei auf den Stationen kein Mindestabstand zwischen Inhaftierten und Bediensteten gegeben. Auch nicht bei Anträgen oder Postempfang. 

Und Schutzwände, so heißt es in der Email, gäbe es ebenfalls nicht. "Welche Konzepte gibt es, um einen Coronaausbruch in der JVA Zeithain zu vermeiden?", fragt der namentlich bekannte Absender.

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Die SZ hat in der Anstalt nachgefragt. Eine grundsätzliche Pflicht, einen Mund- und Nasenschutz zu tragen, würde nur für Externe und Besucher gelten, sagt JVA-Sprecher Benno Kretzschmar. Bedienstete müssten die Maske nur dann tragen, sobald der Mindestabstand von anderthalb Metern nicht gewährleistet werden kann. Während für Mitarbeiter unter solchen Umständen eine Pflicht gelte, sei es bei den Gefangenen eine "Empfehlung". Man habe sie jedenfalls schon vor Monaten mit Mund-Nasen-Bedeckungen ausgestattet.

"Beide Seiten werden mit Blick auf das Infektionsgeschehen fortlaufend sensibilisiert und angehalten, die Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, soweit der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann", sagt Benno Kretzschmar. Wird das aber auch tatsächlich eingehalten? "Vereinzelt mussten diesbezüglich Nachlässigkeiten festgestellt werden, welche jedoch nachverfolgt und mit den betreffenden Personen aufgearbeitet werden", versichert der JVA-Sprecher.

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E © Sebastian Schultz

Tatsächlich sei es im Gefängnis nicht überall möglich, den Mindestabstand einzuhalten. Im Freien, in großen Räumen und Hallen schon - dagegen kann es auf Stationen in den Unterbringungsbereichen, im Besuchsbereich, im medizinischen Dienst schon enger zugehen. Und auch dann, wenn Gefangene kontrolliert werden, kommt man sich zwangsläufig näher.

Tatsächlich ist der geschlossene Vollzug in der JVA Zeithain derzeit gut belegt: 246 Inhaftierte (Stand 21. Oktober 2020) leben dort, das entspricht einer Auslastung von 89 Prozent. Bislang wurde noch kein Gefangener positiv auf das Coronavirus getestet. Und getestet wird. Wer als Gefangener neu in der JVA einrückt, wird erst einmal getrennt von den anderen Insassen untergebracht - und in einem größeren Abstand zweimal getestet. "Mit dieser Maßnahme soll ein Hereintragen des Virus in die Anstalt weitestgehend ausgeschlossen werden", sagt Benno Kretzschmar.

Im Notfall isolierte Unterbringung

Sollte doch einmal ein Gefangener positiv auf Corona getestet werden, werde er von den anderen Gefangenen isoliert untergebracht. In einem solchen Fall würde man unverzüglich das Gesundheitsamt informieren und mit der Behörde Maßnahmen abstimmen.

Aber schon jetzt wirken sich die Corona-Vorschriften erheblich auf das Leben hinter Gittern aus: Besuche wurden seit Beginn der Corona-Pandemie mit Blick auf die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen stark reglementiert und teilweise ganz ausgesetzt. Seit Juli seien aber wieder bis zu drei Besucher pro Gefangenem möglich. "Bei einem Besuch wird besonders darauf geachtet, dass die Besucher keine Berührungen mit dem zu Besuchenden haben", sagt der JVA-Sprecher. 

Deshalb gilt dort nicht nur der Anderthalb-Meter-Abstand, sondern auch eine Maskenpflicht und die Pflicht, vorher und nachher die Hände zu desinfizieren. Außerdem gibt es eine Plexiglasabtrennung als Spuckschutz. Nur am Tisch selbst darf die Mund-Nasen-Bedeckung abgesetzt werden. Um weitere Kontaktmöglichkeiten auszuschließen, stellt die JVA derzeit keine Getränke oder Speisen bereit.

Was trotz Corona weiter möglich ist, ist der Kontakt per Videotelefonie zu Angehörigen - um die sozialen Bindungen aufrechtzuerhalten. 

Abstands-, Hygiene-, Maskenregeln gelten auch anderswo im Gefangenenalltag: bei Therapie-Angeboten, Arbeits- und Bildungsmaßnahmen, beim Sport. In einigen Arbeitsbereichen wende man mittlerweile ein sogenanntes Time-Sharing-Modell an, erklärt Benno Kretzschmar. So will man die Zahl der Personen verringern, die sich gleichzeitig in den Arbeitshallen aufhalten - ohne dass man die Gesamtzahl der Gefangenen in Ausbildung verringern muss.

Das gehört zum Hygiene-Konzept in der JVA Zeithain

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  • das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung
  • die tägliche Desinfektion aller Türklinken
  • zusätzliche Desinfektionsspender in Dienstzimmern und auf Gängen
  • die Ausgabe hautschonender Flüssigseifen und Papierhandtücher
  • regelmäßiges Lüften der Räumlichkeiten
  • eingeschränkte Dienst- und Fortbildungsreisen
  • die Prüfung möglicher Arbeit im Heimbüro
  • optimierte Arbeitsschutzbekleidung 
  • Regelungen für die Arbeitszeit- und Pausengestaltung


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