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Kreis Bautzen: Corona-Lage in den Kliniken verschärft sich

Immer mehr Menschen müssen wegen einer Covid-19-Infektion stationär behandelt werden. Sind die Krankenhäuser im Landkreis deswegen bald überlastet?

Von Timotheus Eimert
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Im Landkreis Bautzen müssen wieder mehr Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, ins Krankenhaus.
Im Landkreis Bautzen müssen wieder mehr Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, ins Krankenhaus. ©  Symbolbild: dpa

Bautzen. Die Corona-Zahlen im Landkreis Bautzen steigen weiter rasant an. Am Dienstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz laut Meldung des Robert-Koch-Institutes bei 216,8. Am vergangenen Freitag lag der Wert noch bei 139,9. Das Landratsamt meldete am Dienstag zudem 220 Neuinfektionen. Auf den Intensivstationen werden wieder mehr Corona-Patienten behandelt. Doch wie ernst ist die Situation in den Krankenhäusern des Landkreis Bautzen wirklich. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Corona-Fälle werden in den Kliniken behandelt?

Im Landkreis Bautzen werden mit Stand Dienstagnachmittag 41 Personen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt. Sie liegen dabei in den Kliniken in Bautzen, Bischofswerda, Hoyerswerda, Kamenz, Radeberg und Arnsdorf. Wie das Landratsamt Bautzen mitteilt, waren es am vergangenen Freitag gerade einmal 21 Patienten, die stationär behandelt wurden.

Stationär bezieht sich dabei auf alle Patienten, die sich mit einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus befinden ­– sei es, dass sie direkt wegen einer Corona-Erkrankung aufgenommen wurden oder erst bei einer Aufnahme aufgrund einer anderen Erkrankung eine Corona-Infektion festgestellt wurde.

Nicht jeder, der aufgrund einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus aufgenommen wird, wird auf der Intensivstation behandelt. Im Landkreis Bautzen werden derzeit acht der 41 Corona-Patienten intensiv medizinisch betreut. Laut Intensivregister müssen fünf von ihnen auch mechanisch beatmet werden.

Für Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz Kliniken, hat sich die Lage in seinen Krankenhäusern verschärft. Er hält deswegen Betten für weitere Covid-19-Patienten frei.
Für Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz Kliniken, hat sich die Lage in seinen Krankenhäusern verschärft. Er hält deswegen Betten für weitere Covid-19-Patienten frei. © SZ/Uwe Soeder

Reiner Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda, erklärt aber, dass die Patienten der Corona-Isolierstationen überwiegend kommen, weil sie an Covid-19 erkrankt sind. Und nicht, weil sie eine andere Erkrankung haben und dann eine Infektion festgestellt wird. Dienstagvormittag haben man deswegen entschieden, dass in den Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und in Bischofswerda weitere Betten für Covid-19-Patienten freigehalten werden. In Bautzen liegen derzeit 18 und in Bischofswerda fünf dieser Patienten.

Wie viele der Corona-Patienten sind geimpft?

Zwei der 41 Patienten, die im Landkreis derzeit stationär behandelt werden, seien vollständig geimpft, wovon einer auf der Intensivstation betreut werden muss. Das heißt, dass rund 95 Prozent der Corona-Patienten in den Krankenhäusern des Landkreises ungeimpft sind.

Dr. med. Wilma Aron, Chefärztin der Oberlausitz-Klinik in Bischofswerda, sagt dazu: „Wir machen das niemanden zum Vorwurf, aber wie jeder andere Patient müssen sie sich die Frage gefallen lassen, was sie hätten selbst tun können, um nicht ins Krankenhaus zu müssen. Bei Corona ist die Impfung eine Chance, das Risiko einer Infektion zu verringern.“

Warum können auch Geimpfte an Covid-19 erkranken?

Dass Menschen trotz einer Impfung erkranken, ist nichts Ungewöhnliches in der Medizin. Der Grund ist simpel: Ein Impfstoff kann nicht zu 100 Prozent schützen, auch die Corona-Impfstoffe nicht. „Wir verhindern durch die Impfung die schweren Verläufe zu rund 90 Prozent. Zehn Prozent können also noch immer schwer erkranken“, erklärt Wilma Aron.

Dr. Wilma Aron ist Chefärztin im Krankenhaus Bischofswerda. Sie schaut gespannt auf die weitere Entwicklung der Corona-Situation im Krankenhaus und gibt zu bedenken, dass es im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Fälle sind.
Dr. Wilma Aron ist Chefärztin im Krankenhaus Bischofswerda. Sie schaut gespannt auf die weitere Entwicklung der Corona-Situation im Krankenhaus und gibt zu bedenken, dass es im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Fälle sind. © Steffen Unger

Impfdurchbrüche wird es also weiterhin geben. Sogar noch häufiger als das jetzt der Fall ist. Denn: „Je mehr Leute wir geimpft haben, desto mehr müssen ja unter den auftretenden Infektionen dann auch Durchbruchinfektionen sein", sagte Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, vor zwei Wochen im Gespräch mit Tagesschau.de.

Dazu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: die Delta-Variante. Sie ist deutlich ansteckender und die Impfung schützt nicht ganz so gut, wie bei den vorherigen Varianten. Hatte man bisher einen 95-prozentigen Schutz vor einer Infektion, liegt mit der Delta-Variante dieser Schutz nur bei ungefähr 80 Prozent.

Kommt es zu einer Überlastung der Krankenhäuser?

Für Wilma Aron sei das schwer vorherzusagen. „Wir schauen in die Blackbox.“ Wenn aber der deutliche Anstieg der Patienten in den letzten 5 Tagen so weiter geht, könnten die Krankenhäuser in diese Situation kommen, meint die Medizinerin. Dazu kommt, dass die Zahl der durch das Gesundheitsamt gemeldeten stationär behandelten Personen bei zwölf lag, jetzt sind es mehr als dreimal so viele. „Im vergangenen Jahr verschärfte sich die Situation im November. Wir sind deswegen in angespannter Erwartungshaltung“, gibt Aron zu bedenken. So lag die Anzahl der stationär behandelten Personen vom 22. November 2020 bis zum 3. Februar 2021 durchgehend über 100.

Der Geschäftsführer Oberlausitz-Kliniken schätzt deswegen schon jetzt ein, dass sich die Situation drastisch verschärft hat. „Nach den Informationen, die wir aus der Uniklinik in Dresden beziehungsweise der Krankenhausleitstelle bekommen, rechnen wir mit einer erneuten Überlastung der Krankenhäuser, insbesondere in den beiden sächsischen Landkreisen mit der niedrigsten Impfquote“, sagt Reiner Rogowski.

Das ist nach jetzigem Stand neben dem Landkreis Bautzen auch der Erzgebirgskreis. „In der Konsequenz müssen sich alle sächsischen Krankenhäuser dann darauf vorbereiten, wieder sogenannte elektive Operationen verschieben zu müssen“, vermutet der Chef der Oberlausitz-Kliniken. Sollte es zur Überlastung einiger Krankenhäuser kommen, fangen das in der Regel die Kliniken im Umkreis auf. Dann werden Patienten verlegt oder direkt in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.