SZ + Radeberg
Merken

"Boostern? Termine gibt es erst im nächsten Jahr"

In Hausarztpraxen in Radeberg und Umgebung ist die Nachfrage nach Booster-Impfungen riesig. Überraschend: das Alter vieler Interessenten.

Von Thomas Drendel
 5 Min.
Teilen
Folgen
Immer mehr Menschen wollen sich in den Arztpraxen impfen lassen. Kurzfristig sind oft keine Termine mehr zu bekommen.
Immer mehr Menschen wollen sich in den Arztpraxen impfen lassen. Kurzfristig sind oft keine Termine mehr zu bekommen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa (Symbolbild)

Radeberg. Die Ansteckungsrate ist so hoch wie nie. Allein im Landkreis Bautzen sind derzeit fast 5.000 Menschen an Corona erkrankt. Immer mehr Personen müssen im Krankenhaus behandelt werden. Um vollständig geschützt zu sein, wollen sich viele jetzt die Auffrischungsimpfung geben lassen. Bei den Terminen der mobilen Impfteams ist der Andrang riesig. In Radeberg bildeten sich vergangenen Montag lange Schlagen.

Die sogenannte Booster-Impfung wird auch von Hausarztpraxen verabreicht. Auch hier ist die Lage angespannt. „Ja, wir vergeben Impftermine. Allerdings müssen die Patienten einige Zeit warten. Ich bin jetzt dabei, Termine für Januar zu vergeben. Bis dahin ist alles voll“, sagt Kristina Miethe von der Praxis Dr. Bacar in Radeberg.

Impfstoff ist nach ihren Angaben genügend vorhanden. „Wir verwenden den Biontech-Impfstoff und bekommen auch ausreichend zur Verfügung gestellt.“ Doch die Nachfrage ist einfach zu groß. Es müssten ja auch noch die sonstigen Patienten behandelt werden. „Mehr schaffen wir einfach nicht.“

Unter den Menschen, die sich die Drittimpfung geben lassen wollen, sind alle Altersgruppen. „Etliche Ältere wünschen die Auffrischung, aber auch Jüngere sind darunter.“ Hinzu kommen Patienten, die sich die Erst- und Zweitimpfung geben lassen. „Das hat auch wieder zugenommen.“

Auch in der Praxis von Kerstin Gatzemeier in Großerkmannsdorf ist der Andrang groß. „Etwa ein Drittel unserer Arbeit besteht derzeit im Verabreichen der Corona-Schutzimpfungen“, sagt die Ärztin. Neben dem eigentlichen Impfen sei es vor allem eine logistische Herausforderung. „Wir machen Termine, führen Listen der Interessenten, ordnen die Patienten je nach Dringlichkeit ein. Eine Mitarbeiterin ist nur mit diesen Aufgaben beschäftigt“, sagt die Ärztin.

Vordringlich werden in der Praxis eigene Patienten geimpft, aber auch wer nachfragt, bekommt einen Termin. Schon seit dem Sommer ist die Nachfrage so groß, sagt Kerstin Gatzemeier. Vor allem sind es Patienten, die sich die Auffrischungsimpfungen holen. „Es sind aber auch etliche darunter, die die Erst- oder Zweitimpfungen wünschen. Sie machen etwa 20 Prozent aus.“

Auch in der Kinderarztpraxis von Marion Weise in Radeberg ist die Nachfrage nach Corona-Schutzimpfungen hoch. „Seit den Herbstferien wollen immer mehr Eltern ihre Kinder impfen lassen. Ab einem Alter von zwölf Jahren verabreichen wir die Erst- und Zweitimpfung“, sagt Schwester Claudia.

Wegen des großen Andrangs werden derzeit nur Kinder geimpft, die bereits wegen anderer Dinge in der Praxis waren. „Wir haben einen Tag in der Woche dafür vorgesehen. Mehr schaffen wir nicht neben unserer eigentlichen Arbeit, der Behandlung der Kinder und Jugendlichen“, sagt sie. Wer sich impfen lassen möchte, sollte zunächst bei seinem Hausarzt nachfragen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat aber auch eine Liste mit Praxen veröffentlicht, die auch „fremden“ Patienten die Booster-Impfung verabreicht. Sie ist unter www.kvs-sachsen.de/buerger/corona-virus zu finden.

Um die Lage zu entspannen und mehr Menschen impfen zu können, sollten aus Sicht von Kristina Miethe die Impfzentren wieder öffnen. „Hausarztpraxen können das nicht alleine schaffen. Das zeigt schon die lange Wartezeit auf einen Termin bei uns.“ Auch Hausärztin Kerstin Gatzemeier plädiert für eine Ausweitung des Angebots. „Die Zahl der mobilen Impfteams müsste erhöht werden. So wäre es möglich, schneller die Booster-Impfungen zu verabreichen.“

Wie DRK-Sprecher Kai Kranich im aktuellen CoronaCast von Sächsische.de erklärt, ist eine Rückkehr von festen Impf-Standorten für 13 sächsische Landkreise tatsächlich angedacht. Dabei würde zwar eine mit den Impfzentren vergleichbare Struktur entstehen, jedoch nicht in gleicher Größe. "Es wird Winterquartiere geben, an denen die Impfteams fest verankert sein sollen", so Kranich. Zudem seien an diesen Standorten feste Öffnungszeiten geplant. Auch die Stadt Dresden hat am Donnerstagabend erklärt, sich für die Reaktivierung des Impfzentrums in der Messe einzusetzen.

Mehr Impfteams beziehungsweise eine bessere Personalausstattung, das hatte zuvor bereits die Landesregierung angekündigt. Ab kommender Woche sollen pro Tag dann 6.000 Impfungen möglich sein. Momentan ist es die Hälfte. Laut Landesregierung ist es schwierig, zusätzliches Personal zu finden. Um zu impfen, brauchen die Teams Ärzte und medizinische Assistenten – die müssten letztendlich wieder aus den Praxen abgezogen werden. Viele Ärzte seien aufgrund steigender Infektionszahlen wieder an der Belastungsgrenze.

In Radeberg macht ein mobiles Impfteam am Montag im Rathaus Station. Zwischen 11 und 17 Uhr werden Interessenten im Fraktionszimmer geimpft. Die Impfungen sind kostenfrei. Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig. Bitte den Impfausweis, falls vorhanden, die Krankenversicherungskarte sowie den Personalausweis mitbringen.

Inzwischen steigt die Zahl der Corona-Infektionen weiter an. Nach Angaben des RKI lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag bei 823. Im Landkreis werden derzeit 114 Menschen in Krankenhäusern wegen einer Corona-Infektion stationär behandelt. In der Radeberger Asklepios-ASB-Klinik liegen nach Auskunft des Krankenhauses 18 Covid-Patienten, drei davon auf der Intensivstation. Bereits vor mehr als einer Woche ist in der Radeberger Klinik eine Station eingerichtet worden, die sich ausschließlich um Covid-Patienten kümmert. Auf der Intensivstation können insgesamt drei Patienten versorgt werden.