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Brot backen vor der Kamera

Radeberger und Ottendorfer Schüler waren bei Meister Gnauck in der Backstube. Rein virtuell.

Schülerinnen haben im Hauswirtschaftsraum der Oberschule in Ottendorf-Okrilla ihr erstes Brot gebacken und dabei Bäckermeister Marlon Gnauck (3.v.li.) über die Schulter geschaut. Er war via Internet live zu sehen.
Schülerinnen haben im Hauswirtschaftsraum der Oberschule in Ottendorf-Okrilla ihr erstes Brot gebacken und dabei Bäckermeister Marlon Gnauck (3.v.li.) über die Schulter geschaut. Er war via Internet live zu sehen. © Marion Doering

Radeberg. Die Sache war akribisch vorbereitet. Jeder Schüler bekam eine Liste mit Dingen, die bereitgestellt werden mussten: ein Mixer mit Knethaken, ein Litermaß, Salz und Olivenöl und vieles mehr. Außerdem hatte der Ottendorfer Bäckermeister Marlon Gnauck für alle Backboxen vorbereitet, in der Zutaten für ein Brot waren: Mehl und etwas Sauerteig. Das Problem: In Zeiten von Corona, ist es nicht möglich, so viele Menschen aus unterschiedlichen Haushalten in seiner Backstube backen zu lassen. Deshalb die Idee, Schüler und Meister über das Internet zusammenzuschalten.

„Wir haben dafür Laptop und Kamera aufgestellt. Zusätzlich bin ich mit meinem Handy durch die Backstube gelaufen und habe die einzelnen Stationen live gefilmt und kommentiert“, erzählt der Meister. Die Schüler konnten dann in der elterlichen Küche oder im Hauswirtschaftsraum der Oberschule Ottendorf zeitgleich mitmachen. Insgesamt beteiligten sich 48 Mädchen und Jungen aus der Oberschule Ottendorf und der Ludwig-Richter-Oberschule in Radeberg. Für alle war das Neuland, Brotteig zusammenrühren, ihn kneten, einen Tag lang warten, backen und den heißen Laib dann aus der Röhre zu holen.

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Entsprechend viele Fragen musste Marlon Gnauck beantworten: Warum er Vollkornmehl nimmt (weil es gesünder ist), was es mit 550er Mehl auf sich hat (ist der Anteil von Mineralstoffen im Mehl, in dem Falle also 550 Milligramm) und warum er in so einem Kurs sein Wissen, also sein Betriebskapital preisgibt? „Ich finde es toll, wenn jeder selber bäckt und auch weiß, was in einem Brot beispielsweise drin ist und wie viel Arbeit die Herstellung macht. Deswegen gebe ich meine Erfahrungen gerne weiter“, sagt der Bäckermeister. Für die Schüler war das ein Abenteuer, aber auch für ihn selber. „Das fing schon mit dem Ofen an. Um den Schüler das vormachen zu können, brauchte ich einen kleinen Küchenofen. An dem Großen hier in der Backstube läuft das ja ganz anders ab. Also habe ich mir einen kleinen besorgt. Auch so einen kleinen Mixer hatte ich noch nie in der Hand. Hier bei uns erledigen das große Maschinen.“

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Am Ende hat aber alles geklappt, auch die Internetleitung hielt durch. Jeder zeigte sein Brot in die Kamera, keines war verbrannt. Initiatorin des Formats ist Lisa Liebig, Praxisberaterin an der Ludwig-Richter-Oberschule. „Mir ist es wichtig, den jungen Leuten die Berufe auch in der Corona-Zeit nahe zu bringen. Normalerweise fahren wir in die Betriebe. Jetzt ist ein Besuch nur virtuell möglich. Die meisten Schüler finden diese Art toll. Gerade das Brotbacken hat ihnen sehr viel Spaß gemacht.“ Virtuelle Rundgänge gab es bereits in der Molkerei Heinrichsthaler und in einer Gärtnerei. „Demnächst stellen wir Berufe rund um das Auto wie Lackierer oder Mechatroniker vor. Dafür haben wir bereits Firmen gefunden, die uns unterstützen, unter anderem ein Autohaus. Wir bekommen beispielsweise technische Zeichnungen oder Ersatzteile, die die jungen Leute der richtigen Stelle im Auto zuordnen können.“

Für Marlon Gnauck ist „Internetkonferenz“ ein Format mit Zukunft. „Die Schüler können zuhause oder im Klassenraum Experimente vornehmen oder etwas herstellen. Mit dem Brot backen hat das sehr gut geklappt. Ich hätte so viele bei mir gar nicht rein bekommen. Bei mir wird es auf alle Fälle eine Fortsetzung geben“, sagt er.

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