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Bundeswehr hilft gegen Corona im Kreis

Seit Sonnabend sind 20 Soldaten aus Gera im Gesundheitsamt tätig. So sollen an der Neiße weiterhin die Kontakte jedes Infizierten ermittelt werden.

Sie gehören zu den 20 Bundeswehrsoldaten aus Gera, die jetzt den Landkreis Görlitz gegen Corona unterstützen.
Sie gehören zu den 20 Bundeswehrsoldaten aus Gera, die jetzt den Landkreis Görlitz gegen Corona unterstützen. © André Schulze

Mit Computern kennen sie sich nicht so aus. Doch seit Sonnabend sitzen 20 Panzerpioniere der Bundeswehr aus Gera im Görlitzer Landratsamt vor Computern und telefonieren, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Sie sind die Verstärkung für den Landkreis im Kampf gegen Corona. 

Keine 48 Stunden hätten die Soldaten Zeit gehabt, um sich auf den Einsatz in Görlitz vorzubereiten, berichtet Mirko Oertel. Er hat den Rang eines Hauptfeldwebels und ist Zugführer. Der Berufssoldat kümmert sich sonst um die Ausbildung der Soldaten, plant Übungsstunden in den Panzern, bestellt Material. Als das Hilfeersuchen aus Görlitz eintraf, bereitete sich seine Truppe gerade auf eine Nachtfahrausbildung vor. Der Großteil der Soldaten meldete sich freiwillig, und schon am Sonnabend wurden sie im Gesundheitsamt des Kreises geschult, seitdem verstärken sie die rund 45 Mitarbeiter des Landkreises bei der Ermittlung der Kontakte. 

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Ein Blick in einen großen Raum im Görlitzer Gesundheitsamt, wo Soldaten der Bundeswehr Kontakte von Menschen nachverfolgen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben.
Ein Blick in einen großen Raum im Görlitzer Gesundheitsamt, wo Soldaten der Bundeswehr Kontakte von Menschen nachverfolgen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. © André Schulze

14 Tage arbeiten sie nun zehn Stunden ohne freien Tag. Dann lösen die nächsten 20 Soldaten sie ab. Auf dem Truppenübungsplatz in Nochten sind sie untergebracht. Bis 30. November ist der Einsatz in Görlitz geplant. Da unter den 20 auch vier Sanitäter sind, verstärken sie auch die Abstrichteams, die die Tests bei den Kontaktpersonen vornehmen. Corona - das war für viele wie Mirko Oertel weit weg. Nun aber spüren sie den Ernst der Lage.

Enorm gestiegene Arbeitsbelastung

Die Arbeitsbelastung für die rund 300 Mitarbeiter, die im Landratsamt nun bei der Pandemie-Bekämpfung tätig sind, ist in den vergangenen Tagen enorm gestiegen. Das hängt mit dem spezifischen Infektionsgeschehen im Landkreis zusammen: Es ist diffus und über den gesamten Kreis verteilt, mit Schwerpunkten im Süden. Aber eben kein großer Hotspot wie im Frühjahr noch mit dem Altenheim in Niesky. Das erschwert einerseits die Kontaktverfolgung, weil man ganz viele Ketten durchtelefonieren muss. Andererseits ist es auch ein Glück, dass das Coronavirus in diesem Herbst bislang keine Einrichtungen wie Altenheime, Kitas, Krankenhäuser oder Schulen so heimgesucht hat, dass große Gruppen und dann noch besonders gefährdete sich infiziert haben. Trotzdem steigt die Zahl der stationär behandelten Kranken. Im Landkreis sind es jetzt 16, zwei auf Intensivstationen.

Anders als in Berlin oder anderen Teilen Deutschlands bleibt der Landkreis bei seiner Strategie, die Kontakte zu jedem Infektionsfall nachzuverfolgen. "Wir können das noch leisten", betont Martina Weber am Montag vor Journalisten. Die Sozialbeigeordnete verzeichnet das auch als Erfolg der sächsischen Strategie, rechtzeitig die Gesundheitsämter verstärkt zu haben. 

Nur drei Neuinfektionen am Montag

Neben den Coronatests von Hausärzten und vom Gesundheitsamt wächst nun rasch auch eine dritte Säule heran: die Schnelltests. Sie sind nach Aussage von Landrat Bernd Lange für alle Einrichtungen frei verfügbar, dazu zählen nicht nur Krankenhäuser oder Altenheime, sondern beispielsweise auch Betriebe mit vielen Pendlern aus Polen oder Tschechien. Ein fleischverarbeitendes Unternehmen bei Weißwasser testet Lange zufolge bereits seit drei Wochen täglich seine Pendler auf Corona. Ein Vorbild auch für andere, findet der Landrat. 

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Dass am Montag nur drei Neuinfektionen im Kreis hinzukamen, empfand Lange bereits als Hoffnungszeichen. Am Montag vor einer Woche aber meldete das Gesundheitsamt nur einen Corona-Fall.  Nach den 165 neuen Corona-Fällen vom Freitag und Sonnabend ist es aber vielleicht doch ein Hoffnungszeichen.

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