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Der erste Räucherwohnwagen der Welt

Made in Dresden: Der leidenschaftliche Camper Thomas Werker ergänzt die großen sächsischen Erfindungen um ein Highlight für alle Camping-Fans.

Die Idee gab es schon früher, doch erst Corona hat Zeit und Gehirnschmalz frei für Thomas Werkers Erfindung seiner patentierten Räucherwohnwagen gemacht.
Die Idee gab es schon früher, doch erst Corona hat Zeit und Gehirnschmalz frei für Thomas Werkers Erfindung seiner patentierten Räucherwohnwagen gemacht. © Christian Juppe

Dresden. Der Anruf vom Gesundheitsamt trifft Thomas Werker wie der Blitz. Einer seiner Mitarbeiter könnte Corona haben. Alle Mann ab in Quarantäne. 

Eine Woche lang muss der Chef der Dresdner Firma Werbung Werker sein Unternehmen auf Notbetrieb drosseln, und das in diesen Zeiten. Als stresse das Virus die Geschäfte nicht schon genug.

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Inzwischen ist die Zwangspause überstanden, keiner aus dem Team hat sich tatsächlich infiziert. Jetzt tritt Thomas Werker voll aufs Gas und bringt seine Wohnwagen ins Rollen. 

Diese neue Geschäftsidee hatte gerade Fahrt aufgenommen, als der 43-Jährige kurzzeitig ausgebremst wurde: Er ist der Erfinder des ersten Räucherwohnwagens weltweit. Ein Patent adelt den Einfall und sichert dem Werbe-Betrieb alle Rechte an der Kreation. Jetzt läuft in den Werkstätten in Niedersedlitz die Produktion auf Hochtouren. 

Der Prototyp für Werkers Räucherwohnwagen ist dieses individuelle Weihnachtsgeschenkt seiner Mitarbeiter. Es brachte den Firmenchef auf seine neue Geschäftsidee. Wie auf dem zehn Meter langen Wohnwagen, mit dem Thomas Werker samt Familie selbst im Winter
Der Prototyp für Werkers Räucherwohnwagen ist dieses individuelle Weihnachtsgeschenkt seiner Mitarbeiter. Es brachte den Firmenchef auf seine neue Geschäftsidee. Wie auf dem zehn Meter langen Wohnwagen, mit dem Thomas Werker samt Familie selbst im Winter © Christian Juppe

"Wir haben aus der Vergangenheit gelernt", sagt Thomas Werker. Sein Vater Alfred war für seine Theaterplastiken bekannt. Viele Jahre lang hatte er an der Semperoper gearbeitet, die meisten Dresdner aber kennen ihn als den Vater der Märchenwaldfiguren auf dem Striezelmarkt. 

"Das erste Motiv für die Glühweintassen hat mein Vater entworfen und der Stadt geschenkt", erzählt Thomas Werker. Jahre später entbrannte ein Rechtsstreit, als ein Kläger behauptete, das Tassenbild gehe auf ihn zurück, und von der Stadtverwaltung Geld forderte. "Daran haben wir uns erinnert und sind mit unserer Erfindung sofort zum Patentamt gegangen." 

Campen bei minus 20 Grad

Vorsichtig und mit einem Strahlen im Gesicht, als hätte er es eben erst geschenkt bekommen, stellt Thomas Werker einen spielzeuggroßen, knuffigen Wohnwagen aus Holz auf den Tisch. 

Er kann räuchern und ist das jüngste Weihnachtsgeschenk seiner Mitarbeiter für ihn und seine Frau Doreen, die auch im Unternehmen arbeitet. "Weil wir so große Campingfans sind", sagt er. Draußen im Hof parkt das Original: ein zehn Meter langer Zweieinhalbtonner mit allen Schikanen, von der Fußbodenheizung bis zur Klimaanlage und Einbauküche vom Feinsten. 

Aus bis zu 85 Einzelteilen besteht ein Räucherwohnwagen. In Werkers Werkstatt setzen sie sein Schwiegervater und Ferien-Jobber Dustin mit ganz viel Fingerspitzengefühl zusammen.
Aus bis zu 85 Einzelteilen besteht ein Räucherwohnwagen. In Werkers Werkstatt setzen sie sein Schwiegervater und Ferien-Jobber Dustin mit ganz viel Fingerspitzengefühl zusammen. © Christian Juppe

Damit Urlaub zu machen, liebt Thomas Werker wie keine andere Art zu reisen. Mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern fährt er im Sommer am liebsten nach Kroatien und im Winter nach Österreich. 

"Wintercampen ist großartig!", schwärmt er. "Am besten ist es, wenn die Kälte bei minus 20 Grad so richtig knackt!" Selbst Weihnachten hat die Familie schon in ihrer rollenden Ferienwohnung verbracht.

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Das liebenswerte Weihnachtsgeschenk seiner Kollegen brachte Thomas Werker auf die Idee, es als Prototyp für eine Serienproduktion zu verstehen. Leicht abgewandelt gehört der Miniwohnwagen nun zur Produktpalette der Werbefirma und hat sogar einen großen Bruder dazu bekommen: einen Tandemachser, ebenfalls als Räucherhäuschen auf Rädern und sogar mit Beleuchtung ausgestattet. 

Während das kleine Modell dem legendären Qek Aero ähnelt, finden Campingfreunde im Miniatur-Zweiachser ihr Pendant zum etwas komfortableren Wohnwagen. 

Endmontage per Pinzette

Dass beide Modelle nicht nur schön aussehen, sondern auch gut funktionieren, hat viel Tüftelei gekostet. "Wir sind ja schließlich keine Spielzeug- oder Männelmacher", sagt Thomas Werker. 

Zur Unterstützung hat er im Mohorner Räucherkerzchenhersteller Knox einen tüchtigen Partner gefunden. Er ergänzt das Dresdner Produkt mit Beratung und regionalem Rauch.

"Fast alles fertigen wir von Hand und momentan noch komplett in unserer Firma", sagt Werker. Sein Tandemachser besteht aus 85 Einzelteilen, die mit Pinzette und Kleber zusammengefügt werden. 

Per Laser schneidet er sie aus Flugzeugbauholz aus. Es ist sehr flexibel und doch stabil. Für das Wohnwagendach lässt es sich in Form biegen. Tännchen, Campingtisch und -stühlchen, Vöglein auf dem Dach - man muss kein Faible für erzgebirgische Holzkunst haben, um entzückt zu sein. 

Thomas Werker hat schon weitere Pläne: Seine Räucherwohnwagen sollen zeitlos schön und nicht nur zu Weihnachten passend sein. Künftig könnte ein Grill die Tanne ersetzen oder auch ein Surfbrett.
Thomas Werker hat schon weitere Pläne: Seine Räucherwohnwagen sollen zeitlos schön und nicht nur zu Weihnachten passend sein. Künftig könnte ein Grill die Tanne ersetzen oder auch ein Surfbrett. © Christian Juppe

So erlebt es Thomas Werker bei seiner Kundschaft, seit die Räucherwohnwagen auf dem Markt sind. "Letztens kam ein Senior im strömenden Regen zu uns gelaufen, um sich einen Herzenswunsch zu erfüllen", erzählt er. 

Bestimmt 80 Jahre alt sei der Mann gewesen, der Fotos seines früheren Qek mitbrachte und mit Begeisterung von all den Reisen durchs sozialistische Ausland erzählte, die er mit seiner Frau campend unternommen hat. Inzwischen verbietet ihm das Alter das Autofahren. Doch zur Erinnerung wollte er unbedingt ein kleines Abbild seines geliebten Qek.

Den bekam er - sogar mit dem früheren DDR-Nummernschild ausgestattet. Denn das ist ein ganz besonderes Gimmick: Thomas Werker bietet seine Räucherwohnwagen auf Wunsch mit dem entsprechenden Kennzeichen an. 

Eins aus DDR-Zeiten zu fertigen, war für ihn ungewöhnlich, aber eine große Freude. "Etliche Camper geben ihren Wohnwagen sogar Namen", weiß er. Von Bodo über Campi bis Fridolin habe er schon viel gehört - und mit dem entsprechenden Schriftzug die neuen Besitzer vollends glücklich gemacht. 

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