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„Den Re-Start hinzukriegen, wird nicht einfach“

Landessportbund-Geschäftsführer Christian Dahms spricht im Interview über Corona-Folgen für Sachsens Sport und seinen Wunsch, wie es weitergehen könnte.

Der Wegweiser im Pandemie-Alltag mit schlechten Aussichten für den Sport. „Es hat sich gar nichts verändert“, sagt LSB-Chef Christian Dahms.
Der Wegweiser im Pandemie-Alltag mit schlechten Aussichten für den Sport. „Es hat sich gar nichts verändert“, sagt LSB-Chef Christian Dahms. © Fotostand

Herr Dahms, der Lockdown gilt weiter, für Geschäfte, Restaurants, Hotels, Kultur und auch den Sport. Was sagen Sie, was sagt der Landessportbund dazu?

Leider müssen wir feststellen, dass sich für den Sport gar nichts verändert hat, und ich sage ganz klar: Das ist für mich und alle, die wir den Sport vertreten, kein schönes Gefühl. Ich halte das für eine harte, einschneidende Maßnahme, dass der Lockdown in diesem Maße weitergeht, insbesondere für Kinder, Jugendliche und Senioren.

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Im Vorfeld der Bund-Länder-Beratung hatte die Sportministerkonferenz eine Lockerung gefordert. Haben Sie die Beschlüsse, die dann komplett am Sport vorbeigegangen sind, kalt getroffen?

Es gab Signale im Vorfeld. Was ich aber als besonders ärgerlich empfinde, ist die Ignoranz der Empfehlungen der Sportministerkonferenz. Es gab die ganz klare Empfehlung, dass der Sport bei der Beratung in der vergangenen Woche mindestens mit ins Kalkül der Entscheidungen einbezogen werden soll. Dass so etwas dann komplett negiert wird, ist schwer hinnehmbar und noch schwerer zu verstehen.

Der Draht des Landessportbundes zum Innenminister ist kurz. Haben Sie nachgehakt?

Der Innenminister, in dessen Verantwortungsbereich der Sport fällt, steht voll hinter den Beschlüssen der Sportministerkonferenz. Eine explizite Erklärung für uns gibt es nicht. Die Inzidenzzahlen sind weiterhin das alles übertreffende Merkmal. Es war am Anfang der zweiten Welle mal die Rede von einer Inzidenz 100, dann 50. Jetzt sind wir bei 35. Es wird immer schwieriger, das den Sporttreibenden begreifbar zu machen. Einzelne Bereiche werden mit Verweis auf Hygieneregeln jetzt wieder geöffnet. Hygienekonzepte haben die Sportvereine überwiegend auch.

Kindergärten und Grundschulen sind seit dieser Woche wieder offen, die Sportplätze bleiben geschlossen. Können Sie das verstehen?

Das ist eine sehr schwierige Diskussion, die selbst für Erwachsene kaum noch nachzuvollziehen ist. Das Kindern zu erklären, ist nahezu unmöglich. Sie sind am Vormittag zusammen in einer Schulklasse, dürfen am Nachmittag aber nur einen anderen Haushalt treffen, und gemeinsam Sporttreiben im Verein ist gar nicht möglich.

Welche Signale erhalten Sie aus den Vereinen, von der Sport-Basis?

Die Bandbreite an Reaktionen ist riesig und reicht von der Forderung, dass wir als Landessportbund den Freistaat Sachsen verklagen sollen, bis zu Verständnis für die Maßnahmen – verbunden mit einer großen Frage: Wann dürfen wir wieder loslegen? Die Vereine warten auf eine Rückmeldung, auf eine Perspektive für die nächsten Wochen.

Hallenbäder sind geschlossen.
Hallenbäder sind geschlossen. © dpa/Uwe Anspach

Die Klage-Forderung ist vermutlich keine Option für den Landessportbund. Was antworten Sie also den Vereinen?

Zunächst müssen wir eines festhalten: Das Oberverwaltungsgericht hat bereits entschieden, dass auch Kinder- und Jugendsport nicht stattfinden kann. Das ist also gar nicht einklagbar. Ohnehin ist es nicht so, dass der Landessportbund mal eben den Freistaat verklagen kann. Gleichwohl geht es für uns darum, die Landespolitik immer wieder darauf hinzuweisen, sich mit dem Thema vereinsbasiertes Sporttreiben auseinanderzusetzen. Wir wollen und brauchen Signale, wann und unter welchen Bedingungen es für uns weitergeht. Da reden wir zunächst über Sport im Freien. Und auch da gibt es Fragen wie beispielsweise diese, ob die Hygienekonzepte vom Spätsommer und Herbst jetzt immer noch gelten.

Wann, denken Sie, könnte es soweit sein?

Wenn wir Ende März ins Auge fassen könnten, dann bin ich mir sehr sicher, dass viele in den Vereinen alles tun werden, ein sicheres, der Pandemie-Lage entsprechendes Angebot auf die Beine zu stellen.

Christian Dahms ist Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen mit rund 656.000 Mitgliedern in etwa 4.500 Vereinen.
Christian Dahms ist Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen mit rund 656.000 Mitgliedern in etwa 4.500 Vereinen. © Landessportbund Sachsen

Fehlt dem Sport in Sachsen eine Lobby?

Das sehe ich nicht so. Momentan ist die Lage doch so, dass sich die verschiedensten Bereiche zu Wort melden: Handel, Gastronomie, Hotelbranche, Kultur und Soloselbstständige. Jeder schickt seinen Lobbyisten los, und dass die nicht alle gleichbehandelt werden können, ist uns bewusst. Trotzdem ist es nicht so, dass wir keine Lobby haben. Andere sind halt deutlich lauter.

Ist das ein Aufruf an die Sportvereine?

Ganz klar nein. Dafür gibt es uns als Dachorganisation. Und ob alles laut stattfinden muss, möchte ich auch infrage stellen. Wir führen viele Gespräche mit Entscheidungsträgern – nicht nur im Hinterzimmer, sondern direkt. Wenn jeder unserer 4.500 Vereine selbst aktiv wird, haben wir zwar viele Wortmeldungen, doch die Wirkung bezweifle ich. Dafür sind wir da, dafür setzen wir uns ein. Nur geht es nicht immer von heute auf morgen.

Fakt ist: Die Vereine verlieren an Mitgliedern. 20.000 Austritte zum Jahresende 2020 hat der Landessportbund zu konstatieren, davon allein 13.000 in der Altersklasse bis 14 Jahre. Ein alarmierendes Zeichen?

Absolut. Mit den Kindern gehen uns zum einen diejenigen verloren, die wir in Zukunft brauchen, um die Sportvereine am Leben zu erhalten. Zum anderen sind es gerade die Kinder, die in ihrer gesamten körperlichen, geistigen und sozialen Prägung ein Stück weit auch vom Sport partizipieren. Das kann nicht gut sein.

Sportplätze sind gesperrt.
Sportplätze sind gesperrt. © dpa/Bernd Thissen

Fürchten Sie weitere Folgewirkungen der Corona-Pandemie?

Diese Mitgliedererhebung ist ja tatsächlich nur das Bild, das wir zum Ende des Jahres 2020 haben. Mittlerweile sind sechs Wochen im neuen Jahr um, und der Lockdown hält an. Die Zahl wird sich also vermutlich um einiges vergrößern. Zumal wir ja auch nicht mit hundert Prozent wieder anfangen werden. Gerade der Hallensport bleibt sehr wahrscheinlich auch im April, Mai und Juni ein schwieriges Thema.

Statistische Zahlen sind das eine, und nicht jeder tritt gleich aus dem Verein aus. Experten warnen, dass die körperlich-seelischen Folgen viel dramatischer sein werden. Was meinen Sie?

Dass Kinder unter Bewegungsmangel leiden, ist hinlänglich bekannt. Diese Entwicklung wurde jetzt mit den Auswirkungen der Pandemie noch intensiviert. Doch es trifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch die Senioren. Für die Vereine wird es die große Herausforderung, an diese Altersgruppen wieder heranzukommen und denen glaubhaft darzustellen, dass Sport im Verein sicher ist. Den Re-Start gerade für diese Gruppen im Sport hinzukriegen, wird nicht einfach.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Ganz viele sich solidarisch zeigende Vereinsvertreter, die uns immer wieder mitteilen, dass sie die Corona-Regeln akzeptieren, aber in den Startlöchern bereitstehen. Der Verein ist der Kit der Gesellschaft, und das Leben dort ist eben nicht nur die reine Bewegung, das ist auch soziale Gesundheit und psychisches Wohlbefinden.

Welchen Wunsch, welche Forderung haben Sie an die Landespolitik?

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Das Interview führte Tino Meyer.

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