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Hotspot Bautzen: Sind Schnelltests die Lösung?

Der FDP-Politiker Torsten Herbst fordert für Sachsens Hotspots eine neue Strategie zur Eindämmung des Virus. Das steckt hinter den vorgeschlagenen Antigentests.

Nach einem Schnelltest weiß man innerhalb von 15 bis 30 Minuten, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Doch die Ergebnisse sind nicht immer eindeutig.
Nach einem Schnelltest weiß man innerhalb von 15 bis 30 Minuten, ob man sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Doch die Ergebnisse sind nicht immer eindeutig. © dpa

Bautzen. Der Landkreis Bautzen gehört weiterhin zu den am stärksten vom Coronavirus betroffen Regionen in ganz Deutschland. Am Mittwoch lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 330 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Der sächsische Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst (FDP) fordert, in Sachsens Corona-Hotspots flächendeckende Schnelltests anzubieten. „Die Pandemie könnte so zielgerichteter bekämpft werden als einfach mit immer neuen und härteren Lockdown-Maßnahmen, die eher ein mehr schlecht als recht gezielter Schuss mit der Schrotflinte sind“, erklärte der FDP-Politiker.

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Doch was bringen diese sogenannten Antigentests wirklich? Sächsische.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktionieren die Schnelltests?

Die Schnelltests suchen in Abstrich-Proben nach Molekülen, die charakteristisch für die Viren sind. „Der Test beruht auf Merkmalen, die das Virus auf seiner Oberfläche trägt. Dort gibt es ein Antigen, das nachgewiesen wird. Antigentest und Schnelltest sind also gleichbedeutend“, erklärt Oberarzt Dr. Thilo Driesnack vom Kamenzer Malteser-Krankenhaus St. Johannes.

Ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest wird das Ergebnis auf einem Teststreifen angezeigt. Nicht verwechseln darf man Antigentests mit Antikörpertests. Diese weisen nach, dass jemand eine Infektion überstanden und Antikörper gebildet hat.

Wie zuverlässig sind die Tests?

Antigentests sind weniger genau als die bisher üblichen PCR-Tests. Sie erkennen eine Infektion nicht so gut im Anfangsstadium und im späteren Verlauf. Wenn ein Patient aber besonders ansteckend ist, können die Schnelltests das Virus recht sicher erkennen. Wenn der Test positiv ausfällt, ist die Testperson mit ziemlicher Sicherheit infiziert. Ein negatives Ergebnis aber schließt eine Infektion nicht völlig aus.

Ein Vorteil ist, dass die Testergebnisse deutlich schneller vorliegen als bei einem PCR-Test. In der Regel weiß man nach 15 bis 30 Minuten, ob man wahrscheinlich infiziert ist oder nicht. Zudem kommt, dass die Antigentests deutlich günstiger sind als die PCR-Tests.

Werden die Tests im Kreis Bautzen bereits verwendet?

Bisher kommen sie vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Einsatz. Ziel ist es, vor allem asymptomatische Menschen mit einer Sars-CoV-2-Infektion aufzuspüren. „Die Antigentests sind für uns ein erster Indikator“, sagt Gernot Schweitzer, Sprecher des Lausitzer Seenland Klinikums in Hoyerswerda. „Wenn der Test positiv ausfällt, dann folgt ein PCR-Test.“ So könnten Infektionsketten schnell unterbrochen werden. Vor allem das Personal am Seenland-Klinikum werde so regelmäßig getestet.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst sieht in Schnelltests eine bessere Methode, um das Coronavirus zu bekämpfen, als einen immer härteren Lockdown.
Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst sieht in Schnelltests eine bessere Methode, um das Coronavirus zu bekämpfen, als einen immer härteren Lockdown. © dpa-Zentralbild

Auch das Malteser-Krankenhaus in Kamenz hat eine ähnliche Teststrategie. Nach einem positiven Schnelltest werde immer zusätzlich ein weiterer Test durchgeführt. Das können ein PCR- oder ein Labortest sein. „So kann es nicht passieren, dass ein positiv getesteter Patient mit einem negativen im Zimmer auf der Normalstation liegt und diesen womöglich ansteckt“, erklärt Dr. Thilo Driesnack. Es werde neben den Patienten vor allem das Personal der Intensivstation, Isolierstation und Notfallambulanz einmal wöchentlich getestet.

Ähnlich verfährt demnächst das Epilepsiezentrum Kleinwachau. 10.000 Schnelltests habe man bestellt, um künftig Mitarbeiter, Patienten und Klienten zu testen.

Wie sieht die Situation in anderen Bundesländern aus?

In anderen Bundesländern will man nicht nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen testen lassen. So will das Thüringer Bildungsministerium ab Anfang Dezember Antigentests einsetzen, um Beschäftigte an Schulen und Kindergärten auf eine Corona-Infektion zu testen. Auch Sachsen-Anhalt plant im neuen Jahr Schnelltests in Schulen und Kitas.

Der Bund sieht in den Schnelltests ebenfalls eine weitere Strategie zur Eindämmung der Pandemie. Laut der Deutschen Presse-Agentur, die sich auf Informationen aus dem Gesundheitsministerium stützt, sollen 2021 rund 130 Millionen Schnelltests gekauft werden.

Welchen Nutzen haben die Tests für die Zukunft?

Noch sind die PCR-Tests genauer als die Antigentests. Die nationale Teststrategie sieht daher nach einem positiven Schnelltest immer eine weitere Überprüfung vor. Prof. Alexander Dalpke, Virologie an der TU Dresden, schreibt in seiner Kolumne auf Sächsische.de: „Die nun verfügbaren Schnelltests sind vielversprechend, dürfen aber nicht als Wundermittel in der jetzigen Situation gesehen werden.“

Antigentests können die PCR-Tests also nicht ersetzen, aber eine sinnvolle Ergänzung sein. So könnte in Zukunft beispielsweise in Schulen vor dem Unterrichtsbeginn ein kurzer Test durchgeführt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es dann im Klassenzimmer keinen Corona-Fall. (mit dpa)

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