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"Herr Hilbert, verstärken Sie die Impfangebote!"

Die Dresdner Grünen fordern mehr Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Und im Zweifel die Absage der Weihnachtsmärkte.

Von Julia Vollmer
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Die Coronatests sind nicht mehr kostenlos und weniger Menschen lassen sich deshalb testen.
Die Coronatests sind nicht mehr kostenlos und weniger Menschen lassen sich deshalb testen. © Marius Becker/dpa (Symbolfoto)

Dresden. Die Coronafallzahlen in Dresden steigen und steigen. Mit dem Ende der Herbstferien am heutigen Montag dürfte das exponentielle Wachstum weitergehen. Mit dem Anstieg mehren sich auch die Forderungen nach Konsequenzen aus der Stadtpolitik an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

"Die explosive Entwicklung der Fallzahlen bei den Corona-Neuinfektionen in Sachsen und besonders in Dresden ist erschreckend und beängstigend", sagt Grünen-Gesundheitspolitiker Wolfgang Deppe.

Mit zuletzt 382 Neuinfektionen an einem Tag und einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 320 am Montag liegt Dresden bei Weitem über dem Bundesdurchschnitt und hat eine mehr als zweieinhalbfach so hohe Inzidenz wie Leipzig.

"Angesichts dieser gefährlichen Lage fordern wir den Oberbürgermeister auf, mehr für die Pandemie-Eindämmung zu tun. Dazu gehört, dass die Impfangebote noch einmal verstärkt und noch zugänglicher werden", fordert Deppe. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kitas müsse mehr getestet werden, etwa bei den Kleinen auch mit den Lolli- und Gurgel-Tests. Die Schulkinder werden in dieser ersten Schulwoche ohnehin dreimal getestet.

Weihnachtsmärkte als "Virusschleudern"?

Außerdem, so fordert die Grüne-Stadtratsfraktion, sollte OB Hilbert dafür sorgen, dass die Zugangs- und Kontaktregelungen stärker kontrolliert werden. "Vielmehr muss der Oberbürgermeister durch entsprechenden Personaleinsatz und -aufstockung für häufigere und effektivere Kontrollen sorgen", so Deppe. Im Gesundheitsamt muss weiteres Personal zur Nachverfolgung und Quarantänekontrolle eingesetzt werden, auch durch Abordnung von Landesbediensteten und Bundeswehrsoldaten.

Sorge bereiten Deppe die Ende des Monats beginnenden Weihnachtsmärkte. Sie könnten, so die Befürchtung, zu "Virusschleudern" werden. Der Zugang zu den Märkten müsse reglementiert und kontrolliert werden durch eine konsequente 3G-, bei weiterer Explosion der Fallzahlen auch 3G+- (tagesaktueller PCR-Test) oder 2G-Regelung und durch entsprechende Eingrenzungen. "Anders können die Weihnachtsmärkte überhaupt nicht verantwortlich für die Gesundheit der Bevölkerung durchgeführt und müssten wie im letzten Jahr abgesagt werden. Es gibt sehr viel zu tun für OB Hilbert", so Deppe.

Schärfere Zugangsbeschränkungen zu öffentlichen Einrichtungen

Der Gesundheitspolitiker sieht als eine Hauptursache für die steigenden Zahlen die niedrige Impfquote in Sachsen - und auch in Dresden lässt das Impfinteresse deutlich nach. Im Oktober sind lediglich 7.300 Erstimpfungen in Dresden verabreicht worden. Das entspricht der Hälfte der Dosen, die im September verabreicht wurden und im Schnitt 270 Erstimpfungen pro Werktag. Noch deutlicher wird das rückläufige Interesse mit einem Blick auf das Frühjahr: Im April erhielten in der sächsischen Landeshauptstadt noch 69.786 Menschen ihren ersten Piks. Das waren 2.326 tägliche Erstimpfungen.

"Nichtgeimpfte tragen entscheidend zur weiteren Verbreitung der gefährlichen Delta-Variante des Virus bei und gefährden damit nicht nur sich selbst, sondern Leib und Leben anderer Menschen", so Deppe. Er würde es begrüßen, wenn die sächsische Regierung am Dienstag schärfere Zugangsbeschränkungen zu öffentlichen Einrichtungen, Geschäften und Veranstaltungen, unter Umständen auch im Sinne einer 2G-Regelung (Kinder und Jugendliche ausgenommen) erwägen würde.