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Endlich wieder Unterricht in Musikschulen

Während woanders die Regeln verschärft werden, gibt es bei den Musikschulen eine Lockerung. Das kommt an.

Hannah Haferland aus Döbeln lernt seit etwa drei Jahren Gitarre. Am Dienstag bekam sie nach längerer Zeit wieder eine Unterrichtsstunde bei ihrem Gitarrenlehrer Andras Toth.
Hannah Haferland aus Döbeln lernt seit etwa drei Jahren Gitarre. Am Dienstag bekam sie nach längerer Zeit wieder eine Unterrichtsstunde bei ihrem Gitarrenlehrer Andras Toth. © Symbolbild: Lars Halbauer

Von Dagmar Doms-Berger

Region Döbeln. Die 18-jährige Musikschülerin Johanna Schumann aus Niederforst ist froh, dass endlich wieder etwas Normalität in ihren Alltag einzieht. Seit 1. Dezember haben die Musikschulen im Freistaat wieder geöffnet. Erlaubt ist zunächst der Einzelunterricht.

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Das hatte das Sächsische Staatsministerium für Kultur und Tourismus bekannt gegeben. In seiner Begründung gibt das Ministerium an, dass die Musikschulen wichtige Träger der musischen Bildung sind und durchdachte Hygienekonzepte haben. „Ich bin sehr erleichtert, dass die Musikschule wieder offen ist“, sagt die Gymnasiastin.

Sie nimmt Unterricht für die Instrumente Fagott und Klavier. Der Online-Unterricht sei wegen der Netzschwankungen sehr schwierig und anstrengend gewesen. Der Klavierunterricht war im November ganz ausgefallen. Aber vor allem hat ihr in den vergangenen Wochen der soziale Kontakt gefehlt.

Einzelunterricht gestartet

Seit Dienstag klingt es nun wieder aus der Musikschul-Villa an der Straße des Friedens in Döbeln. Der Einzelunterricht ist gestartet. Bis auf eine Ausnahme, in der Musikschul-Außenstelle Leisnig im Seniorenzentrum kann kein Unterricht gegeben werden. „Wir sind gut gerüstet, das Hygienekonzept ist sehr gut durchdacht, sodass wir unseren Lehrern und Schülern die größtmögliche gesundheitliche Sicherheit gewährleisten können“, sagt Julia Pikos von der Pressestelle der Musikschule Mittelsachsen auf Anfrage von Sächsische.de.

Der überwiegende Teil des Unterrichtes habe in den vergangenen Wochen online stattfinden können. „Da aber auch diese Unterrichtsform den menschlichen Kontakt und das Miteinander bei weitem nicht ersetzen kann, sind wir sehr glücklich darüber, jetzt zumindest den Einzelunterricht wieder aufnehmen zu können.“ Konzerte, Vorspiele und Ensembleunterricht sind derzeit noch nicht möglich.

Stufenplan für Öffnung

Gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen im Verband deutscher Musikschulen und dem Sächsischen Musikrat hat das Sächsische Staatsministerium für Kultur und Tourismus zudem einen Stufenplan für die Öffnung der Musikschulen erarbeitet. Unter Beachtung der aktuellen Pandemiesituation soll eine weitere Öffnung der Musikschulen in drei Phasen erfolgen.

Vom Einzelunterricht, über den Musikschulunterricht mit maximal fünf Personen bis hin zum Unterricht mit fünf bis maximal zehn Personen. „Sollte der vorgesehene Stufenplan offiziell in Kraft treten, werden wir auch hierfür die entsprechenden Voraussetzungen schaffen“, so Pikos.

Für die jungen Musiker gilt weiterhin: Maske auf im Schulhaus, Hände desinfizieren und Abstand halten. Für die Bläser drei Meter in Blasrichtung und zwei Meter seitlich und für die Sänger zwei Meter in alle Richtungen. Eltern dürfen das Schulhaus nur betreten, wenn sie ihre Kinder aufgrund des Alters noch zum Unterricht begleiten müssen.Pausen erweitertGroße Freude herrschte auch bei Sylvia Wagner, Chefin der gleichnamigen Musikschule in Döbeln. „Das ist prima“, sagt sie.

Corona: Verlängerte Pausen zum Lüften

Sie hatte ihre Schüler sofort nach bekannt werden der Nachricht informiert. Um die Hygieneanforderungen einzuhalten, wird der Unterrichtstag künftig aber ein wenig anders verlaufen. „Nach jeder Unterrichtsstunde mache ich 15 Minuten Pause“, so Sylvia Wagner. „Dann bleibt ausreichend Zeit zum Lüften und Desinfizieren. Außerdem können sich die Schüler auf diese Weise nicht begegnen.“

Die meisten Schüler haben Unterrichtseinheiten von 30 Minuten, einige wenige von 45 Minuten. Durch die verlängerte Pausenzeit kommt es folglich zu zeitlichen Verschiebungen. „Ich werde nicht alle Schüler wie bisher unterbringen können und daher einen neuen Stundenplan aufstellen“, so Wagner. Aber wichtig sei, dass der Präsenzunterricht wieder losgehen kann. „Vor allem die kleinen Schüler schaffen es jetzt noch, ein Weihnachtslied für Heiligabend einzuüben“, so die Musiklehrerin.

Die Umstellung auf Online-Unterricht per Skype hat wegen fehlender technischer Voraussetzungen nur mit sieben Schülern funktioniert. Zudem könne der Online-Unterricht den Präsenzunterricht nicht ersetzen, ist ihre Erfahrung. Er sei nur eine Überbrückung.

Petition erfolgreich

Hoch erfreut über die Wiederöffnung der Musikschulen ist auch Martina Bunk. Die Freiberger Musikpädagogin und Lehrerin an der Musikschule Mittelsachsen hatte am 31. Oktober eine Petition mit der Forderung nach unverzüglicher Wiedereröffnung der Musikschulen im Freistaat Sachsen gestartet.

„Heute kann ich Ihnen mitteilen, dass unsere Petition erfolgreich gewesen ist“, teilte die Musikerin vor wenigen Tagen auf der Online-Plattform openPetition mit. „Mehr ist momentan nicht denkbar“, schreibt sie und bedankt sich bei den Unterstützern.

Diese hatten in ihren Kommentaren wiederholt darauf hingewiesen, dass Musikschulen in Sachsen wie andere Schulen auch dem Kultusministerium unterstellt werden sollten und nicht dem Kulturministerium. Der Freistaat Sachsen war das einzige Bundesland, in dem die Musikschulen im November geschlossen blieben.

Bis zum 11. November kamen für die Petition 13.984 Unterschriften zusammen, 12.000 waren nötig gewesen, um die Petition beim Sächsischen Landtag einzureichen. 57 Abgeordnete von vier Fraktionen hatten zur Wiedereröffnung der Musikschulen persönlich Stellung genommen. Das sind 62,7 Prozent der Abgeordneten.

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