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Wie die Corona-Werte berechnet werden

Unterschiedliche Fallzahlen, Reproduktionsrate, Sieben-Tage-Inzidenz: Was sagen die einzelnen Statistiken der Behörden aus? Ein Überblick.

Durch die Statistiken auf Kommunaler-, Landes- und Bundesebene laufen täglich unterschiedliche Corona-Zahlen. Doch wie genau ist die Meldekette? Und wer ist wirklich ein Corona-Toter?
Durch die Statistiken auf Kommunaler-, Landes- und Bundesebene laufen täglich unterschiedliche Corona-Zahlen. Doch wie genau ist die Meldekette? Und wer ist wirklich ein Corona-Toter? © Dirk Waem/BELGA/dpa

Täglich vermelden Gesundheitsamt, Sozialministerium und das Robert-Koch-Institut (RKI) neue Corona-Zahlen für die 13 Regionen im Freistaat Sachsen. Oft variierend die Zahlen dabei stark, auch in Sachsen. Doch woran liegt das? Und wie kommen die Zahlen eigentlich vom Ergebnis eines Corona-Tests zum RKI nach Berlin? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu den Pandemie-Werten:

Welche Zahlen veröffentlichen die Gesundheitsämter?

Bei den Gesundheitsämtern der drei kreisfreien Städte und zehn Landkreise in Sachsen gehen täglich die Werte von Ärzten, Kliniken oder auch behördlichen Testzentren ein, die sie an diesem Tag ermittelt haben. Positive und negative Ergebnisse fließen in die Statistik ein, außerdem Todesfälle.

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Diese Zahlen veröffentlichen die Gesundheitsämter auf der Stadt- oder Landkreis-Internetseite einmal am Tag. Die Landeshauptstadt Dresden sowie der Landkreis Görlitz beispielsweise aktualisieren ihre Seite täglich, in der Regel um 12 Uhr, wie die Sprecher auf Anfrage von Sächsische.de mitteilen. Auch im Landkreis Mittelsachen kommt die tägliche Veröffentlichung zwischen 11 und 13 Uhr. 

Parallel hierzu leiten die einzelnen Ämter die Zahlen auch an die sächsische Landesstelle - die Landesuntersuchungsanstalt (LUA) - weiter.

Woher bekommt das Ministerium seine Corona-Werte?

Die Zahlen, die häufig von Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) in Pressekonferenzen oder öffentlichen Statements verwendet werden, stammen von der Sächsischen Landesuntersuchungsanstalt. Diese Behörde ist dem Ministerium untergeordnet und unterstützt das Gesundheitswesen durch medizinische, chemische oder andere Untersuchungen und erstellt Befunde und Gutachten. 

Alle kreisfreien Städte und Landkreise müssen der LUA ihre aktuellen Corona-Neuinfektionen täglich mit allen erforderlichen Daten übermitteln. Das erfolgt nach Angaben von Ministeriumssprecherin Juliane Morgenroth "zu unterschiedlichen Zeiten je nach Kapazitäten über den Tag verteilt". Grundlage für die täglichen Veröffentlichungen des Staatsministeriums sind die Zahlen, die der LUA zum Stichzeitpunkt - Montag sowie Mittwoch bis Freitag um 12.30 Uhr und Dienstags um 11 Uhr - vorgelegen haben. Aktualisiert werden die Statistiken im Internet jeweils am Nachmittag.

Diese sind unter anderem auch auf der Corona-Seite des Freistaates öffentlich einsehbar. Wie das Ministerium im Internet mitteilt, gibt es die Meldezahlen montags bis freitags. Am Wochenende und an Feiertagen erfolge keine Veröffentlichung, sofern es keine besonderen Ereignisse gibt. 

Die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt in Dresden: Das Institut, das dem Sozialministerium unterstellt ist, gibt täglich dreimal die aktuellen Corona-Zahlen an das Robert-Koch-Institut in Berlin weiter.
Die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt in Dresden: Das Institut, das dem Sozialministerium unterstellt ist, gibt täglich dreimal die aktuellen Corona-Zahlen an das Robert-Koch-Institut in Berlin weiter. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Wie entsteht die Statistik beim Robert-Koch-Institut?

Das Robert-Koch-Institut, das dem Bundesgesundheitsministerium unterstellt ist, erfasst täglich einheitlich übermittelte Daten zu bestätigten Covid-19-Fällen. In Sachsen ist die Landesuntersuchungsanstalt dafür zuständig.

An jedem Werktag werden die Daten dreimal eingelesen und an das RKI weitergeleitet, berichtet Juliane Morgenroth. Morgens, zum Stichtermin am Mittag sowie vor Dienstschluss. An Wochenenden und Feiertagen werden die bis dahin jeweils eingegangenen Meldungen nachmittags durch die Landesstelle eingelesen und übermittelt, so die Ministeriumssprecherin.

Am Robert-Koch-Institut werden sie dann mittels weitgehend automatisierter Algorithmen validiert. Nach eigenen Angaben werden am RKI nur Fälle veröffentlicht, bei denen unabhängig vom klinischen Bild eine labordiagnostische Bestätigung  vorliegt. Grundlage für die Veröffentlichungen des RKI in den Statistiken auf der Internetseite sind die Zahlen, die dem Institut bis zum Stichzeitpunkt 0 Uhr vorliegen, danach wird die Statistik das einzige Mal am Tag aktualisiert.

Warum gibt es überhaupt unterschiedliche Werte?

Vornweg: Die Zahlen in den einzelnen Statistiken sind nicht falsch. Die Hauptursache für die unterschiedlichen Werte liegt in der Meldekette. Denn, so heißt es vom Sächsischen Sozialministerium: Alle Ärzte und Labore, die auf Covid-19 testen, müssen das Ergebnis und die Daten des Patienten an das jeweilige Gesundheitsamt der Stadt oder des Landkreises übermitteln. 

Von dort sollte die Übermittlung an Werktagen gemäß dem Infektionsschutzgesetzes an die zuständige Landesstelle binnen einer Frist von 24 Stunden erfolgen. Im Rahmen der Pandemie wurden die Gesundheitsämter und Landesstellen aufgefordert, täglich zu übermitteln.

Die Meldezahlen verändern sich ununterbrochen. Juliane Morgenroth: "Auf den verschiedenen Ebenen können sie derzeit nie gleich hoch, sprich identisch sein. Die aktuellsten Zahlen werden immer der Stadt oder dem Landkreis vorliegen." 

Wie wird die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet?

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt an, wie viele Menschen sich auf 100.000 Einwohner gerechnet innerhalb der vergangenen Woche nachweislich infiziert haben. Sie ist ausschlaggebend für die Entscheidung über strengere oder lockerere Corona-Maßnahmen und ist sie das entscheidende Merkmal dafür, ob eine Stadt oder ein Landkreis als Risikogebiet eingestuft wird. Die Sieben-Tage-Inzidenz soll vor allem dazu dienen, das Infektionsgeschehen regional vergleichbar zu machen. 

Berechnet wird sie wie folgt: Die Summe der Neuinfektionen der letzten Tage bis zum gestrigen Tag geteilt durch die Einwohnerzahl der kreisfreien Stadt und multipliziert mit dem Wert 100.000. Für den 12. Oktober beispielsweise, so das Ministerium, wurden also die Fallzahlen vom 5. bis 11. Oktober addiert.

Berechnungsgrundlage für die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt sind dabei die Bevölkerungszahlen mit Stand 31. Dezember 2019 vom Statistischen Landesamt. 

Symbolbild: Durch die Gesundheitsämter werden täglich mehrmals aktuelle Zahlen an die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt weitergegeben.
Symbolbild: Durch die Gesundheitsämter werden täglich mehrmals aktuelle Zahlen an die Sächsische Landesuntersuchungsanstalt weitergegeben. © Uwe Soeder

Was ist die Reproduktionsrate?

Die Reproduktionsrate sagt aus, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Je niedriger der Wert, desto besser. Liegt die Reproduktionsrate bei mehr als eins, steckt ein Infizierter im Mittel mehr als einen anderen Menschen an - somit erhöht sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Liegt die Rate unter 1, steckt ein Infizierter im Mittel weniger als einen anderen Menschen an - und die Pandemie läuft nach und nach aus.

Die Berechnung der Reproduktionsrate ist komplex. Wissenschaftler können verschiedene Modelle wählen und müssen Parameter schätzen, so Moritz Kaßmann, Experte für Angewandte Analysis an der Universität Bielefeld. "Mit verschiedenen Methoden kommt man zu verschiedenen Ergebnissen", sagt er. 

Der Mathematiker empfiehlt deshalb für die Kommunikation über die Entwicklung der Corona-Fallzahlen die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Der Wert sagt aus, wie viele Menschen täglich neu als Infizierte registriert wurden. Sinkt die Zahl über mehrere Tage, kann das als positiver Trend verstanden werden.

Um Schwankungen von einzelnen Tagen oder vom Wochenende auszugleichen, wird in der Regel der Mittelwert von mehreren vergangenen Tagen berechnet. Doch egal welche Zahl man wählt, eins müsse klar sein: "Die Vorhersagen können immer nur so gut sein wie die Zahlen, aus denen sie berechnet wurden."

Wer wird als Corona-Toter gezählt?

Auf allen Ebenen wird täglich auch die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus gezählt. Doch wer ist überhaupt alles ein Corona-Toter?

In der Statistik des Robert-Koch-Instituts werden nur die Covid-19-Todesfälle gezählt, bei denen ein laborbestätigter Nachweis von Sars-CoV-2 mit einem direkten Erregernachweis vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. "Das Risiko, an Covid-19 zu versterben ist bei Personen, bei denen bestimmte Vorerkrankungen bestehen, höher. Daher ist es in der Praxis häufig schwierig, zu entscheiden, inwieweit die Sars-CoV-2 Infektion direkt zum Tode beigetragen hat", erklärt das Bundesinstitut auf seiner Internetseite

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Sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben seien („gestorben an“), als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lasse, was die Todesursache war („gestorben mit“), werden derzeit erfasst. Verstorbene, die zu Lebzeiten nicht auf Corona getestet wurden, aber in Verdacht stehen, an Covid-19 verstorben zu sein, können nach Angaben des RKI auch nach dem Tod auf das Virus untersucht werden. (mit dpa)

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