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Noch genügend Intensivbetten frei

In der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge ist der Anteil von Corona-Patienten auf Intensivstationen sehr hoch. Aber auch die Zahl der Betten.

Im Helios-Klinikum Pirna wie auch in allen anderen Kliniken im Landkreis sind Intensivbetten frei.
Im Helios-Klinikum Pirna wie auch in allen anderen Kliniken im Landkreis sind Intensivbetten frei. © Klinikum Pirna

In den Krankenhäusern im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind 72 von insgesamt 184 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Einen Tag zuvor waren es noch sechs weniger. Der aktuelle Anteil von fast 40 Prozent ist der zweithöchste aller mehr als 200 Landkreise in Deutschland. Lediglich der kleine Kreis Kitzingen (Bayern) verzeichnet einen höheren Anteil. Allerdings stehen dort lediglich sieben Intensivbetten im Krankenhaus zur Verfügung.

Das geht aus  Veröffentlichungen des Divi-Intensivregisters mit Stand vom 29. Oktober hervor. Seit April sind Kliniken, die eine Intensivstation zur Akutversorgung von Patienten betreiben, verpflichtet, die Belegung  zu melden. 

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Sachsenweit liegt der Anteil der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen bei lediglich 8,8 Prozent. Auch das liegt über dem Schnitt. Fast die Hälfte der insgesamt 154 Covid-19-Fälle in Sachsen in intensivmedizinischer Behandlung befindet sich im hiesigen Landkreis.

Kein Personalmangel in den Kliniken

Trotz des außergewöhnlich hohen Anteils braucht derzeit niemand im Landkreis zu befürchten, dass eine intensivmedizinische Behandlung deshalb gefährdet wäre. Denn es sind noch 80 Betten frei. Die Situation in den Krankenhäusern verschärft sich aber mit Verzögerung zu den steigenden Infektionszahlen. Das ist eine Erfahrung der ersten Welle im Frühjahr.

Für die derzeit freien Betten ist auch das nötige Personal vorhanden. Das ist eine wichtige Information in Zeiten von Fachkräftemangel. Die Zahl der belegbaren Intensivbetten ist dabei keine starre Größe. Die Kliniken dürfen in das Register nur die tatsächlich nutzbaren Betten auf der Station melden. 

Der Verein Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi)  fragt auch ab, ob ausreichend Pflegepersonal, Ärzte und Schutzkleidung zur Verfügung stehen. "Fehlt eine dieser Komponenten, kann dort ein kritisch kranker Mensch nicht versorgt werden und es sinkt die Anzahl der gemeldeten Betten im Register", teilt Divi-Pressesprecherin Nina Meckel mit.

© SZ Grafik

Kliniken gut ausgestattet

Dass trotz des hohen Anteils an Covid-19-Patienten freie Kapazitäten vorhanden sind, liegt zum einen daran, dass sie wegen anderer Notfälle nicht besonders ausgelastet sind. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verfügt im Bezug zur Bevölkerungszahl allerdings auch über eine gute Versorgung. Ein Intensivbett steht hier 1.330 Einwohnern zur Verfügung - statistisch gesehen. Im genannten Kitzingen ist es dagegen ein Bett je 12.800 Einwohner, in Dresden kommt eines auf rund 1.800 Einwohner und im Kreis Mittelsachsen auf rund 5.400 Einwohner.

Im Landkreis  verfügen alle Krankenhäuser in Freital, Dippoldiswalde, Pirna, Neustadt und Sebnitz über Kapazitäten auf Intensivstationen. Das sieht viel besser aus als beispielsweise in Großenhain oder Wermsdorf. Für diese Kliniken weist das Divi-Intensivregister keine Kapazitäten mehr aus.

Infektionszahl nicht ausschlaggebend

Dass der Anteil der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen so hoch ist, hat nicht unmittelbar etwas mit der Zahl der Infektionen im Landkreis zu tun. Die Inzidenz lag am Dienstag und Mittwoch dieser Woche im Landkreis bei rund 90 Infektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Das ist zwar in einem Bereich, der von Bundes- und Landesregierungen als Risikogebiet eingestuft wird. 

Zu den am stärksten betroffenen Regionen Deutschlands gehört der hiesige Landkreis aber bei Weitem nicht, er befindet sich eher im Durchschnitt. An der Spitze liegen beispielsweise der Landkreis Berchtesgadener Land oder Berlin-Neukölln mit einem Wert von weit über 200.

Auffällig an den Infektionszahlen in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge ist jedoch, dass der Anteil, der auf Ausbrüche in Seniorenheimen zurückzuführen sein könnte, extrem hoch ist. Nach Angaben des Landratsamtes in Pirna sind von den aktuell 404 positiv getesteten Personen 131 Bewohner von Pflege- und Seniorenheimen und weitere 58 Personen Mitarbeiter in Seniorenheimen. Das ist fast die Hälfte aller positiv Getesteten. Der Corona-Virus trifft die Senioren (und ihre Betreuer) also nachweislich am heftigsten.

Höhere Sterblichkeit bei Senioren über 65 nachgewiesen

Entsprechend groß dürfte der Anteil an den Patienten auf den Intensivstationen sein. Dazu gibt es jedoch keine Informationen. Wie sehr die ältere Bevölkerung in der Corona-Pandemie jedoch gefährdet ist, dazu gibt es bereits seit August eine wissenschaftliche Untersuchung des Robert-Koch-Instituts, die jetzt veröffentlicht wurde.

Darin heißt es zwar für den Betrachtungszeitraum Frühjahr 2020: "Für die Bevölkerung im Alter von unter 65 Jahren sind keine erhöhten Sterberaten im Vergleich zu 2016 und auch kein Höhepunkt der Sterberaten in den Kalenderwochen 14 und 15 zu verzeichnen." Für die Bevölkerung über 65 Jahre sieht das aber ganz anders aus. 

"In den ersten 15 Kalenderwochen stiegen die Sterberaten der älteren Bevölkerung über 65 Jahre signifikant an, mit dem Höhepunkt in den Kalenderwochen vom 30. März bis 12. April." Insgesamt wurde eine Übersterblichkeit Ende März und im April registriert, die folglich mit höheren Sterberaten der älteren Bevölkerung begründet wird. Weil zu dem Zeitpunkt Grippe-Erkrankungen kaum noch eine Rolle spielten, ist das den Wissenschaftlern zufolge auf Covid-19 zurückzuführen.

Sonderstatus der Klinik in Kreischa

Auch wenn es aktuell noch genügend freie Intensivbetten im Landkreis gibt, ist die Dynamik des Anstiegs der Covid-19-Patienten enorm. Der exponentielle Anstieg ist im Divi-Intensivregister für jeden sichtbar. Die Zeitreihe für Sachsen zeigt, dass es Anfang Oktober lediglich zwölf Patienten in ganz Sachsen waren, die wegen Covid-19 auf Intensivstationen behandelt werden mussten. Drei Wochen später war es bereits das Siebenfache. Allein in den vergangenen sieben Tagen hat sich die Zahl verdoppelt auf nunmehr 184 Patienten. Zum Vergleich: Bei der Corona-Welle im Frühjahr dieses Jahres waren es im Maximum 75 Intensiv-Patienten.

Bei dieser Statistik sind die Patienten auf Normalstationen der Kliniken noch nicht mal mitgerechnet. Laut Landratsamt waren das am Mittwoch dieser Woche 30 weitere Personen im Landkreis. Nicht mit eingerechnet sind im Divi-Intensivregister die Plätze in der Bavaria-Klinik in Kreischa. Die ist zwar auf Beatmung spezialisiert, als Reha-Klinik ist sie jedoch nur für die Folge-Behandlung und nicht für Akut-Fälle vorgesehen und deshalb auch nicht meldepflichtig.

Seit August hält der Freistaat Sachsen außerdem eine Notfallreserve von 700 Betten mit intensivmedizinischer Betreuung vor, die innerhalb von sieben Tagen zur Verfügung stehen könnte, wie es heißt. 

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