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Corona: "Gastwirte stehen zwischen allen Fronten"

Den Gästen gehen die Maßnahmen zu weit - oder eben nicht weit genug. Dehoga-Chef Axel Klein sagt, was die Gastronomen in SOE noch beschäftigt.

Axel Klein vertritt als Hauptgeschäftsführer der Dehoga die Interessen der Hoteliers und Gastwirte.
Axel Klein vertritt als Hauptgeschäftsführer der Dehoga die Interessen der Hoteliers und Gastwirte. © Christian Juppe

Herr Klein, wie stehen die Gastwirte in der Weißeritzregion zu den Corona-Regeln?

Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft. Auch in unseren Reihen gibt es unterschiedliche Ansichten zu den Corona-Maßnahmen. Doch wir müssen dazu vernünftige Diskussionen führen. Es ist wichtig, uns gegenseitig zuzuhören und eine Spaltung zu verhindern.

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Und wie ist die Stimmung unter den Gastwirten?

Sie ist nicht einfach. Wir stehen zwischen allen Fronten. Zum einen wollen die Mitarbeiter vor dem Coronavirus geschützt werden. Auf der anderen Seite kommen Gäste mit sehr verschiedenen Meinungen in unsere Gasthäuser. Dem einen gehen die Schutzmaßnahmen nicht weit genug, andere stoßen sich an den Regeln. Insgesamt ist die Dauer der Reglementierungen eine große Belastung für die Unternehmer und die Mitarbeiter. Sie müssen das entscheiden, was andere nicht entschieden haben.

Auf welche Regelungen setzen die Gastronomen?

Die Mitglieder unseres Verbandes setzen die Hygienekonzepte um, die existieren. Wir sind nicht das Problem, wir sind die Lösung. Denn mit ordentlichen Regeln kann man die Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken, minimieren. Viele Gastwirte werden die 3G-Regelungen anwenden. Das heißt, sie bewirten Gäste, die geimpft, genesen oder getestet sind. In den Gasthäusern gilt: Außer am eigenen, festen Sitzplatz muss die Maske getragen werden. Bei kleineren Feiern und bei Tagungen wird die 2G-Regelung Sinn machen – also nur der Zugang für Genesene und Geimpfte. Sämtliche Abstands- und Kapazitätsbeschränkungen und die Maskenpflicht entfallen. Dies ist ein Optionsmodell auch für den Gast. Wenn eine Familie komplett geimpft ist, wird sie dieses Model nutzen, wenn nicht, dann eher 3G.

Wo sehen Sie Schwierigkeiten?

Das Problem ist, dass die Gastronomen und ihre Mitarbeiter die Kontrolleure sein müssen. Das ist eine Herausforderung – gerade bei den unterschiedlichen Meinungen, sowohl bei den Gästen als auch bei den Unternehmern und Mitarbeitern. Zum Teil bewegen sich die Unternehmer auch in rechtlichen Grauzonen. Ich finde die Eigenverantwortung wichtig. Das heißt, jeder sollte alles tun, um sich selbst zu schützen.

Die Gasthäuser mussten über viele Monate geschlossen bleiben. Wie geht es den Betrieben jetzt?

Das Geschäft ist gut angelaufen, die Umsätze sind auch gut. Zugute kommt uns die Absenkung der Mehrwertsteuer. Aber es gibt noch eine andere Seite: Es wird lange dauern, bis die Verluste, die durch die Schließungen verursacht wurden, ausgeglichen werden. Es gibt aber auch noch andere Herausforderungen.

Welche sind das?

Wir suchen händeringend Personal. Es gibt jetzt weniger Jugendliche, aus denen wir Mitarbeiter rekrutieren können. Das zeigt sich ganz deutlich. Wir sind zudem in Konkurrenz mit anderen Branchen um die verbliebenen Arbeitskräfte. Nach sieben Monaten Zwangsschließung müssen wir Mitarbeiter, die sich beruflich anders orientiert haben, zurückgewinnen. Das ist nicht einfach.

Wie lässt sich das Personalproblem lösen?

Wir werden uns in Europa umschauen müssen. Das haben wir in der Vergangenheit zwar auch schon getan, doch diese Anstrengungen müssen wir verstärken. Wir müssen auch in den Schulen mehr für unsere Branche werben - das ging wegen der Pandemie leider nicht. Wir sind hier sehr aktiv. Im Projekt Europa-Mini-Köche kochen wir in den Ganztagsangeboten der Schulen mit Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen neun und elf Jahren. Da merken wir, dass Interesse da ist. Aber viele sind nicht informiert, was unsere Branche ausmacht, welche Chancen sich bieten und dass es viel Spaß machen kann, dort zu arbeiten.

Mussten Gasthäuser wegen der Pandemie ganz schließen?

Die Zahl der Schließungen ist überschaubar. Die Zukunft wird zeigen, ob die Folgen der Pandemie den einen oder anderen Gastwirt zur Aufgabe zwingt. Viele mussten an die Reserven gehen. Ich bin aber zuversichtlich, dass die Mehrzahl diese schweren Zeiten meistert. Ich denke da an die Familienunternehmen, die nicht so einfach zumachen können. Der Betrieb ist ihre Altersvorsorge. Schnell mal aufgeben ist nicht, solche Unternehmen kämpfen bis zuletzt. Unabhängig von den wirtschaftlichen Folgen der langen Schließung hat diese auch psychologische Folgen für die Mitarbeiter und die Unternehmer. Sieben Monate durften sie nicht arbeiten. Das zehrt.

Gab es Neueröffnung?

Es gibt wieder Unternehmer, die in der Gastronomie ihre Chance sehen. Das unterstützt die Dehoga. Wir beraten die Unternehmer, geben Hinweise auf Förderung. In der Weißeritzregion gab es nach unserer Kenntnis in der jüngsten Zeit kein Unternehmen, das neu gestartet ist. Ich denke aber, dass nach den Steuererleichterungen für Gastronomen mit Neueröffnungen zu rechnen ist. Bisher hatten die Unternehmen nur sehr geringe Möglichkeiten zu investieren, das ändert sich nun ein wenig. Wichtig ist es uns auch, dass die Unternehmensnachfolge geklärt wird, dass Kinder oder Junge Unternehmer das Geschäft weiterführen. Wir freuen uns über jede gelungene Übergabe oder einen Neustart, der reibungslos funktioniert. Denn die neue Generation bringt neue Ideen ein.

Was würden Sie sich wünschen?

Ich wünsche mir ein bisschen mehr Hoffnung und Klarheit. Ich hoffe, dass Corona bald sein Ende hat und wir zurück zu einer Normalität finden. Wir müssen aus dieser Krise wieder rauskommen. Wir sind ja nicht nur Orte für die, die nicht kochen können, sondern auch kulturelle Treffpunkte und Genussplätze. Die Gäste kommen aus den unterschiedlichsten Anlässen zu uns und genießen den Austausch oder den Service.

Das Gespräch führte Maik Brückner

Dafür steht die Dehoga

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  • Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in der Weißeritzregion ist der Interessenvertreter der Gastronomen und Hoteliers.
  • Dem Regionalverband gehören 80 Mitgliedsbetriebe an, unter anderem die Lugsteinbaude in Zinnwald, der Ratskeller in Geising, die Neue Höhe Neuklingenberg, die König-Albert-Höhe in Rabenau, die Rollmopsschänke in Freital und der Landgasthof Börnchen.
  • Insgesamt sind etwa 30 Prozent aller Betriebe der Region Mitglied im Verband.
  • Axel Klein (52) ist seit 2017 bei der Dehoga Sachsen und seit 2018 deren Hauptgeschäftsführer.

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