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Corona-Großeinsatz der Bundeswehr

Die Kliniken im Kreis Görlitz kommen beim Personal an ihre Grenzen. Nun helfen Soldaten, die sonst in Afghanistan oder Mali im Einsatz sind.

Der Generalstabsarzt der Bundeswehr Dr. Stephan Schmid informierte sich über die Arbeit und den Einsatz der 100 Soldaten aus Berlin und Weißenfels, die in den nächsten vier Wochen die fünf Krankenhäuser im Landkreis unterstützen
Der Generalstabsarzt der Bundeswehr Dr. Stephan Schmid informierte sich über die Arbeit und den Einsatz der 100 Soldaten aus Berlin und Weißenfels, die in den nächsten vier Wochen die fünf Krankenhäuser im Landkreis unterstützen © Landratsamt

Am Dienstagabend kam die Zusage von der Bundeswehr, am Mittwoch trafen die rund 100 Soldaten ein, und seit Donnerstag sind sie auf die fünf Krankenhäuser im Landkreis Görlitz verteilt, die Corona-Patienten behandeln. 

Für Generalstabsarzt Stephan Schmidt, der das Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels leitet, ist der Görlitzer Einsatz einerseits keiner wie jeder andere. Sonst ist sein medizinisches Personal bei Einsätzen in Afghanistan, Mali, auf dem Balkan oder in Litauen. Und auch in der Corona-Pandemie hatte sich bislang seine Einheit an Fieberambulanzen oder an der Unterstützung von Gesundheitsämtern mit kleineren Teams von maximal zehn Personen beteiligt. 

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Jetzt aber sind all seine verfügbaren Notfallsanitäter, Pfleger und Arzthelferinnen, die sonst für den gesamten Osten Deutschlands zur Verfügung stehen, auf den Stationen der fünf Kliniken in Görlitz, Ebersbach-Neugersdorf, Zittau und Weißwasser im Einsatz. Über die Hälfte von ihnen in den beiden Görlitzer Krankenhäusern. Bis 9. Dezember sind die Soldaten zunächst im Landkreis. Andererseits: Bei allen Einsätzen geht es darum, Menschen zu helfen, sagt Schmidt. Insofern sei es doch vergleichbar. Und Landrat Lange sagt vor Journalisten: "Ich bin dankbar und erleichtert, dass sie da sind."

19 Altenheime und Behindertenunterkünfte sind Hotspots

Der besondere Verlauf der Pandemie im Landkreis Görlitz hat zu diesem Einsatz geführt. Denn die meisten Corona-Fälle treten mittlerweile in Alten- und Behinderteneinrichtungen auf. Sozialbeigeordnete Martina Weber zählt 19 solcher Hotspots im gesamten Landkreis. Rund 600 aktive Corona-Fälle konzentrieren sich derzeit auf diese Einrichtungen, die fast allesamt unter Quarantäne stehen. Das ist ein Drittel an allen aktiven Corona-Infektionen. 

Hohe Bettenauslastung in Kliniken

Diese Entwicklung beobachtet die Spitze des Landkreises um Landrat Bernd Lange bereits seit Wochen mit Sorge. Schon in der vergangenen Woche waren die Kapazitäten in den Krankenhäusern zu 80 Prozent ausgelastet. Von Patienten im Alter zwischen 25 und 92 Jahren. Käme jetzt noch eine Vielzahl an älteren Patienten aus den betroffenen Hotspots in die Kliniken, können sie schnell an ihr Limit kommen. 

Derzeit sind von 28 Intensivbetten für Corona-Patienten im Landkreis 24 belegt: 8  Klinikum Görlitz, 1 St. Carolus Görlitz, 5 Ebersbach/Sachsen, 3 Weißwasser und 7 in Zittau. 14 von ihnen werden beatmet, gibt das zentrale Intensivbetten-Register an.  Insgesamt verfügen die Krankenhäuser im Kreis über 68 Betten auf Intensivstationen, aber es gibt ja auch noch andere OPs oder Schlaganfall- und Herzinfarktpersonen, so dass Donnerstagmittag von diesen 68 Betten nur noch 16 frei waren, also etwa jedes Vierte. 

Bei den Betten auf Normalstationen, die für Corona-Patienten freigehalten werden, sieht die Lage etwas entspannter aus. 170 solcher Betten gibt es im Landkreis, das sind etwas mehr als zehn Prozent aller Betten in den fünf Krankenhäusern. Davon sind derzeit 116 belegt, rund 70 Prozent: 26 Klinikum Görlitz, 9 St. Carolus Görlitz, 29 Ebersbach/Sachsen,  29 Zittau und 16 Weißwasser.  

Engpässe beim Personal in Krankenhäusern

Schneller als bei der reinen Zahl der Betten kommen die Krankenhäuser aber beim Personal an die Grenze. Um Corona-Patienten zu pflegen, ist viel mehr Personal nötig als gewöhnlich. Das reicht von einem Personalschlüssel von 1 Pfleger zu 1 Patienten auf der Intensivstation bis zu einem Verhältnis von 1:3 auf Normalstationen. Deswegen auch rief der Kreis nun frühzeitig die Bundeswehr zu Hilfe, Bautzen ging diesen Schritt erst diese Woche.

Verlegung von Patienten innerhalb von Sachsen möglich

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Weil die Pflege der Patienten so personalintensiv ist, ist auch das Freilenken weiterer Betten zwar möglich, aber nicht die erste Wahl. Sollten die jetzt vorgesehenen Betten belegt sein, würde, wie Landrat Bernd Lange vor Journalisten am Donnerstag erklärte, zunächst geprüft, wo in Sachsen noch freie Kapazitäten sind und Verlegungen vorgenommen. Ist dieser Weg versperrt, müssten weitere Betten in den Krankenhäusern im Landkreis für die Corona-Patienten freigemacht werden. Für einen solchen Schritt wäre es hilfreich, wenn der Bund wie im Frühjahr alle nicht-lebensnotwendigen OPs untersagt und eine Freihaltungspauschale für alle Betten zahlt. Bislang tragen die Kliniken nicht nur die Last der Pandemie, sondern auch das finanzielle Risiko. 

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