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Corona-Lage in Tschechien besser als in Sachsen

Kürzlich noch Hochinzidenzgebiet, sind die Zahlen im Nachbarland stark zurückgegangen. Was das für Reisen bedeutet.

Kontrolle an der deutsch-tschechischen Grenze in Zinnwald. Der kleine Grenzverkehr bleibt weiter untersagt.
Kontrolle an der deutsch-tschechischen Grenze in Zinnwald. Der kleine Grenzverkehr bleibt weiter untersagt. © Egbert Kamprath

Die Corona-Zahlen in Tschechien sinken ungebremst. Weniger als 3.000 Neuinfektionen meldeten die Hygieneämter am Donnerstagmorgen. Das war der niedrigste Wert an einem Wochentag seit Ende September. Den dritten Tag in Folge lag die Wocheninzidenz unter 200. Nachdem das Land Ende März den Status eines Virusvariantengebiets hinter sich ließ und Hochinzidenzgebiet wurde, steht es nun vor der Herabstufung durch das Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet.

Auch die anderen Werte sind positiv. Der R-Wert verharrt bei 0,8, die Zahl der Covid-Patienten in Krankenhäusern sank am Mittwoch auf 3.909 und hat sich damit innerhalb eines Monats mehr als halbiert. In einigen Landkreisen, vor allem an der Grenze zu Sachsen, liegt die Wocheninzidenz deutlich unter 100: im Landkreis Cheb (Eger) bei 28 und in den benachbarten Kreisen Sokolov (Falkenau) und Karlovy Vary (Karlsbad) bei 66 und 68. Die sächsischen Nachbarn im Vogtlandkreis, Erzgebirgskreis und Mittelsachsen können davon nur träumen.

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Dabei ist es noch nicht so lange her, dass im Nachbarland einzelne Landkreise eine Inzidenz von 1.000 und mehr meldeten und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps stand. Wie lässt sich dieser Umschwung erklären?

Langsames Impftempo in Tschechien

Mit dem Impftempo eher nicht. Denn das ist ähnlich wie in Deutschland. Zwar liegt Tschechien bei der vollständigen Immunisierung mit 8,5 Prozent Impfquote vor Deutschland, hinkt bei der Erstimpfung (16,3 Prozent) aber hinterher. Schon eher taugen die harten Pandemiemaßnahmen als Erklärung. So wurden die Grundschulen erst am 12. April wieder geöffnet. Im Wechselunterricht tragen die Schüler wie schon im Herbst Masken und müssen sich zweimal die Woche testen lassen. Kindergärten haben dagegen immer noch geschlossen.

Anders als in Deutschland sind die Läden immer noch fast komplett zu, bis auf die Grundversorgung wie Lebensmittelmärkte, Apotheken, Drogerien und Tankstellen. Click & Meet gibt es nicht. Auch Dienstleister wie Friseure und Kosmetiker arbeiten nicht. Am 12. April durften nur Schreibwarenläden, Geschäfte mit Kindersachen sowie die Außenbereiche der Zoos öffnen. Ebenfalls anders als in Deutschland gibt es in Betrieben seit Anfang März eine Testpflicht.

Hohe Dunkelziffer bei Corona-Infektionen

Und dann gibt es eine dritte Erklärung, die Antonín Jalovec, der Bürgermeister von Eger, parat hat: „Der Virus hat bei uns kaum noch Chancen, jemand anzustecken. Es waren doch alle schon einmal infiziert.“ Die westböhmische Stadt gehörte zumindest in der vierten Welle zu den am schwersten betroffenen Orten Tschechiens mit immens hohen Todeszahlen. Die Statistik des Gesundheitsministeriums meldet für den Landkreis, dass 15 Prozent der Bevölkerung von Covid geheilt ist. Das ist deutlich mehr als in Deutschland (knapp 4 Prozent), aber für eine Durchseuchung reicht das allerdings nicht.

Der Mathematiker und Ökonom René Levínský bestätigt jedoch den Befund von Bürgermeister Jalovec. Er geht aufgrund milder oder völlig symptomfreier Verläufe von einer weit höheren Dunkelziffer aus. „Viele hatten sich nicht testen lassen, um wegen des niedrigen Krankengelds keine Krankschreibung zu riskieren“, weiß Levínský und veranschlagt das Dreifache der offiziell gemeldeten Zahlen. „Zählt man die Impfungen hinzu, kommt man auf eine Immunität bei rund 60 Prozent der Bevölkerung“, rechnet Levínský vor.

Es sei daher kein Zufall, dass der Landkreis Cheb so eine niedrige Inzidenz hat. Gleiches gilt für den zweiten noch kürzlich stark betroffenen Landkreis Trutnov (Trautenau) im Riesengebirge, wo die Inzidenz bei nur 38 liegt. Optimistisch stimmt auch die Lage im Kreis Liberec (Reichenberg) mit einer Inzidenz von 136.

Kein kleiner Grenzverkehr weiterhin untersagt

Trotz der guten Lage ändert sich für Reisen nach Tschechien erst einmal nichts. Sie bleiben bis auf wenige Ausnahmen mit einer 14-tägigen Quarantäne verbunden, selbst wenn das Land bald „nur“ noch Risikogebiet sein sollte. Hoffnungen auf eine Lockerung dämpft das Sozialministerium Sachsen: „Der wesentlichste Unterschied wäre die weiter gefasste Liste der Quarantäne- und Testausnahmen bei der Einreise sowie die Regelung, dass der notwendige negative Test nicht bei Grenzübertritt mitgeführt werden, sondern erst 48 Stunden nach Einreise vorliegen muss“, sagt ein Sprecher und fügt hinzu: „Der ‚kleine Grenzverkehr‘ bleibt weiterhin untersagt, verbunden mit der Empfehlung, auf nicht notwendige Reisen, Besuche und Einkäufe zu verzichten.“ Auch Tschechien untersagt touristische Reisen.

Für die Einreise muss ein entsprechendes Formular ausgefüllt und ein gültiger Virentest vorgelegt werden (Antigen - maximal 24 Stunden alt, PCR maximal 72 Stunden).In Tschechien freut man sich dagegen auf weitere Öffnungen. Die Regierung hat aus Fehlern gelernt und geht diesmal vorsichtig vor. In weiterführenden Schulen soll ab Montag zwar wieder in Präsenz unterrichtet werden, aber nur in den Bezirken, in denen die Inzidenz unter 100 liegt. Das betrifft die Bezirke Karlsbad, Hradec Králové und voraussichtlich auch Plzeň (Pilsen).

Biergärten in Tschechien öffnen ab Mai

Auch der Bezirk Liberec (Reichenberg) hat gute Aussichten. In diesen Bezirken sollen dann auch die Kindergärten öffnen. Dagegen sind die Zahlen im Grenzbezirk Ústí immer noch hoch. Hier variiert die Inzidenz je nach Landkreis zwischen 160 und 261.

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Sinken die Zahlen wie bisher, könnten die restlichen Schulen am 3. Mai öffnen. An dem Tag ist auch die Öffnung aller Geschäfte geplant. Ab 10. Mai darf dann wieder an Außentischen von Restaurants und Cafés bedient werden. Eine endgültige Entscheidung wollte die Regierung Donnerstagabend fällen.

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