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Corona-Zahlenchaos im Kreis Görlitz perfekt

Für einen Tag war die Corona-Lage im Kreis Görlitz am besten in ganz Deutschland. Doch zu früh gefreut: Es war eine Panne.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, bei einer seiner Pressekonferenzen.
Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, bei einer seiner Pressekonferenzen. © Markus Schreiber/AP-Pool/dpa

Seit Donnerstagmorgen könnte es Entwarnung im Kreis Görlitz geben: Die 7-Tages-Inzidenz liegt nach Angaben des  Robert-Koch-Institutes (RKI) in Berlin im Kreis Görlitz bei 14 Fällen. So gering wie nirgends in Deutschland, weit unter allen kritischen Grenzwerten. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), eine der wichtigsten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, griff das auf ihrer Internetseite auf und listete Görlitz unter der Schlagzeile auf "Diese 21 Kreise und Städte sind keine Hotspots".

Mit 14,2 Fällen in den vergangenen sieben Tagen auf 100.000 Einwohnern wies das RKI am Donnerstag den Landkreis Görlitz aus.
Mit 14,2 Fällen in den vergangenen sieben Tagen auf 100.000 Einwohnern wies das RKI am Donnerstag den Landkreis Görlitz aus. © Foto: SZ

Schön wäre es. Der Landkreis Görlitz berechnete am Donnerstagmittag eine Inzidenz von 305 Fällen, tags zuvor lag sie bei 278. Das war der Moment, wo die Inzidenz für den Kreis beim RKI zum ersten Mal nach fünf Tagen wieder unter den kritischen Grenzwert von 50 gefallen war. Mit über 300 Fällen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner zählt der Kreis Görlitz zu den Gegenden in Deutschland derzeit, wo die Pandemie am stärksten verläuft.

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So berichtete die FAZ über die angeblich niedrigen Inzidenzzahlen im Kreis Görlitz
So berichtete die FAZ über die angeblich niedrigen Inzidenzzahlen im Kreis Görlitz © Archivfoto: SZ

Hatten die an der Meldekette beteiligten Behörden dieses Problem in den Tagen zuvor versucht zu bagatellisieren, so reagierte nun Landrat Bernd Lange auf SZ-Nachfrage. Schließlich fehlen in der Statistik des RKI mehr als 500 Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage. Zuvor hatte das Sozialministerium einen Fehler bei der Landesuntersuchungsanstalt ausgeschlossen und das RKI unter Berufung auf Angaben aus Dresden gegenüber SZ und sächsische.de erklärt, dass  "es wohl im Gesundheitsamt Probleme mit der Übermittlung der Daten" gegeben hätte.

Der Hauptgrund für die Probleme: Die Technik ist am Mittwoch ausgestiegen, sodass keine neuen Fälle nach Dresden und Berlin gemeldet werden konnten. Das ist kein neues Phänomen, sondern komme immer wieder vor. Nach SZ-Informationen gab es in den Vortagen auch Hacker-Angriffe auf das zentrale Erfassungssystem. Und zum anderen ändert der Kreis jetzt auch sein Erfassungsvorgehen. Bislang wartete er ab, bis er alle Angaben zu einer Neuinfektion hatte. Doch damit waren tagelange Verzögerungen verbunden. Das System brach zusammen, als die Zahl der Neuinfektionen so stark zunahm wie in den vergangenen Tagen.

Künftig geht das Gesundheitsamt so vor: Der Kreis gibt den Namen eines Infizierten sofort ein, unabhängig davon, ob alle Daten vorliegen. Dadurch wird er gleich gezählt und auch von der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen berücksichtigt, die dreimal am Tag die Neuinfektionen an das RKI weitermeldet. Und erst anschließend tragen die Kontaktermittler alle weiteren Daten zusammen und füllen den neuen "Corona-Fall" im Erfassungssystem vollständig aus. Das kann Tage dauern. Andere Kreise gehen ebenso vor.

Landrat Bernd Lange hofft, dass Anfang nächster Woche der Kreis es wieder schafft, dass alle Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden nach ihrem Bekanntwerden im zentralen Erfassungssystem eingetragen sind. Und damit die Inzidenz-Angaben des RKI mit der Wirklichkeit besser übereinstimmen.

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Die Schlagzeile bei der FAZ machte das Problem mit dem Zahlenwirrwarr schlagartig deutlich: Das ganze Land orientiert sich an den Zahlen des RKI. Dass sie nicht ganz mit den Zahlen der Kreise übereinstimmen, ist wegen des Meldeweges klar und einzusehen. Wenn die Zahlen aber so auseinanderfallen, dass sie sich bei der Einschätzung der Lage widersprechen, führt das zu einer zusätzlichen Verunsicherung der Bürger. Landrat Bernd Lange sagt daher, gerichtet an die Bürger im Kreis: "Orientieren Sie sich an den Zahlen des Kreises, die sind tagaktuell." 

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